Flemming

Ja. Moin, liebe Leute. Schön, dass ihr wieder dabei seid, hier bei Deutsches Geplapper. Schön, dass ihr eingeschaltet habt. Ich habe heute wieder einen Gast dabei, und zwar Robin von „Auf Deutsch gesagt“. Mit dem habe ich schon mal eine Folge gemacht. Wenn ihr euch erinnert, da ging es um das deutsche Schulsystem und die Frage, ob es veraltet ist. Wenn ihr sie noch nicht gehört habt, hört sie euch gerne noch mal an. War sehr, sehr interessant. Heute haben wir ein ganz andere, ein ganz anderes Thema. Und zwar, es geht um die Frage, welche Fehler die Deutschen eigentlich machen, wenn sie sprechen. Also Muttersprachler. Ich höre nämlich immer wieder, auch im Coaching und in Gesprächen mit Deutschlernenden den Satz, ich würde gerne sprechen wie Muttersprachler, ich würde gerne sprechen wie ein Deutscher. Also manchmal muss man so ein bisschen vorsichtig sein mit dem, was man sich da wünscht. In manchen Fällen ist das gar nicht so gut, zu sprechen wie ein Deutscher. Deutsche machen nämlich auch sehr viele Fehler.

Das kennt ihr vielleicht auch aus eurer eigenen Muttersprache. Einige Fehler sind ja mittlerweile allgemein akzeptiert. Stehen mittlerweile sogar als umgangssprachliche Begriffe im Duden. Andere sind dagegen hochgradig problematisch und klingen einfach nur schrecklich. Und heute, wie gesagt, spreche ich mit Robin von Auf Deutsch gesagt darüber, welche typischen Fehler es gibt, woher sie kommen und wie man eben damit umgehen sollte. Also ich begrüße erst mal meinen Gast Robin. Moin Robin.

Robin

Moin, moin, na vielen Dank für die Einladung.

Flemming

Sehr gerne. Wir haben ja eben schon eine Podcastfolge aufgenommen für deinen Podcast Auf Deutsch gesagt und haben so ein kleines interessantes Quiz gemacht. Das war auch richtig cool. Also Leute, wenn ihr da noch mal Interesse habt an so einem kleinen Deutsch-Quiz, an ein paar kniffligen, komplizierten Fragen rund um die deutsche Sprache, dann hört auf jeden Fall da auch mal rein. Und ansonsten Robin, ich habe gesehen, du kommst gerade aus Kanada zurück, oder?

Robin

Ja, genau, da hatte ich einen langen, schönen Urlaub. Und ja, auch hinsichtlich der Sprache war das ganz interessant, weil man dort natürlich teilweise auch Deutsch spricht, teilweise natürlich Englisch, aber auch Französisch. Und ich bin von Toronto nach Quebec gefahren und auf einmal merkte man dann Oh, hier hat sich die Sprache auf einmal von Englisch zu Französisch gewandelt. Und dann kamen wir mit unserem Englisch natürlich nicht allzu weit, aber sehr interessant, wie ja innerhalb eines Landes die Sprache auf einmal wechselt.

Flemming

Das ist aber interessant, das mit dem Französischen, Englischen ist natürlich klar, aber dass da auch Deutsch gesprochen wird, war mir jetzt nicht so bewusst. Hast du eine Ahnung, woran das liegt.

Robin

Ja, viele Deutsche sind, ich denke auch kriegsbedingt geflüchtet und da gibt es wirklich noch so, ja Dörfer, die fast zu 100 Prozent mit mit deutschen Auswanderern bevölkert ist. Und wir sind jetzt nicht direkt irgendwo da gewesen, aber der eine oder andere hat schon noch Deutsch gesprochen. Aber natürlich, im Alltag sprechen die alle entweder Englisch oder Französisch.

Flemming

Ah, cool. Kanada ist auf jeden Fall auch ein Land, wo ich sehr, sehr gerne mal hin würde. Das ist, glaube ich, von der Landschaft her ziemlich beeindruckend, oder?

