Ist das deutsche Schulsystem veraltet?

Speaker 1 (00:00)
Ja, moin liebe Deutschlerner, ich sitze hier mit Robin. Den hatte ich ja eben schon angekündigt. Robin Meinert von “Auf Deutsch gesagt”. Moin Robin, erstmal!

(00:12)
Moin Flemming, vielen Dank für die Einladung.

Speaker 1 (00:15)
Ja, sehr gerne. Das lag mit dir natürlich auch so ein bisschen auf der Hand, weil du bist ja quasi schon so ein alter Hase, wenn man so will. Also so ein alter Hase im Podcast-Geschäft. Ich denke mal, wer schon länger Podcasts hört, der wird auf Deutsch gesagt sicherlich auch kennen. Kannst ja vielleicht mal ein bisschen was über dich erzählen und ja, auch über über deinen Podcast. Wieso hast du damit angefangen und wieso machst du das überhaupt?

Speaker 2 (00:42)
Ja moin, ich bin Robin, der Gründer und Moderator bei “Auf Deutsch gesagt”. Ja und ich mach, auch wie du, Podcasts für fortgeschrittene Lerner und Lernerinnen der deutschen Sprache. Und ganz nebenbei, also eigentlich hauptberuflich, bin ich noch Berufsschullehrer in einer beruflichen Schule in Hamburg und unterrichte da Deutsch als Zweitsprache, Englisch und alle kaufmännischen Lernfelder. Bei uns nennt man das nicht mehr Fach, sondern Lernfeld, weil es alles etwas kompetenzorientierter ausgerichtet ist. Also der Begriff “Fach” ist so ein bisschen veraltet. Früher hatte man Mathe, Englisch, Deutsch als Fach und das gibt es in einigen Schulformen auch immer noch. Aber bei uns ist das eben alles ein bisschen verflochten und an dem Beruf ausgerichtet. Also das sind jetzt Kaufleute, die bei uns unterrichtet werden. Und da unterrichten wir eben anhand von Prozessen im Unternehmen zum Beispiel. Und deswegen ist da dieser Kompetenz-Begriff ganz wichtig. Ja, genau das bin ich. Und nebenbei spiele ich noch in einer Band bzw. in zwei Bands Schlagzeug und das Haupt-Hobby ist aber inzwischen dieser Podcast. Und ja, das macht mir eine große Freude.

Speaker 1 (02:12)
Ja, also offensichtlich. Ich meine, du hast jetzt glaube ich auch schon knapp 50 Folgen oder mehr sogar aufgenommen, oder?

Speaker 2 (02:20)
Ja, über 60 jetzt schon.

(02:22)
Über 60. Also deswegen sage ich, wer sich mit Podcasts so ein bisschen auskennt oder die zum Deutschlernen nutzt, der kennt dich auf jeden Fall. Du hast ja auch so einen ganz interessanten Ansatz, wie du das machst, wie du da deine Folgen aufbereitest. Willst du dazu kurz mal was sagen?

Speaker 2 (02:41)
Ja, genau. Also der Podcast ist dreigeteilt. Im ersten Schritt erzähle ich meistens, was auf die Hörerschaft zukommt. Dann folgt im zweiten Teil der Hauptteil, also der Input, sozusagen ein Interview, Ausschnitt oder ich habe ein Thema vorbereitet. Zum Beispiel hatte ich da das Thema auf dem Flohmarkt, also wirklich Themen aus dem Leben gegriffen. Das ist auch für mich ganz wichtig, dass das authentisch ist, dass das Dinge sind, die ich erlebe oder die ich selber interessant finde. Also dementsprechend suche ich mir wirklich ein buntes Potpourri von von Themen und Interview-Gästen zusammen. Und das ist der zweite Teil, der geht meistens so ca. eine halbe Stunde, manchmal kürzer, manchmal länger. Und dann im dritten Teil, und das ist glaube ich so der Hauptaspekt, warum viele Deutsch Lernende meinen Podcast hören, das ist die Sprachanalyse, wo ich dann noch mal auf den wichtigsten und interessantesten Wortschatz für fortgeschrittene Lernende aus diesem Interview oder aus diesem zweiten Teil eingehe. Und der ist komplett auf Deutsch, also auf Deutsch gesagt, ist da dann eben auch Programm. Und auf Deutsch gesagt enthält natürlich auch ein bisschen diese Redewendung. Man sagt ja, auf gut Deutsch gesagt und dann folgt ja meistens etwas, was man normalerweise nicht sagen würde. Also Schimpfwörter zum Beispiel. Die sind natürlich auch immer Teil von einer Sprache und die findet man selten in Lehrwerken in der Schule.

