Deutsches Geplapper – #18 – Psychologie beim Deutschlernen

Speaker 1 (00:00)
Moin Leute! Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt und euch die neue Folge von Deutsches Geplapper anhört. Die letzte Folge musste ja leider ausfallen. Ihr wisst ja vielleicht, dass ich derzeit auf einer kleinen Italienreise bin und deswegen habe ich es einfach nicht geschafft. Aber keine Sorge, jetzt geht’s weiter, wie ihr es gewohnt seid. Alle zwei Wochen eine neue Folge und auf die heutige Folge bin ich richtig gespannt. Ihr habt ja gerade in der Einleitung gehört, es geht heute so um ein paar, ja, Fragen aus psychologischer Sicht. Es geht um wichtige, essentielle Fragen beim Thema Sprachenlernen. Und damit ihr mir dann auch wirklich, wirklich glaubt, was ich da schon jahrelang erzähle, habe ich mal eine eine junge Frau eingeladen, die wirklich vom Fach ist. Die wirklich Expertin auf dem Gebiet ist. Also ich darf ganz herzlich begrüßen: Sylva, moin Sylva.

Speaker 2 (02:38)
Ja. Hi, moin Flemming. Vielen Dank für die Einladung.

Speaker 1 (02:41)
Ja, sehr gerne. Wir haben ja schon öfter mal drüber geredet, wie dieses Thema, das du ja zu deinem Beruf gemacht hast, auch im Sprachenlernen irgendwie, irgendwo relevant ist. Darüber werden wir gleich eine ganze Menge reden. Vorher möchte ich einfach erst mal, dass du vielleicht den Hörerinnen und Hörern dich so ein bisschen vorstellst. Also ich habe dich gerade so als Expertin angekündigt. Was genau machst du denn eigentlich?

Speaker 2 (03:11)
Ja, ich habe das Unternehmen Mindful Chance Creation gegründet und bin als Potenzial-Coach und Veränderungs-Mentorin unterwegs und unterstütze Menschen, die sich gerne, die sich verändern möchten. Unterstütze sie in ihrem persönlichen Veränderungsprozess, wenn sie unzufrieden sind in bestimmten Lebensbereichen, sich beruflich oder privat neu orientieren wollen, vor bestimmten Herausforderungen stehen oder sich einfach gern weiterentwickeln möchten.

Speaker 1 (03:42)
Okay. Das hat jetzt aber weniger mit Psychologie zu tun als vielmehr einfach so mit persönlicher Entwicklung. Verstehe ich das richtig?

Speaker 2 (03:51)
Na ja, persönliche Entwicklung ist ja durchaus ein Bereich der Psychologie und psychologisches Hintergrundwissen, dementsprechend natürlich auch nützlich und hilfreich.

Speaker 1 (04:00)
Okay, okay, gut, dann ja okay. Aber ich glaube, die Unterscheidung ist da auch sehr, sehr wichtig. Nicht, dass du jetzt hier missverstanden wirst. Also, du bist keine Psychologin im klassischen Sinne.

Speaker 2 (04:13)
Ich bin keine Psychologin, keine Psychotherapeutin. Ich bin Systemische Coach.

Speaker 1 (04:18)
Okay, okay. Systemische Coach, also “die Coach”? Ist das auch, man sagt, die Coach, nicht, die Coachin? Okay, dann habe ich das jetzt richtig verstanden. Wieder was gelernt. Also ich stelle mal die konkrete Frage: Wer kann denn, wer kann denn zu dir kommen? Oder welche Leute kommen normalerweise zu dir?