Robin

Auf jeden Fall. Also wer auf Berge, Seen und ganz viel Wald steht, der sollte auf jeden Fall mal hin. Ich sage mal so, in Europa findet man so was eher in der skandinavischen Gegend. Also ich sag mal, Schweden gleicht auf den ersten Blick so ein bisschen Kanada und ist natürlich trotzdem ein ganz anderes Erlebnis, auch kulturell. Alles ist viel größer. Die Autos zum Beispiel sind fast alle SUVs. Also es ist auch sehr amerikanisch das Ganze und das ist als Europäer doch noch mal ein bisschen, ja kein Kulturschock. So würde ich es nicht nennen, weil man ja auch viel von Amerika weiß und gerade auch übers Fernsehen und über Serien. Aber dennoch, wenn man erst mal im Land ist, merkt man so die kleinen, feinen Unterschiede.

Flemming

Aber du bist gut erholt, hast viel erlebt.

Robin

Auf jeden Fall. Jetzt geht es wieder los mit den Podcasts.

Flemming

Also Robin, Robin sein Urlaub war super.

Robin

Ja, ja!

Flemming

Wenn ich so was zu dir sage, was kommt dir dann in den Kopf? Robin, sein Urlaub war super.

Robin

Äh, ja, das klingt erst mal, man muss ja aufpassen, was man sagt, aber es klingt erst mal etwas dümmlich. Sagen wir mal. Also erstens ist es falsch, weil es wäre ja Robins Urlaub. Und ich glaube, es kommt daher, dass in einigen Dialekten so gesprochen wird. Und auch im Plattdeutschen glaube ich, würde das so, wenn man das eins zu eins übersetzen würde, richtig sein. Deswegen glaube ich, dass daher manchmal die die Fehler kommen.

Flemming

Ja, also so ganz sicher bin ich mir bei dem Beispiel auch nicht. Das heißt wie gesagt, Robins Urlaub war super und nicht Robin sein. Aber man hört das ganz, ganz häufig, gerade auf Dörfern. Mein Heimatdorf ist auch so ein Beispiel dafür. Das ist es tatsächlich so, dass dort oft so gesprochen wird. Ich weiß nicht, ob das mittlerweile schon Einzug in den Duden gefunden hat. Ich hoffe nicht, aber es ist schon genau das Wort. Du hast vorhin so eine ganz treffende Formulierung gewählt, im Vorgespräch. Da stellen sich die Nackenhaare auf. Ja, dass man so wirklich, dass es so richtig schrecklich klingt und man da so ein bisschen, so ein bisschen sich gruselt. Einfach, einfach es sehr, sehr unangenehm ist, sowas zu hören. Aber trotzdem sagen es viele. Wie würdest du denn so dein Deutsch bezeichnen? Sprichst du immer fehlerfreies Deutsch? Du bist Deutschlehrer, du bist Experte auf dem Gebiet. Wie schätzt du dich persönlich da ein?

Robin

Also nie fehlerfrei. Das weiß ich einfach daher, dass ich mir meine Gespräche ja auch öfter noch mal anhöre, im Nachhinein durch die Podcasts. Und häufig mache ich auch kleinere Fehler, indem ich Satzkonstruktionen, also grammatikalisch manchmal umdrehe, weil mir noch ein Gedanke dazwischen schießt. Oder ich fang noch mal neu an mit dem Satz oder, ja, ich sage mal, Umgangssprache ist auch immer mit drin. Von daher denke ich auf jeden Fall, dass ich immer Fehler mache. Aber die meisten sind akzeptiert, mehr oder weniger umgangssprachlich und selten so schlimm, dass jemand sagen würde Oh Gott oh Gott, du kannst ja gar kein Deutsch.

Flemming

Also das ist definitiv. Das ist bei mir auch so und ich glaube, da kann sich niemand, der sich auch als Experte bezeichnet, so richtig von freimachen, oder? Niemand ist da komplett fehlerfrei und das ist auch überhaupt nicht das Ziel und überhaupt kein Problem. Also das könnt ihr schon mal mitnehmen für euch. Ich sage es immer wieder, aber es ist wirklich ein ganz, ganz wichtiger Punkt, wenn ihr Fehler macht, euch da nicht zu verstecken oder Angst zu haben, dass ihr jetzt ausgelacht werdet oder sonst was. Das macht ihr ja auch in eurer eigenen Muttersprache. Fehler sind ja ganz normal. Das was du gesagt hast, finde ich ganz gut, denn man muss ein bisschen unterscheiden zwischen, was ist so allgemein akzeptiert und was ist jetzt eher dümmlich? Auch die Formulierung würde ich mal direkt mit übernehmen. Es gibt Sachen, die klingen einfach grässlich und da muss man dann aufpassen, wie auch die Wahrnehmung der anderen ist. Bzw. dass man da nicht irgendwie durch solche Fehler einen richtig negativen Eindruck bei jemandem hinterlässt. Genau. Wie ist denn so deine Erfahrung mit Grammatik- und Aussprachefehlern im Alltag? Wie oft hörst du das? Wie oft begegnet dir das bei Muttersprachlern?