Speaker 1 (04:22)
Genau. Hast du ein Beispiel für uns?

Speaker 2 (04:25)
Ja klar, also bei einem Misserfolg würde man sagen: ja, das war jetzt auf Deutsch gesagt scheiße. Also da gibt man dieses auf Deutsch gesagt vorweg, um zu sagen, Achtung, was jetzt kommt, würde ich eigentlich nicht sagen, aber ich sage es trotzdem.

(04:44)
Genau, genau, also so richtig deutlich, so richtig, fast schon aggressiv. Kann man das so sagen?

Speaker 2 (04:50)
Aber man nimmt eben vorweg dadurch, dass man sagt, auf Deutsch gesagt, dass man weiß, dass das jetzt ein bisschen derbe ist, was folgt.

(04:59)
Das ist so ein bisschen wie “bei allem Respekt, aber sie sind ein Arschloch”. Bei allem Respekt, aber danach folgt eigentlich immer eine respektlose Bemerkung.

(05:11)
Ja, im Podcast geht es, wie gesagt, um fortgeschrittene Deutschlernende, die einfach ein super Niveau erreichen wollen und so auf einem mittleren Niveau gerade unterwegs sind. Und das habe ich selbst beim Sprachenlernen gemerkt, dass das manchmal ein bisschen frustrierend sein kann, weil man vieles weiß. Also, ich sag mal so, viele lernen ja auch Grammatik und können das dann und ihnen fehlt aber so ein bisschen der vertiefende Kontakt zu Muttersprachlern. Was ja auch schwierig ist, wenn man Deutsch als Fremdsprache lernt und eben nicht, also nicht in Deutschland, Österreich oder der Schweiz lebt. Dann fehlt einem dieser authentische Input. Und das ist eigentlich das, was ich versuche, mit dem Podcast herzustellen. Und authentisch eben auch auf mehreren Ebenen. Also klar, authentisch in dem Sinne, dass ich Muttersprachler bin, authentisch, aber auch, dass ich nicht irgendwas vorspiele. Also ähm, es gibt ja genügend Kanäle, die eher so auf Rollenspiele setzen oder so was. Und da bin ich einfach nicht der Typ für. Also ich sage gar nicht, dass das schlecht ist. Das kann sicherlich gut sein, aber ich bin kein Schauspieler und ich würde mir mich nicht angucken wollen, wie ich zwei Personen darstelle oder so was. Deswegen sage ich ja, ich muss auch Sachen machen, die mich interessieren, um andere Leute auch anzusprechen.

Speaker 1 (06:48)
Genau, das ist ja eigentlich lustig, dass du das ansprichst. Das ist ja eigentlich auch genau das, was ich zum Beispiel ganz oft auf Instagram mache. Diese Verkörperung von zwei Charakteren. Ja, genau. Also definitiv, gebe ich dir trotzdem Recht. Es ist… Also Schauspieler bin ich auch nicht, aber in mancherlei Hinsicht ist es dann ganz gut, wenn man, wenn man das versucht, so rüberzubringen, dass es so einen so leichten Witz auch hat und so ein bisschen mehr wie ein Gespräch aufgefasst wird oder mehr so wie so ein Dialog. Natürlich kriegt man das nicht hundertprozentig hin, aber das ist so besser, als wenn man dann ein Video aufnimmt, in dem man quasi nur alle Beispiele runterrattert. Also runterattern, quasi umgangssprachlich für “etwas aufzählen”. Ja, vollkommen richtig.