Speaker 2 (04:40)
Genau. Letztendlich können das ganz verschiedene Menschen sein. Auf jeden Fall Menschen, die keine psychischen Krankheiten oder Störungen mitbringen. Zumindest zu dem Zeitpunkt. Denn das würde dann, wie wir es gerade gesagt hatten, die Unterscheidung in Psychotherapie und Coaching, nicht ins Coaching fallen. Aber es sind eben Menschen aus ganz unterschiedlichsten Lebensbereichen, die auch sehr unterschiedliche Themen tatsächlich mitbringen, aber eben einfach den Wunsch haben, etwas in ihrem Leben zu verändern, sich weiterzuentwickeln und dabei Unterstützung brauchen. Durchaus auch sozusagen Blockaden aus der Vergangenheit lösen wollen, sich von etwas Altem, etwas Altes loslassen wollen, um eben Neues beginnen zu können. Und das ist, wie wir alle wissen, natürlich nicht immer einfach. Und manchmal hilft es eben auch, mit jemandem außerhalb seines eigenen sozialen Umfeldes darüber zu sprechen.

Speaker 1 (05:40)
Ich habe auch wirklich so den Eindruck, in den vergangenen Jahren gab es, gab es einfach immer mehr Leute, die so ein bisschen nach solchen Leuten wie dir gesucht haben. Also das ist jetzt meine persönliche Einschätzung, aber einfach die Probleme im Alltag nehmen eher zu als ab, würde ich sagen. Und ja, viele Leute brauchen irgendwie oder suchen einfach so ein bisschen nach professioneller Unterstützung, um ihr Leben so ein bisschen mehr in den Griff zu kriegen. Also meine Einschätzung. Teilst du das oder wie siehst du das?

Speaker 2 (06:16)
Ja, auf jeden Fall. Also sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext. Im Beruflichen gibt es natürlich viele, ja, vor allem Führungskräfte, die sich weiterentwickeln wollen. Aber auch im privaten Bereich gibt es ganz unterschiedliche Themen, in denen Menschen einfach Unterstützung suchen, um bestimmte Ziele zu verfolgen und in ihrem Leben voranzukommen sozusagen.

Speaker 1 (06:45)
Okay. Jetzt gehe ich mal krass rüber zum Thema Sprachenlernen. Also ich hatte ja angekündigt, es geht heute einfach um diese, um diese Frage aus psychologischer Sicht, wie kann man diese einzelnen wichtigen oder warum sind diese einzelnen Bereiche “Komfortzone verlassen”, “Spaß haben”, “Routinen entwickeln” so wichtig beim Sprachenlernen? Für mich erst mal die Frage: Hast du mit dem Thema Sprachenlernen irgendetwas am Hut oder ist es für dich irgendwie ein Thema, oder? Ja.

Speaker 2 (07:25)
Also ich habe natürlich auch schon mal angefangen, ein paar Sprachen zu lernen, nicht nur in der Schule, sondern auch quasi außerhalb der Schule oder nach der Schule. Muss aber auch sagen, dass es mir schwer fällt. Ich habe unter anderem Spanisch mal zwei Semester in der Uni gelernt und dann im Ausland Sprachkurse gemacht. Und wenn man drin ist, wenn man diese Routinen hat, dann ist es cool. Aber genau, sobald man rauskommt, vergisst man natürlich auch relativ schnell wieder.

Speaker 1 (07:56)
Ja, ist eigentlich interessant, weil du das geistige Know how haben müsstest, oder das, ich sage mal so, die, die Voraussetzungen ja auch und das Wissen darüber, wie man eine Sprache gut lernen könnte, zumindest was jetzt so diese diese Fragen Routine, Komfortzone verlassen und so, angeht, das hast du ja irgendwie und trotzdem fällt es dir so ein bisschen schwer.

Speaker 2 (08:18)
Wissen haben und das dann tatsächlich anwenden und umsetzen sind ja zwei sehr unterschiedliche Dinge.