Robin

Ja, meistens merkt man es erst, wenn es geschrieben steht. Also wenn zum Beispiel ein Plakat … Wir hatten vorhin das Beispiel: Titel „Sylvesterparty“ und da steht dann Silvester mit Y solche Sachen. Da merkt man dann, okay, die Person hat sich damit nicht beschäftigt, wie das wirklich geschrieben wird und so Sachen wie seid mit d und seit mit t kommen häufiger vor, dann ja, was du gerade gesagt hast, Robin sein Buch oder was auch ganz häufig kommt, ist oder selten aber im plattdeutschsprachigen Raum, dieses tut. Also, ich überleg gerade mein Beispiel.

Flemming

Ja, man hört das so oft, aber auf einmal kommt nichts, ne?

Robin

Sein tut. Zum Beispiel, ob das nötig tut? Nein. Das wäre ja schon wieder richtig.

Flemming

Man könnte ja so sagen. Tut das Not, so genau das zu machen? Oder irgendwie so. Genau. Tut das Not?

Robin

Genau. Tut das Not? Anstatt: Ist es notwendig?

Flemming

Genau. Oder machen tun sagen ja auch viele. Man tut das nicht so machen.

Robin

Ja, genau. Genau solche Sachen. Und da muss ich wiederum die Leute ein bisschen in Schutz nehmen, weil es im Plattdeutschen so gesprochen wird. Und sehr viele, also das wird jetzt immer weniger, aber so meine Elterngeneration und deren Eltern, die haben nur Plattdeutsch zu Hause gesprochen und als sie in die Schule kamen, mussten sie Deutsch, also Hochdeutsch lernen. Und dass das sich manchmal in die Quere kommt, ist ja klar. Und das Problem ist, dass die Leute, die damit überhaupt keinen Kontakt haben, das sofort als dümmlich hinstellen.

Flemming

Ja klar, das ist doch noch wirklich was anderes. Also noch mal zur Erklärung Leute für euch, Plattdeutsch ist eben eine Sprache, die so vor allem im Nordwest… wobei eigentlich… ja also im nördlichen Raum von Deutschland gesprochen wurde. Es ist eigentlich eine Sprache, die wirklich im Sterben ist, die es ganz selten noch gibt. Ich weiß, meine Großeltern können Plattdeutsch sprechen, aber sie benutzen es nicht. Sie sprechen ja mit niemandem. Du hast gerade gesagt, bei deinen Großeltern ist es da genauso, ne? Oder bei deinen Eltern auch.

Robin

Ja, also ich sage mal so, der Schnitt ist so zwischen meinen Eltern und mir. Ich verstehe es noch, aber ich spreche es nicht. Also ich spreche es nicht aktiv und wenn ich sprechen würde, würde ich viele Fehler machen, wahrscheinlich auch wieder viele Sachen aus dem Hochdeutschen übernehmen und sie Plattdeutsch aussprechen. Ja, und ich sage mal so meine Kinder werden es dann schon nicht mehr lernen. Wahrscheinlich ja, weil es dafür nicht relevant genug ist einfach.

Flemming

Ganz genau. Aber es ist gut, um die Herkunft einiger Wörter und Wendungen dann zu wissen und zu wissen, woher es kommt und auch woher vielleicht Fehler kommen. Die Frage ist ja, wie macht, wie geht man damit um? Also wenn du jetzt hörst, dass jemand etwas Falsches sagt, dann gibt es diese eine Seite, es sind akzeptierte Fehler, es sind vielleicht auf der anderen Seite eben nicht so akzeptierte Fehler. Was machst du, wenn du sowas hörst? Bei wem würdest du sagen „Hey, pass mal auf, das ist falsch“ oder wie auch immer? Also was sind deine Reaktionen, kannst du das mal so zusammenfassen?