(07:44)
Das ist eben auch das. In der Didaktik spricht man ja von induktiv und deduktiv induktiv ist ja, wenn man anhand eines Beispiels etwas lernt. Und das ist mir ganz, ganz wichtig, dass man auch auch eine Motivation dahinter hat, warum sollte ich jetzt diese Redewendung lernen. Auch da wieder, viele sagen “So, heute erzähle ich euch 10 Redewendungen, die man unbedingt in Deutschland braucht.” Ja, aber warum denn? Und warum jetzt diese 10 Redewendungen? Und ich versuch eben dadurch, dass ich das Beispiel vorwegschicke, dass sie merken, ich verstehe das gerade nicht, die Motivation haben, das zu lernen. So, das ist eigentlich eher meine… Also dieses Problemlösende. Das ist so eher mein Ansatz. Und deswegen kommt meine Sprachanalyse auch im Nachhinein. Also viele Schulbücher machen das ja so, dass sie Wortschatz vorwegschicken. Also, wir gucken uns jetzt diese zehn Wörter an, weil die in dem Text vorkommen. Das macht auch durchaus Sinn. Aber ab einem bestimmten Niveau finde ich, sollte man auch aushalten können, dass man Sachen nicht versteht. Und wenn ich sage, ich erkläre die wichtigsten Sachen am Ende noch mal. Dann kann man sich auch entspannen und darauf hoffen oder sich darauf verlassen, dass ich das noch mal erklären werde. Von daher ist das eher so meine Herangehensweise.

Speaker 1 (09:17)
Definitiv, finde ich, finde ich sehr logisch, auch wie du das erklärt hast. Das ist ja, das ist ja wie überall. Da wird es genug Leute geben, die das super finden. Da wird es aber auch Leute geben, die sagen “Oh, hättest du das nicht vorher erklären können, dann hätte ich schon währenddessen gewusst, was es heißt?” Da hat ja…Das ist ja auch immer individuell, also wie man das am besten oder am liebsten lernt. Also definitiv sind da die Ansätze verschieden, aber vollkommen richtig, dass du es so machst und dein Erfolg mit deinem Podcast gibt dir ja auch Recht. Also, alles im Lot.

Speaker 2 (09:52)
Es läuft ganz gut. Ich bin ganz zufrieden.

(09:55)
Sehr gut. Und neben deinem Podcast hast du schon gesagt, du bist Berufsschullehrer. Hol die Leute noch mal bitte kurz ab! Was ist jetzt der Unterschied zwischen einer Schule und einer Berufsschule?

Speaker 2 (10:05)
Also ja, deutsches Schulsystem. Wir haben ja unterschiedliche Schulformen. In der Regel geht man erst mal in die Grundschule, macht da vier Jahre und dann geht man auf eine weiterführende Schule. Und heutzutage sind das ja die Gesamtschulen und da geht man eine Zeit lang gemeinsam zur Schule und nachher kristallisiert sich eben heraus, welchen Abschluss man macht. Und nach dem Schulabschluss hat man, je nachdem was für einen Schulabschluss man hat, die Möglichkeit, eine berufliche Ausbildung zu machen oder ein Studium anzufangen. Und die Leute, die sich für eine Berufsausbildung entscheiden, das sind zum Beispiel Berufe wie Handwerksberufe oder was weiß ich, Friseur, Friseurin oder auch kaufmännische Berufe wie an meiner Schule. Das sind zum Beispiel Groß- und Außenhändler oder E-Commerce-Kaufleute. Ja, so einen Beruf zu lernen. Meistens geht so eine Ausbildung zwischen zwei und drei Jahren und in dieser Ausbildung geht man arbeiten bzw. geht in ein Unternehmen und hat da den praktischen Teil. Und dann geht man auch noch in die Schule. Also das kann in Blöcken passieren, sodass man ein paar Wochen zur Schule geht und dann ein paar Wochen in den Betrieb oder aber auch zwei Tage in der Woche in die Schule kommt und drei Tage im Betrieb ist. Und am Ende bekommt man ein Zertifikat, das zertifiziert, dass man einen Beruf erlernt hat. Und da gibt es eine ganze Liste von anerkannten Berufen und dann kann man mit diesem Zertifikat, mit dieser Ausbildung arbeiten gehen.

Speaker 1 (11:48)
Und wenn du da Deutschunterricht gibst, machst du das jetzt nur für Deutsche oder auch sind da auch viele Ausländer, wie funktioniert das?