Speaker 1 (08:25)
Bin ich vollkommen auf deiner Seite, ja, verstehe ich. Das ist ja auch ein ganz anderes Feld. Okay, wie auch immer, wir gehen mal einfach so richtig rein ins Thema. Und zwar, ich würde am liebsten einsteigen, mit dem Thema “Komfortzone verlassen”. Ja, ich sage immer wieder: Leute, geht raus, sprecht, sprecht, sprecht mit den Leuten! Auch wenn ihr nicht sicher seid, wie, ja, wie gut ihr seid, wie euer Niveau ist und ihr Angst habt, Fehler zu machen. Das ist wirklich ein großes Problem beim Sprachenlernen. Dass wirklich die Leute einfach, ja, so ein bisschen sich selbst im Weg stehen, kann man sagen, weil sie sich nicht trauen, ihre Sprache oder ihre erworbene Sprache auch zu benutzen. Und das ist wirklich eine der größten Hürden, eins der größten Hindernisse, was einfach dem Erfolg so richtig im Weg steht. Und deswegen ist es einfach ungeheuer wichtig, dass man wirklich rausgeht und mit den Einheimischen spricht. Warum ist denn das so wichtig? Vielleicht kannst du darauf mal ein bisschen eingehen.

Speaker 2 (09:35)
Letztendlich, alle Wünsche und Träume, die wir so haben und Ziele, die wir vor Augen haben, liegen außerhalb unserer Komfortzone. Denn in der Komfortzone kennen wir uns aus. Da wissen wir schon alles. Da haben wir bestimmte Gewohnheiten und fühlen uns wohl. Aber wir bleiben eben in diesem Bereich, in dem nicht viel Neues passiert. Wenn wir dann vielleicht das Ziel haben, beruflich zu wachsen und einen bestimmten Job haben wollen, dann müssen wir natürlich diese Grenzen auch mal überwinden oder erweitern oder wie auch immer. Wenn wir zum Beispiel zu einem Bewerbungsgespräch gehen oder so, das ist ja ähnlich wie beim Sprachenlernen rauszugehen und mit Einheimischen zu sprechen, ist das keine Alltagssituation. Das heißt, ich muss mal raus aus meiner Komfortzone und was Neues machen. Und nur wenn ich was Neues ausprobiere, kann ich auch dazulernen, kann mich weiterentwickeln, kann neue Fähigkeiten mir aneignen. Und so bewege ich mich dann Schritt für Schritt aus dieser Komfortzone raus. Komm erst mal in so eine Angst-Zone, die ich überwinden muss. Wo du schon gesagt hast, ich trau mich nicht. Aber auch, ich habe es vielleicht fünfmal ausprobiert und breche aber relativ schnell ab, weil es irgendwie Anstrengung erfordert, herausfordernd ist. Und da heißt es dann wirklich mal, ja, vielleicht auch bestimmte Überzeugungen und Glaubenssätze, die zu solchen Ängsten führen, zu hinterfragen, um das überwinden zu können, um dann in die Lern-Zone zu kommen. In der Lern-Zone schaffe ich es dann wirklich, mir neue Fähigkeiten anzueignen und mach auch erste Erfolge und sehe auch Fortschritte. Und da ist es dann einfach super wichtig, dran zu bleiben. Dass ich also mein Ziel vor Augen behalte, dass ich vor allem in dem ganzen Prozess einfach ein klares Ziel vor Augen habe. In jedem Coaching-Prozess wird als allererstes ganz klar und deutlich ein Ziel definiert, an dem wir arbeiten wollen. Und so ist es ja, so machst du es ja in deinem Coaching, auch in deinem Sprach-Coaching. Ich brauche ein Ziel vor Augen, warum ich diese Sprache lernen möchte. Nur dann habe ich auch die entsprechende Motivation und die Selbstdisziplin, das auch umzusetzen.