Robin

Also ich sage mal so, wenn ich weiß, dass die Person es wissen müsste, würde ich es sofort machen. Also gerade bei Leuten, die ich gut kenne, bei Freunden, gerade bei meiner Freundin, wir grätschen uns immer rein, weil wir, weil wir das besonders wichtig finden, dass man, also, dass wir beide vernünftig sprechen. Beispiel Genitiv. Also nach „wegen“ muss der Genitiv folgen. Und viele sagen halt, wegen dem kaputten Auto konnte ich nicht kommen. So, das wäre Dativ, ist sehr, sehr umgangssprachlich. Ist auch sehr, sehr, sehr, sehr weitverbreitet. Aber es müsste heißen, wegen des kaputten Autos. Und wir wissen das beide. Und wenn einer von uns beiden einen Fehler machen würde, würden wir sofort sagen, ja, was ist denn da los? Also wir sind da schon sehr penibel, sage ich mal. Aber auch eher unter uns. Also wenn ich dann wiederum mit meinen Eltern spreche, also meine Mutter kommt aus Baden-Württemberg, die spricht sowieso, ich sage mal, die können alles außer Hochdeutsch, das sagen sie selber.

Die Leute, also die nehmen manchmal falsche Artikel. Also für für den Teller sagen sie das Teller und solche Sachen. Also wo ich denn da manchmal denke, auch also, das ist so falsch. Eigentlich müsste ich da jedes Mal reingrätschen und was sagen, aber weil es meine Mutter ist und weil ich sie schon länger kenne, mache ich es halt nicht mehr. Ich verstehe sie und das ist dann in Ordnung. Oder wenn ich einfach weiß, da ist jemand, ich sag jetzt mal, neun Jahre zur Schule gegangen, ist dann in den Beruf gewechselt, hat eine Lehre gemacht und arbeitet auf dem Bau. Von dem erwarte ich gar nicht, dass er 100 Prozent tolles Deutsch spricht. Woher soll er es denn auch können? So ne? Also da gucke ich immer schon sehr drauf, wer da diese Fehler macht. Und grundsätzlich ist meine Einstellung, dass ich niemandem so besserwisserisch gegenüber bin und sage „So, hör mal zu, du kannst ja gar kein Deutsch“ oder so was. Das ist ja das, das liegt mir fern. Und nur bei Leuten, die mich selber auch verbessern, die würde ich auch verbessern.

Flemming

Ja, ganz genau. Das ist der entscheidende Punkt. Also, man muss da immer aufpassen, wen man vor sich hat. Mit meinen Freunden würde ich es dann auch so machen. Da macht man dann noch Scherze drüber, da stichelt man so ein bisschen oder man kann auch sagen, man verarscht sich so ein bisschen. Ja, das ist schon in Ordnung, wenn da so kleine Fehler passieren und so, das kann dann mit Humor genommen werden. Aber wie du sagst, es kommt immer drauf an, von wem man auch was zu erwarten hat oder wie nahe die Leute dir persönlich stehen. Man muss auch immer aufpassen, dass man dann nicht als der Oberlehrer erscheint, der immer alles berichtigen muss, weil manchmal ist es einfach auch gar nicht so wichtig. Also ich hab hier jetzt noch ganz, ganz gute Beispiele dafür, zum Beispiel etwas, wo ich niemandem irgendwie einen heftigen Fehler unterstellen würde oder so, wäre jetzt die Unterscheidung zwischen anscheinend und scheinbar. Ja, anscheinend und scheinbar die beiden Adjektive.

Kannst du die unterscheiden? Wüsstest du das, was da jetzt richtig ist oder beziehungsweise richtig sind beide. Aber in welcher Situation man sie jeweils benutzt?

Robin

Ja, also anscheinend ist synonym für offensichtlich, würde ich sagen. Und scheinbar. Ja, würde ich in der… Scheinbar würde ich sagen, wenn etwas so aussieht, als ob es so und so ist. Also ja, scheinbar ist der Chef heute nicht da.

Flemming

Das heißt aber, er ist da im Endeffekt.

Robin

Nö, muss… Also müsste er jetzt nicht sein, oder? Also, ich gehe in sein Büro. Er ist nicht da. Er sitzt jedenfalls nicht in dem Büro. Und dann sage ich zum Kunden „Ja, scheinbar ist der Chef nicht da.“ Also das wäre so eine Erkenntnis, die ich jetzt aufgrund der Situation habe. Ne, aber, also ehrlich gesagt, Anscheinend und scheinbar sind schon sehr eng zusammen und ich glaube, das ist nur ein ganz kleiner feiner Unterschied ist.