(11:58)
Also wir haben verschiedene Sparten in der Berufsschule. Wir haben unter anderem auch die Ausbildungsvorbereitung für Migranten. Und da kommt dann mein Deutschlehrersein zum Vorschein. Das ist ja so, ich habe ursprünglich keine Germanistik studiert, ich habe zwar Fremdsprachen-Didaktik durch Englisch studiert. Aber in Zeiten wo viele Leute geflüchtet sind aus ihrem Heimatland, so 2015 rum, da wurden neue Modelle aus dem Boden gestampft, also neue Schularten. Und es wurden eben viele Lehrer gebraucht, die die jungen Leute als Deutschlehrer im Unterricht hatten. Und da wurde dann gesagt, okay, man braucht nicht unbedingt ein Deutschstudium, um auch Deutsch zu lernen. Und es gibt DaZ-Qualifikationen, also Deutsch als Zweitsprache. Das nennt man ja so, wenn man im Zielland lernt. Also Leute die jetzt nicht in Deutschland zum Beispiel sind und die Sprache Deutsch lernen, die lernen sie als Fremdsprache. Und wenn sie aber herkommen, also im Zielland die Zielsprache lernen, dann ist das jetzt mal abgekürzt gesagt, dann DaZ. Also Deutsch als Zweitsprache und das mach ich momentan und da mache ich auch gerade noch meine Qualifizierung, dass das dann auch… In Deutschland geht da immer viel über Zettel, über Zertifikate, dass ich das dann auch offiziell habe, dass ich das auch sagen kann, dass ich auch Deutschlehrer bin, weil letztendlich, also ich bin wahrscheinlich mehr Deutschlehrer als alles andere, aber ich habe noch kein Zertifikat dafür, deswegen mache ich das jetzt noch.

Speaker 1 (13:48)
Ja, ja, genau. Okay, alles klar. Trotzdem, wenn ich so an Schule denke, da steckt ja trotzdem das Wort drin, “Berufsschule”, kommt bei mir, vielleicht nur bei mir, vielleicht geht es anderen aber auch so, ein bisschen auch erst mal sofort in den Kopf: Okay, veraltete Methoden, veralteter Sprachunterricht. So ein bisschen, so ein bisschen das, was ich als Sprachenlerner eigentlich mittlerweile ablehne, weil ich denke, dass viele Bildungseinrichtungen sich einfach noch nicht entsprechend weiterentwickelt haben, auch mit den Erkenntnissen gegangen sind, die es mittlerweile ja gibt. Gerade im Bereich Sprachenlernen. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, an meinen Sprachunterricht in der Schule – puh, da wird mir angst und bange oder wie sagt man, da wird mir anders. Ich denke, in Deutschland sind wir da noch ganz gut bedient. Wenn ich so an Italien, Spanien denke, da habe ich auch einige Zeit verbracht und weiß auch, wie der Sprachunterricht dort funktioniert, nämlich wesentlich schlechter als bei uns. Trotzdem die Frage, also wie siehst du es? Ist es immer noch dieses veraltete System oder welche Macht hast du? Oder welche Möglichkeiten hast du als Deutschlehrer vielleicht auch, dieses Veraltete so ein bisschen aufzubrechen und deinen eigenen Stil da reinzubringen? Das war jetzt eine lange Frage mit vielen Fragen.