Speaker 1 (11:52)
Genau. Ungeheuer wichtig, dass du das jetzt sagst. Also dieses Ziel vor Augen zu haben. Wenn ich nicht weiß, warum ich eine Sprache lerne, dann wird es irgendwann richtig, richtig schwer, noch weiter Fortschritte zu machen. Da kriege ich die ersten Niveaus vielleicht hin, A1, A2. Vielleicht geht es noch ein bisschen weiter. Aber ja, spätestens wenn, wenn es dann darum geht, wirklich so richtig fließend eine Sprache zu sprechen, werde ich dann große Probleme haben. Weil da ist es entscheidend, richtig viel zu investieren, um dann den nächsten Schritt gehen zu können und dann wirklich annähernd an das muttersprachliche Niveau ran zu kommen. Und wenn ich da nicht weiß, nicht sicher bin, warum ich eigentlich noch diese Sprache lernen soll, dann, ja, ist die Aussicht auf Erfolg sehr, sehr gering. Also gut, dass du das noch mal erwähnst. Ich muss noch mal nachhaken. Du hast eben gesagt “Glaubenssätze überwinden”. Also ein Glaubenssatz wäre dann zum Beispiel: Ach, mein Deutsch ist nicht so gut oder ich kann das nicht so richtig?

Speaker 2 (12:55)
Ich kann das nicht, zum Beispiel, genau. Also Glaubenssätze sind einfach Überzeugungen, die sich in unserer gesamten Entwicklung, oft in der Kindheit, einfach manifestiert haben, die in einer bestimmten Situation sehr hilfreich waren, es aber oftmals dann irgendwann nicht mehr sind. Vor allem, wenn es eben negative Auswirkungen auf uns hat und uns zum Beispiel zurückhält in solchen Situationen und ja, bestimmte Ängste hochkommen, sodass wir uns eben nicht trauen, einen Schritt weiterzugehen oder etwas Neues zu probieren und relativ schnell solche Sachen auch wieder abbrechen.

Speaker 1 (13:32)
Okay, okay, verstanden. Also, wir verlassen also die Komfortzone, überwinden unsere Glaubenssätze, kommen in die Lern-Zone. Was passiert nach der Lern-Zone?

Speaker 2 (13:44)
Im besten Fall kommen wir dann in die sogenannte Wachstums-Zone oder auch in den Flow. Und zwar haben wir uns dann ja schon gewisse Fähigkeiten angeeignet und können die dann auch mit Fokus sowohl auf diese Tätigkeit, auf das, was wir da tun, als auch natürlich weiterhin auf unser Ziel einfach umsetzen und sind voll in dem, was wir da tun, sind mit dem verbunden, was wir da tun. Alles, was wir machen, folgt irgendwie einer inneren Logik, sozusagen. Das ist ganz klar, was wir da tun, warum wir das tun. Und dadurch geht es irgendwie mühelos sozusagen voran. Was aber nicht bedeutet, dass es nicht anstrengend ist, dass es nicht weiterhin Disziplin erfordert. Aber ja, wir sind halt durch diesen Fokus in diesem Flow, der uns dann halt auch tatsächlich echte Glücksgefühle und einfach Erfüllung sozusagen erschafft. Also das heißt noch nicht mal unbedingt, dass wir das Ziel, was wir uns vielleicht am Anfang gesteckt haben, erreicht haben, weil es manchmal ja auch sehr hohe Ziele sind. Aber auf dem Weg dorthin halt schon merken, dass das, was wir tun, uns einfach schon so sehr begeistert und so sehr erfüllt, dass das eigentlich auch schon das Richtige für uns ist sozusagen. Das ist so dieses Flow erleben.

Speaker 1 (15:10)
Ist das gleichzusetzen mit Spaß?