Flemming

Ja, also es ist sehr, sehr ähnlich, wie du es gesagt hast. Anscheinend ist diese Vermutung, die man zum Ausdruck bringt, dass etwas so ist, wie es erscheint. Also wenn du sagst, er sieht krank aus, er ist anscheinend krank. Im Endeffekt ist das deine Vermutung, weil das, was du wahrnimmst eben aufgrund deiner Wahrnehmung so… Und dieses scheinbar ist dann schon wieder, dass etwas erstmal den Schein hat, so zu sein. Aber in Wirklichkeit ist es gar nicht so, deswegen meinte ich das eben mit dem Chef. Also scheinbar ist der Chef heute nicht da, weil er nicht im Büro ist, aber er ist gerade auf Klo oder so, also er ist doch da. Das wäre so dieser Unterschied. Das eine ist diese Vermutung und das andere ist der Schein, der aber sich im Endeffekt als das Gegenteil herausstellt. Ja, also das ist…

Robin

Es ist ein sehr feiner Unterschied. Ich merk, wir merken gerade selber, also das wäre mir niemals aufgefallen, wenn jemand das auch so durcheinanderbringen würde. Und wir machen das ja auch einfach manchmal und solange man den Kontext richtig darstellt, ist es dann auch ja verständlich.

Flemming

Auf jeden Fall und das sind eben solche Dinge, da müsst ihr jetzt als Deutschlernende nicht so hundertprozentig Wert drauf legen. Es ist schön, wenn ihr das wisst. Und wenn ihr, wenn ihr deutsche Muttersprachler auf solche Fehler hinweisen könnt, dann ist es das Nonplusultra, wenn ihr das wisst, aber die das nicht mal richtig machen. Aber das sind so Dinge, die muss man nicht, muss man nicht unbedingt wissen und um jeden Preis richtig machen. Das gleiche wäre es für die Unterscheidung zwischen etwas macht Sinn und etwas ergibt Sinn. Ja.

Robin

Da haben wir auch wieder das Englische, den englischen Einfluss, to make sense. Und ehrlich gesagt, nutze ich das Falsche. Also sagen wir, es macht Sinn. Das macht für mich Sinn. So, also das Problem. Oder ich sage mal, nö, es ist kein Problem, es ist einfach eine Entwicklung, ist ja, dass wir viele englische Satzstrukturen auch im Deutschen immer mehr aufnehmen und dann irgendwie auch, ja sich das Ganze eher so in Richtung englische Grammatik entwickelt, also beispielsweise „weil“. Weilsätze sind ja auch etwas, was sehr häufig falsch gemacht wird. Weil das so… also normalerweise würde man sagen, weil das so ist. Und viele sagen, Ja, weil das ist so! Also because. Und dann wäre das ja, also, das ist ja die englische Satzstellung. Und das ist eine Sache, die mich eigentlich immer noch ein bisschen stört, weil ich denke, eieiei, das ist jetzt schon ein sehr krasser Eingriff in die deutsche Sprache.

Flemming

Genau. Aber im Endeffekt ja, also definitiv. Im Endeffekt ist es aber etwas, was einfach Sprache ausmacht, dass Sprache durch äußere Einflüsse immer im Wandel ist und immer in der Weiterentwicklung. Und wenn die Entwicklung momentan dahin geht, dass wir durch die Globalisierung einfach auch viel in der deutschen Sprache merken, dass diese Einflüsse auf unsere Sprache auswirken, dann ist das ein natürlicher Vorgang. Das heißt aber nicht, dass man das alles übernehmen muss und nicht hinterfragen sollte, weil, ich finde die deutsche Sprache, ich glaube, es geht dir ähnlich, wir finden die deutsche Sprache sehr, sehr schön. Und wenn es dann nachher zu sehr analysiert wird, dann ist das schon in manchen Fällen sehr, sehr schade. Und in dem Fall, wie gesagt, es macht Sinn im Englischen it makes sense, aber im Deutschen wäre eigentlich richtig es ergibt Sinn, weil Sinn machen, machen heißt so viel wie produzieren oder erschaffen. Und Sinn produzieren klingt so ein bisschen…es geht eigentlich nicht. Aber auch das wäre so ein Beispiel für: Steht mittlerweile als umgangssprachlich im Duden.