(15:28)
Ja, habe ich verstanden. Also erstmal kann ich das unterstreichen, dass es in anderen Ländern schon noch sehr viel traditioneller zugeht. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, als ich in England war und dort Deutsch gelehrt habe als Fremdsprachen-Assistent, da ging es ganz, ganz viel um Auswendiglernen. Also wenn die Frage kommt, dann sagst du diese Antwort. Und zwar muss die drei Sätze umfassen nicht mehr und nicht weniger. Und dann haben die das, haben die das auswendig gelernt. Und ich war nur der Assistent und ich musste mir das dann einfach nur angucken und durfte mit denen dann üben. Und wenn ich die Frage gestellt habe “Was ist dein Lieblingsessen?” Dann konnten die mir genau diese drei Fragen nennen. Wenn ich aber gesagt habe “Was ist dein Lieblingstier?”, dann wussten die gar nichts mehr, weil sie haben zwar Tiere gelernt, aber dieses Lieblingstier, das haben sie nicht zusammen bekommen, dass das jetzt auf einmal eine Frage ist, die sie frei beantworten könnten. Also deswegen, die hatten das wirklich, das ist die Frage, genauso. Wenn ich ein Wort tausche, dann bin ich völlig aus dem Konzept. Und dann dachte ich mir so, ohohoh, also die haben und das ist nämlich genau das, die haben natürlich alle ihr Zertifikat bekommen. Die sprechen Deutsch auf dem Niveau, weil sie auf die Prüfung vorbereitet wurden. Und das ist ja oftmals der Fall in Schule. Das und das sind die Anforderungen für Prüfungen, ABC, was weiß ich. Und dann wird sich darauf fokussiert, ob die dann wirklich sprechen können, steht auf einem anderen Blatt. Und das ist auch ein bisschen das, was ich an dem System “Schule” auch in Deutschland kritisch sehe, dass eben die Noten und die Abschlüsse immer noch im Vordergrund stehen. Bei uns an der Schule ist zum Beispiel Englisch nicht prüfungsrelevant, also in den kaufmännischen Berufen. Und das führt dazu, dass mir in der ersten Stunde von den Schülerinnen und Schülern gesagt wird, “Ist nicht prüfungsrelevant, ist nicht so wichtig für uns.” Und dann denke ich mir immer so: “Eieiei, ihr habt noch nicht so ganz verstanden, worum es hier geht.” Also kann ich den Lernenden nicht vorwerfen. Die wollen natürlich, die sind in diesem System groß geworden. Es geht nur um Noten, die haben das noch nicht verstanden, dass man wirklich fürs Leben lernt. Das ist so ein abgedroschener Satz, der auch immer wieder von Lehrern und Lehrerinnen kommt. Aber es ist ja so, also was die jetzt gratis, muss man ja auch sagen, alles mitbekommen in Deutschland. Wenn du das nachträglich machen willst, du bezahlst ein Heidengeld. Also wirklich mehrere tausend Euro für einen Englischkurs und da bekommen die das alles gratis. Aber sie sind nicht motiviert, weil sie denken “Ah, ich bekomm dafür ja jetzt keine Endnote”, oder sowas. So, deswegen. Das ist wieder auch dieses Ding Schulsystem. Es ist ein eigenes System und es hat ein Korsett. Aber innerhalb dieses Korsetts bin ich relativ frei und das ist das Schöne. Also ich habe eigentlich nur ein Curriculum, also eine Übersicht. Das und das, das sind die Themen, das sind die Kompetenzen, die erlangt werden sollen. Also da sind wir schon wesentlich weiter als vor 20 Jahren. Es geht um Kompetenzen, das hört man ja auch immer wieder im Sprachunterricht. Also, die Leute sollen auch in der Lage sein, das Gelernte anzuwenden. Und von daher ist da die Theorie auch schon sehr, sehr stark inzwischen in die Schule vorgestoßen. Aber natürlich hängt es an jedem selbst, wie er oder sie damit umgeht im Unterricht. Ob man trotzdem das Lehrwerk nimmt, was es schon seit 20 Jahren gibt oder ob man, und da gibt es ja inzwischen auch schon sehr gute Sachen, von einigen Verlagen wirklich interaktive Bücher auch nutzt und ja, einfach kreativ wird. Also, letzten Endes guckt ja keiner in meinen Unterricht. Also selten jedenfalls. Aber ich habe so das Gefühl, wenn es Spaß macht, dann merkt man das auch. Und dann erzählen die Schülerinnen und Schüler das auch weiter, sage ich mal. Und dann hört man das an der einen oder anderen Stelle. Oder wenn man mal über den Schulhof geht und sagt “Ach ja, wir haben ja gleich Englisch. Das wird bestimmt gut”, oder so, kommt manchmal vor und dann denke ich so, dafür lohnt sich das. Um das abzukürzen: es gibt Schranken, aber eigentlich ist man schon sein eigener Herr und kann machen, wie man möchte, nicht was man möchte, aber wie man möchte.