Speaker 2 (15:12)
Also ich glaube, im Flow zu sein ist mehr als nur Spaß zu haben, weil ich mich im Flow tatsächlich ja auch persönlich weiterentwickle, selbstbewusster werde, mutiger werde, stärker werde. Aber Spaß ist sozusagen ein super wichtiger Faktor und ich würde es auch eher Freude nennen. Und zwar Freude an dem, was ich da tue. Denn, da kommen wir auch schon wieder zurück zu diesen Überzeugungen. Wenn ich zum Beispiel Überzeugungen von anderen in meinem Umfeld übernehme, wie zum Beispiel meinen Eltern, und dadurch ja beruflich bestimmte Ziele sich ausrichten. Ich muss BWL studieren, um dann einen gut bezahlten Job zu haben. Nur als Beispiel, ohne jetzt BWL zu verteufeln. Aber dann habe ich einen super Job, hab vielleicht ein super Gehalt, kann mir ein schönes Zuhause leisten und drei mal im Jahr in den Urlaub fahren. Aber ich bin vielleicht gar nicht glücklich mit dem, was ich da mache und empfinde keine Freude, weil es vielleicht nicht das ist, was mich begeistert und nicht das ist, was ich tatsächlich als persönliches Ziel mit meinen persönlichen Werten verbinde. Dementsprechend ist einfach Freude und eine gewisse Begeisterung zu haben für das, was ich da tue, unheimlich wichtig und eine wichtige Voraussetzung.

Speaker 1 (16:27)
Ja, ja, super. Also ich kann dem gar nicht, gar nichts hinzufügen. Also jeder, der hier diesen Podcast hört und jeder, der irgendwie mir gefolgt ist, so ein bisschen in den vergangenen Monaten und Jahren, der weiß ja dieses, der kennt ja dieses Credo, was ich habe, dass man, egal was man tut, beim Sprachenlernen, auf jeden Fall Spaß haben sollte. Und ich sage immer wieder, es gibt ja nicht nur eine Methode, es gibt nicht nur diesen einen Weg zum Erfolg. Und ich glaube, das lässt sich auf viele Lebensbereiche übertragen. Also wenn du Spaß bzw. Freude auf dem Weg hast, dann ist das Ziel viel schneller erreicht bzw. jetzt wird es philosophisch, ist der Weg ja auch schon so ein bisschen das Ziel. Oder?

(17:19)
Der Weg ist das Ziel, auf jeden Fall. Ob das Ziel dann wirklich schneller erreicht ist? Aber es wird wahrscheinlich einfacher gehen. Wenn du motiviert bist und Freude daran hast oder wenn du Freude daran hast, bist du gleichzeitig ja auch motivierter.

Speaker 1 (17:30)
So, sehr schön. Okay, jetzt ist es eine runde Sache. Dann würde ich noch mal zum letzten Bereich kommen und zwar, auch das predige ich immer wieder: Routinen entwickeln. Also wie wichtig Routinen oder so eine richtige Routine beim Sprachenlernen ist. Das heißt, wenn ich Routine sage, meine ich Regelmäßigkeit und ich meine Wiederholung. Das heißt also, als Beispiel kann man sich sagen, jeden Morgen nach dem Aufstehen lese ich eine Stunde Deutsch. So, das wäre so eine feste Routine. Das lässt sich auf viele unterschiedliche Techniken und Methoden unterteilen und übertragen. Aber im Endeffekt geht es genau darum, dass du wirklich feste Zeiten hast, dass du feste, feste Tätigkeiten hast, die du dann immer wieder machst, so dass du, dass du das im Endeffekt gar nicht mehr hinterfragst, was du da tust. Du tust es einfach. Das ist wie Zähneputzen morgens nach dem Aufstehen. Genau. Darüber spreche ich im Zusammenhang Sprachenlernen immer wieder. Würdest du unterstützen, dass das eben eine enorm wichtige Sache ist oder was ist deine Einschätzung?

Speaker 2 (18:55)
Ja, Routinen sind im Lernprozess auf jeden Fall wichtig. Jeder hat ja bestimmte Gewohnheiten, die man, wie du schon sagst, auch ganz automatisch macht, weil man sie irgendwie schon immer so macht. Da ist ganz wichtig zu unterscheiden, welche sind hilfreich und welche hindern vielleicht, dass man das mal hinterfragt. Und dann ist es eben so, dass man, genau, bestimmte Routinen entwickelt und dadurch eben auch erst Fortschritte schafft. Ja, es ist letztendlich in jedem Lernprozess, ob es die Sprache ist oder ob ich mich persönlich weiterentwickle, brauche ich die Wiederholungen, damit sich mein Gehirn das einfach merkt. Damit ich das auch irgendwann ganz automatisiert umsetzen kann. Und da gibt es natürlich ganz verschiedene Möglichkeiten. Sinnvoll ist es vielleicht vor allem, wenn es einem schwer fällt, mit so Mini-Routinen anzufangen. Also, dass man sich vielleicht sagt, okay, zehn Minuten am Tag, so starte ich, setze ich eine bestimmte Sache um oder einen Teil, der mich meinem Ziel, das…Ein Teil, das mich meinem Ziel näher bringt.