Also so richtig falsch ist das mit dem Sinn machen eigentlich auch nicht mehr. Und wie du es gesagt hast, ich benutze es auch meistens. Also ich weiß, dass es falsch ist, aber ich benutze es so. Dann wieder auf der anderen Seite gibt es ja Dinge, wo ich auf jeden Fall was sagen würde, wo ich auf jeden Fall den Gesprächspartner darauf hinweisen würde, dass das gerade Quatsch war. Und eine Sache, die mich dann immer sehr, sehr nervt, sehr, sehr stört, ist der Imperativ. Wenn jetzt zum Beispiel jemand sagt „Sprech doch mal mit ihm!“ Hast du das schon mal gehört?

Robin

Ja, natürlich. Also, den Imperativ, den ja, habe ich das Gefühl, lernen viele auch gar nicht. Das Problem ist ja, wenn die Eltern diese Fehler machen, dann machen sie die Kinder auch. Und ja, also das habe ich jetzt schon häufiger festgestellt. Also es müsste natürlich „Sprich doch mal mit ihm“ heißen.

Und ja, also solche Fehler fallen mir dann auf. Ich würde aber nicht unbedingt was sagen. Also es kommt wieder auf die Situation drauf an und ein Fehler, den ich immer berichtigen würde, wäre „einzigste“. Er ist der einzigste im Raum. Das heißt natürlich, er ist der einzige, weil man das nicht steigern kann.

Flemming

Also das wäre tatsächlich mein letztes Beispiel gewesen. Das hast du gut vorweggenommen. Das ist genau so ein Ding. Einzigste. Da schüttelt’s mich richtig.

Robin

Aber man hört es immer wieder und ich glaube, das viele Nicht-Muttersprachler vielleicht auch etwas verwirrt sind, wenn sie so was hören, auch das Beispiel mit „weil“. Dann hören die so einen Satz und denkst, können die kein Deutsch oder habe ich irgendeine Regel nicht gelernt oder was ist hier los? Also deswegen, um mal so die Frage zu beantworten: „Will man wirklich wie Muttersprachler sprechen?“ Nicht immer würde ich sagen.

Flemming

Definitiv nicht immer. Also es ist ja auch die Frage, wo kommt es her? Hat das jetzt was mit der Herkunft zu tun? Wir hatten das Beispiel mit dem Plattdeutschen. Hat’s auch was mit Bildung zu tun? Ja, ich denke schon. Aber das ist manchmal ein Problem. Ich glaube, jemand, der solche groben Fehler macht, der muss nicht unbedingt schlecht gebildet oder dumm sein. Und das ist, glaube ich, das, was häufiger den Leuten, die so sprechen, zur Last gelegt wird, dass man ihnen das so vorwirft oder bzw. sagt, dass die eben ja nicht ganz, nicht ganz, nicht intelligent genug sind oder schlecht gebildet oder so was. Aber ich glaube, dass gerade in ländlichen Bereichen, wenn du in deinem Dorf wohnst, wenn du… eher so ein Dorf mit 500 Einwohnern jeder kennt jeden, weil jedes Wochenende bei irgendwem `ne Gartenparty ist oder keine Ahnung was, dass man dann untereinander auch, ja, man redet ja miteinander, man redet und diese Wendungen, die man dann benutzt, oder die Fehler, die man macht, die prägen sich ja bei allen irgendwie ein.

Es ist was anderes, als wenn man aus diesem dörflichen Kontext rauskommt und vielleicht noch viel mehr verschiedene Einflüsse hat. Also wenn du in der Stadt lebst, da werden auch Leute genügend Fehler machen. Aber es gibt auch die, die sehr, sehr viel richtig machen und das ist dann, ich glaube, das wäre jetzt so ein bisschen auch meine Erklärung dafür, dass das in der Stadt so ein bisschen anders ist als auf dem Land und dass da die Herkunft schon so eine kleine Rolle spielt, aber nicht unbedingt die Bildung, oder? Oder wie denkst du?

Robin

Ja, beides. Also natürlich gibt es auch Legastheniker. Also ich habe zum Beispiel in meiner Familie auch ein, zwei Legastheniker, die studiert sind.

Flemming

Kannst du das ganz kurz erklären? Legastheniker?