Speaker 1 (20:16)
Ja und das ist natürlich die super Überleitung, die ich jetzt gebraucht habe. Wie möchte man denn? 2Wie möchte man” – wie möchtest du denn? Also, erstmal finde ich es gut, dass du das so offen und ehrlich gesagt hast, als Lehrer oder als Teil dieses Schulsystems. Dass es ja wirklich noch so seine Probleme hat und dass es eben immer noch nicht so entwickelt ist, fortschrittlich entwickelt ist, wie es vielleicht sein müsste. Gerade was so auch Erkenntnisse angeht, im Bereich Sprachenlernen. Aber was ist denn deine Philosophie, nenne ich es jetzt mal. Okay, das klingt sehr hochtrabend, aber einfach dein Ansatz, den du verwendest? Warum sagen die Schüler auf dem Schulhof “Ich freue mich auf den Englischunterricht?”

Speaker 2 (21:05)
Also eine Sache, die wir in der Berufsschule häufig haben, ist die Handlungsorientierung. Also, dass sie etwas machen, was sinnvoll ist, was sinnstiftend ist. Also gerade so Projektunterricht, beispielsweise wir erstellen einen Podcast. Das ist ja dann sozusagen die methodische oder mediale Ebene. Aber warum erstellen wir diesen Podcast? Weil wir unser Unternehmen präsentieren wollen, auf einer Messe, auf einer Jobmesse. Und wir wollen zukünftige Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen davon überzeugen, dass das Unternehmen toll ist. So und dann lasse ich die, also liegt ja auf der Hand, Podcasts erstellen. Bring dann auch teilweise mein Equipment mit. Und ja, lass sie aber machen. Also natürlich alles auf der Fremdsprache, die sie erlernen sollen. Und dann gebe ich natürlich noch ein paar Quellen, wie editiere ich und so weiter. Lasse sie sich ein bisschen reinfinden in das Thema Podcast. Was ist das eigentlich? Welche Podcasts gibt es? Und dann können die sich aber frei entscheiden, wie sie das Ganze aufziehen wollen. Natürlich gibt es da ein Limit. Es soll nicht länger als 5 Minuten oder 10 Minuten sein und da habe ich das Gefühl, darin gehen Sie dann auf. Man gibt ihnen die Freiheit, Dinge zu machen und da haben sie dann Lust zu. Und am Ende sind da wirklich super Ergebnisse dabei. Und gerade bei solchen Projekten kommt es mir dann auch nicht darauf an, oh, es hat geklingelt. Jetzt ist Pause oder so. Wenn die noch nicht fertig sind mit ihrem letzten Editing oder so, dann, das finde ich auch wichtig, dass man nicht mehr in diesen 90 Minuten denkt oder 45 Minuten, dass man sagt “Okay, das ist jetzt gerade ein cooles Projekt. Und das, das machen wir jetzt.” Und ja, am Ende sagen alle, das war gut. Also, natürlich gibt es immer den einen oder anderen, der sagt, ich hätte aber lieber jetzt eine Klausur geschrieben, anstatt diesen Podcast bewertet zu haben, je nachdem, wie die Stärken und Schwächen sind. Natürlich ist auch nicht immer jede Stunde, kann nicht Podcast sein oder so, aber das ist die Tendenz, was ich versuche, so grundsätzlich sinnstiftende, coole Sachen zu machen.

Speaker 1 (23:26)
Ja, genau und das ist glaube ich auch das, worauf es wirklich ankommt. Was ich auch immer wieder betone, dass es einfach so viel ausmacht, wenn du beim Sprachenlernen Dinge machst, die dir Spaß machen, weil dann wirst du dich weiterentwickeln, dann wirst du wirklich lernen und dann wirst du dich verbessern. Und Vokabellisten auswendig lernen macht keinen Spaß. Klausur schreiben macht auch nur den wenigsten Spaß. Aber so ein Podcast aufnehmen oder einfach Tätigkeiten machen, die mir Freude bereiten, für die ich mich interessiere, die irgendwie auch relevant für mich sind, das ist etwas, was Spaß macht, wo ich mich wirklich weiterentwickeln kann. Und deswegen kommt’s eben gar nicht mal so sehr auf die Methode an. Das ist cool, dass du da deinen eigenen Ansatz verfolgen kannst und wirklich so dich auch ein bisschen da ausleben kannst. Und das tust du ja offenbar sehr, sehr gut, wenn die Leute dann auf dem Schulhof sich auch auf den Unterricht freuen.