Speaker 1 (20:09)
Ein Teil, der mich meinem Ziel näher bringt. Alles gut, alles gut. Wir schneiden das nicht raus. Das zeigt einfach nur allen Hörerinnen und Hörern gerade: Es ist nicht leicht. Auch für uns nicht.

Speaker 2 (20:24)
Ja, vor allem, wenn man sehr auf den Inhalt konzentriert ist. dann verschwinden mal so ein paar Worte kurz.

(20:31)
Alles gut. Ich denke, der Punkt ist klar geworden. Genau. Wiederholungen. Wiederholungen sind enorm wichtig. Was passiert denn? Was passiert denn da im Gehirn? Kannst du das irgendwie so ein bisschen genauer schildern? Oder was passiert im Kopf, wenn wir diese Wiederholungen angehen? Oder wenn wir oft Dinge wiederholen?

Speaker 2 (20:50)
Ja, in der Neurowissenschaft spricht man da von Neuroplastizität. Und zwar bedeutet das, dass unser Gehirn in der Lage ist und zwar auch bis ins hohe Erwachsenenalter, sich zu verändern. Das heißt, jedes Mal, wenn wir etwas Neues lernen, dann bilden sich neue Nervenzellen und neue Nervenbahnen. Und wenn wir diese Sache dann wiederholen, dann stärken sich diese Bahnen. Also, dann bilden sich immer mehr Zellen, die Verbindungen werden, also die Anzahl der Verbindungen wird mehr und diese, diese Nervenbahnen werden, prägen sich weiter aus und auch die Informationsübertragung wird dann schneller. Das heißt, unser Gehirn ist in der Lage, sich dahingehend auch zu verändern, sich anzupassen und dementsprechend können wir auch immer wieder Neues lernen. Aber dafür sind eben diese Routinen und die Wiederholungen wichtig. Je häufiger wir etwas wiederholen, desto mehr kann sich dieses Hirnareale oder auch diese Nervenbahn eben entwickeln.

Speaker 1 (21:53)
Es ist so, so schön, dass du das gerade sagst. Das ist einfach eine unheimlich wichtige Sache. Also ich bin wirklich glücklich, gerade, dass das hier eine Expertin in diesem Podcast einfach mal laut ausspricht. Es gibt ja so viele Leute, die mir immer wieder schreiben oder nicht nur mir, sondern generell, die auch immer wieder sagen, dass sie, dass sie ja Zweifel haben daran, ob sie noch eine Sprache lernen können. Weil: Ich bin ja schon 50 Jahre alt und kann ich jetzt noch mit dem Deutschlernen anfangen? Und so weiter und so fort. Das ist genau das, was du gerade meintest. Also natürlich lernt man als Kind einfacher, schneller. Ja, stimmst du mir da zu? Ja, aber genau wie du es sagst, es gibt eben Routinen, durch die ich, durch die ich meine Gehirnareale, meine Gehirnstruktur einfach erweitern kann und es auch in einem hohen Alter noch schaffen kann, wirklich neue Dinge zu lernen. Das ist, ich habe glaube ich schon mal in diesem Podcast, diesen Vergleich mit der oder dieses Beispiel mit der Autobahn angeführt. Die Autobahn, die schnurgeradeaus geht und ganz, ganz wenig Abfahrten hat und je älter man wird, desto weniger Abfahrten gibt es auf dieser Autobahn. Aber wenn man eben diese Routinen einführt, diese Wiederholungen regelmäßig vornimmt, dann wachsen oder entstehen da neue Abfahrten auf dieser Autobahn. Ist das ein Bild, was in deine Vorstellung auch passt?