Robin

Ja, als jemand, der eine Lese-Rechtschreib-Schwäche hat. Also die können die Buchstaben manchmal nicht so. Also bestes Beispiel, wir spielen Gesellschaftsspiele, wo es darum geht, irgendwelche Wörter zu legen und diese Leute sind sich halt nie sicher, ob man das Wort jetzt so schreibt oder nicht. Und gerade solche Sachen wie seit mit t und mit d. Solche Sachen fallen denen besonders schwer. Also die schreiben vieles einfach, wie sie es sprechen und dann wird es halt manchmal falsch.

Flemming

Genau. Ja, also verschiedene Gründe. Wie gesagt, kein Problem Fehler zu machen. Lass uns das mal so zusammenfassen für alle, die hier gerade zuhören und ja, ich glaube, wir haben auch ein paar gute Beispiele gegeben. Macht euch, wie gesagt, da keinen Stress, wenn euch mal Fehler passieren. Solange ihr auch euch insgesamt gut ausdrücken könnt, vielleicht Dinge auch gut umschreiben könnt oder der Kontext klar wird, ist alles im grünen Bereich, also alles in Ordnung. Es sollte einfach euch auch, diese Folge sollte euch einfach auch ein bisschen vor Augen führen, dass Muttersprachler eben auch Fehler machen können. So ganz einfach ausgedrückt.

Robin

Und falls ihr diese Fehler dann hört und erkennt, dann habt ihr vielen Muttersprachlern auch was voraus.

Flemming

Genau. Aber aufpassen mit dem Klugscheißen.

Robin

Genau.

Flemming

Klugscheißen heißt…Wie würdest du das beschreiben?

Robin

Ja, also wenn man etwas besser weiß und es korrigiert und das ist meistens sehr unsympathisch. Also, wer mag schon Klugscheißer?

Flemming

Genau. Wer mag schon Klugscheißer? Okay, Leute, dann war’s das für heute. Vielen Dank, Robin, dass du hier mit mir über dieses Thema so ausführlich geredet hast und wir hier wirklich einige interessante Dinge zur Sprache gebracht haben. Vielen, vielen Dank. Hat Spaß gemacht.

Robin

Ja, danke dir. Gerne wieder.

Flemming

Danke. Sehr schön. „Gerne wieder“ ist ein gutes Stichwort, weil ich denke, wir werden… das ist jetzt unsere zweite Folge, aber ich bin ganz optimistisch, dass wir da in Zukunft auch noch ein paar weitere folgen lassen zu verschiedenen Themen. Hört euch wie gesagt auch die andere Folge auf Robins Podcast an, Auf Deutsch gesagt. Und ansonsten? Ja Leute, ich wollte noch mal an meinen Vokabeltraining erinnern. Das ist jetzt vor zwei Wochen gestartet. Geht da gerne mal, schaut euch gerne mal die Seite an, falls ihr da weitere Infos zu braucht. Falls ihr wirklich mit eurem Wortschatz kämpft, viele Wörter häufig vergesst, euren Wortschatz erweitern wollt. Also wenn ihr fortgeschrittenes Deutsch habt und davon gehe ich aus, wenn ihr diesen Podcast hört, dann ist das auf jeden Fall etwas für euch. Da haben wir dann wie gesagt auch wöchentliche Live-Sitzung in der Gruppe und die beiden Sitzungen, die wir bisher hatten, haben richtig Spaß gemacht. Gab einen richtig guten Austausch. Also falls ihr Interesse habt, dann meldet euch gerne an. Den Link packe ich euch in die Shownotes, in die Folgenbeschreibung, genauso wie den Link auch nochmal zu Robins Podcast und ansonsten vielen, vielen Dank fürs Zuhören.

Würde mich freuen, wenn ihr in zwei Wochen auch wieder einschaltet und wir uns dann hören. Falls ihr Fragen habt, kommt gerne auf uns zu. Bewertet den Podcast! Das würde mir helfen, Deutsches Geplapper auch weiterhin für euch zu machen, egal ob auf iTunes oder Spotify. Und dann habt alle einerechen  schöne Zeit und bis ganz bald. Ciao!

Unter dem folgenden Link kommst du zu meinem einzigartigen Vokabeltraining

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By |2022-08-10T16:50:01+02:00August 10th, 2022|Transkripte|0 Comments

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