Speaker 2 (24:31)
Ja, also ich will jetzt nicht sagen, dass ich da der super Lehrer bin. Natürlich habe ich auch meine meine Schwächen. Aber ich glaube, ich bin ja auch noch ein relativ junger Lehrer und wenn man da so sich auch in seine eigene Schulzeit mal hineinversetzt, die ja noch nicht so weit weg ist, die noch nicht so lange her ist, dann weiß man glaube ich schon, was tendenziell gut funktioniert und was eher nicht so gut ankommt.

Speaker 1 (24:56)
Ja, auf jeden Fall. Ja, mega Robin. Interessantes Gespräch auf jeden Fall. Letzte Frage vielleicht, wie geht es jetzt weiter für dich und deinen Podcast? Kommen noch mal 60 Folgen raus, oder was planst du so für die Zukunft?

Speaker 2 (25:12)
Ja, ich hoffe grundsätzlich natürlich, dass es so weitergeht. Also das System hat sich so – System, wir sind so heute beim System. Nein, aber natürlich ist auch System hinter dem Podcast und ich denke, dass das grundsätzlich gut ankommt. Ich würde natürlich gerne mehr machen. Also, ich habe jetzt momentan alle zwei Wochen eine Episode. Das wird auch erstmal so bleiben. Was ich aber für mich ausprobieren möchte ist zum Beispiel YouTube, weil ich glaube, dass es ein großes Potenzial hat. Aber auch da versuche ich eben diese ganzen Aspekte mit reinzubringen und das ist wirklich aufwendig. Deswegen weiß ich noch nicht genau, was da kommt ist. Da stecken ja auch immer diese Algorithmen hinter. Und jede Woche ein Video zu posten, damit überhaupt es jemand sieht, finde ich schon ziemlich herausfordernd. Und ich will nicht der Hundertste sein, der sagt “Heute erkläre ich euch eine Redewendung”. So, also deswegen, ich weiß noch nicht, ob es klappt, wie es klappt. Aber das ist so das nächste Projekt, was ich für mich angehen möchte und hoffe, dass ich da Leute auch finde, die sich ein bisschen mit Videoschnitt und mit Kamera und so auskennen. Weil, wie gesagt, ich bin zu 100 Prozent Berufsschullehrer und man kann nicht zwei Sachen zu 180 prozent machen, das klappt leider nicht. Von daher bin gespannt, was kommt. Aber ich bin zuversichtlich und freue mich auf alles, was da kommt.

Speaker 1 (26:45)
Sehr gut. Das war ein gutes Schlusswort. Und falls dir jetzt irgendwer noch schreiben will oder so was, weil er eine Frage hat oder sowas, wo kann er dich dann erreichen?

Speaker 2 (26:55)
Also, auf Instagram und auf Facebook jeweils unter “Auf Deutsch gesagt”. Ansonsten einfach googeln. Robin Meinert. “Auf Deutsch gesagt”, da findet ihr mich auf jeden Fall.

Speaker 1 (27:06)
Alles klar. Perfekt. Gut, dann danke ich dir vielmals, dass du da warst, Robin. Ich hoffe, wir hören und sehen uns in Zukunft noch mal wieder. Vielleicht machen wir noch mal eine Podcastfolge zusammen. Und dann auf jeden Fall alles Gute erstmal.

(27:18)
Ja, auf jeden Fall. Würde mich freuen. Dir auch alles Gute.

Speaker 1 (27:21)
Danke und ciao. Und ja, Leute, ansonsten wie immer, die Transkripte bekommt ihr auf meiner Website: www.NaturalFluentGerman.com. Da könnt ihr das ganze Gespräch noch mal nachlesen. Und wenn ihr sonst irgendwelche Fragen habt, schreibt mir einfach über meine Website oder Instagram. Die Links zu Robin, zu mir findet ihr wie immer in der Folgenbeschreibung. Ansonsten ja, habt habt eine schöne Zeit und wir hören uns in zwei Wochen. Bis dann. Ciao!

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By |2022-02-24T15:13:46+01:00February 23rd, 2022|Transkripte|0 Comments

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