Speaker 2 (23:37)
Ja, das ist ein interessantes Bild. Ich hatte gerade ein bisschen ein anderes Bild im Kopf, und zwar eher, dass wenn ich eine Sache zum Ersten Mal mache, dann habe ich so einen Trampelpfad geschaffen. Und je häufiger ich sie mache, desto ausgebauter wird dieser Weg, bis er irgendwann vielleicht auch asphaltiert ist und dann sich daraus diese schnelle Autobahn entwickelt, in der, auf der auch die Informationsübertragung schneller geht und fließt einfach. Wie im Flow.

(24:03)
Auch sehr schön, auch sehr schön. Also passt beides. Das mit dem Trampelpfad. Ich würde sagen, wir nehmen mal das, weil Trampelpfad ist noch eine schöne neue Vokabel, die ihr wahrscheinlich noch nicht kennt. Ein Trampelpfad ist einfach so ein, ja, eher so ein Weg, ein kleiner Pfad in der Natur, der dadurch entstanden ist, dass da viele Leute langgetrampelt, also langgegangen sind. Das nur am Rande. Viel wichtiger ist das, was wir gerade besprochen haben. Also Leute, ihr könnt auch im hohen Alter noch eine Sprache lernen. Generell: Routinen entwickeln, Dinge wiederholt lernen. Das ist einfach… Unsere Expertin Sylva hat uns gerade erklärt, wie es funktioniert. Ist einfach eine ganz, ganz entscheidende Sache.

Speaker 2 (24:50)
Vielleicht, wenn ich nochmal kurz einhaken darf: Dass ich keine Expertin für Neurowissenschaften bin, sondern das gerade ja auch sehr laienhaft erklärt habe. Aber, dass ich das gerade noch mal ganz gut finde, weil es in dem Feld, in dem ich ja tätig bin, einfach auch um Bewusstsein geht, um bewusst werden und Dinge zu hinterfragen. Und dass es total nützlich ist, dieses Hintergrundwissen zu haben, wie unser Verstand funktioniert, wie wir als Mensch funktionieren. Und gerade auch dieses Thema Neuroplastizität, Routinen einfach da so ein bisschen Hintergrundwissen zu haben, um auch zu verstehen, was muss ich denn genau tun, um mich zu verändern, um etwas Neues zu lernen, in der Sprache besser zu werden? Dass jeder für sich auch so ein bisschen Experte wird und da eben auch die eigenen Methoden oder Wege findet, wie man eben die Sprache lernt. Das sagst du ja auch. Es gibt verschiedene Übungen, verschiedene Methoden, jeder muss so ein bisschen gucken, was passt zu einem, was macht mir auch Spaß, was kann ich auch irgendwie mit Freude machen? Und so ist es in jedem Prozess, dass ich da meinen eigenen Weg finde und meine eigenen Methoden finden kann.

Speaker 1 (26:08)
Ja, perfekt. Also besser hätte ich es nicht formulieren können. Ich finde das war ein super Abschluss und ein mega, mega interessantes Gespräch. Und ich glaube, jetzt ist hoffentlich auch allen klar, dass ich hier in den vergangenen Monaten und Jahren nicht nur Müll geredet habe, sondern jetzt haben wir auch die wissenschaftliche Grundlage dafür. Vielen, vielen Dank, Sylva. Also, wie gesagt, war eine super Folge. Wenn man jetzt sagt, ich möchte ein Coaching bei Sylva buchen, weil ich gewisse Probleme, Schwierigkeiten im Leben sehe, wo sie mir vielleicht helfen kann. Wie kann man dich dann erreichen, Sylva?

Speaker 2 (26:49)
Ja, dann schaut gerne einfach mal auf meiner Internetseite www.mindfulchangecreation.com vorbei oder einfach auch auf Instagram, Mindful Chang Creation. Und genau, da findet ihr auf jeden Fall schon ein paar nützliche Infos und dann könnt ihr mich gern auch kontaktieren. Und der einfachste Weg ist dann auch tatsächlich ein ganz unverbindliches Kennenlernen Gespräch, indem man einfach mal schaut, passt man zueinander, passen die Themen zueinander und dann eben guckt, ist das was für einen?

(27:20)
Super. Und du richtest dich jetzt aber…Also der Podcast richtet sich ja jetzt an Deutschlerner und Deutschlernerinnen, also Leute, die aus dem Ausland kommen. Ist das ein Problem oder ist das, also richtest du dich jetzt nur an Deutsche oder ist das bei dir egal?

Speaker 2 (27:39)
Ich glaube, solange wir einander verstehen, ist das vollkommen in Ordnung und ist es an jeden Menschen auf diesem Planeten gerichtet, solange wir die gleiche Sprache sprechen und wir einander verstehen.

Speaker 1 (27:53)
Wunderbar. Also Leute die Links oder Sylvas Seite verlinke ich euch einfach in der Folgenbeschreibung wie immer. Ja und ansonsten bleibt mir kaum mehr etwas zu sagen, außer: vielen, vielen Dank, liebe Sylva, dass du dabei warst.

Speaker 2 (28:07)
Ja, ich danke auch. Danke, dass ich dabei sein durfte. Hat mega Spaß gemacht und wahrscheinlich könnten wir da noch stundenlang drüber quatschen, weil es ein super interessantes Thema ist.

Speaker 1 (28:15)
Auf jeden Fall. Vielleicht finden wir ja in Zukunft noch mal ein anderes, nettes Thema für diesen Podcast. Ich würde mich freuen. Ja, ansonsten sage ich “Tschüss Sylva”. Ja. Und wenn ihr Fragen zu dieser Folge habt, wenn ihr im Nachhinein noch mal feststellt “Oh, das habe ich nicht ganz verstanden”, dann schreibt entweder Sylva direkt. Ihr kennt jetzt, ihr wisst jetzt, wie ihr sie erreicht oder schreibt einfach mir auch über Instagram und wir versuchen euch da natürlich recht schnell zu antworten. Ansonsten, ihr findet das Transkript wie immer auf meiner Website zum Mitlesen. Einige Passagen waren ja ein bisschen komplizierter, also könnt ihr da noch mal nachlesen. Ja und Leute, ihr wisst, wie sehr mir Bewertungen helfen, wie sehr diesem Podcast Bewertungen helfen. Wenn ihr wollt, dass dieser Podcast weiterhin bestehen bleibt, dann helft mir. Bewertet mich bei Spotify, bei iTunes. Aktiviert die Benachrichtigungen, um keine Folge mehr zu verpassen und folgt dem Podcast auch! Das wäre einfach super von euch. Geht auch ganz schnell. Ja und ansonsten Leute, hört euch diese Folge nicht nur einmal an, sondern hört sie euch mehrmals an! Das habt ihr spätestens in dieser Folge gelernt, wie wichtig Wiederholungen sind, für den Lernprozess. Also, wir sind jetzt bei knapp einer halben Stunde. Hört sie euch einfach drei, viermal an, dann habt ihr schon zwei Stunden richtig, richtig effektiv Deutsch gelernt. Also Leute, macht’s gut, wir hören uns in zwei Wochen hoffentlich wieder. Hoffentlich schaltet ihr dann wieder ein. Ich wünsche euch einen richtig schönen Tag und eine tolle Woche. Ciao!

Hier findet ihr Sylva:

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Instagram

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By |2022-05-06T19:11:49+02:00April 27th, 2022|Transkripte|1 Comment

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One Comment

  1. Leonor 28. April 2022 at 00:03 - Reply

    Vielen dank, sehr interessant

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