Sprecher 1 (00:00)
Ja, moin liebe Deutschlernerin, moin lieber Deutschlerner, du bist wieder dabei, ich freue mich darüber. Richtig schön, dass wir zusammen eine neue Folge von deutsches Geplapper erleben. Und mein heutiger Gast, ich hatte es eben schon angekündigt in der Einleitung ist die gute, die liebe Tanja aus Madrid. Oder sollte ich eher sagen aus Bayern? Tanja, wie magst du es lieber?

Sprecher 2 (00:22)
Gute Frage. Ist gar nicht so einfach. Derzeit Madrid, vielleicht im Sommer wieder in Bayern.

Sprecher 1 (00:30)
Okay, zum Urlaub dann, ja?

Sprecher 2 (00:32)
Genau, zum Urlaub machen mit Familie, ja.

Sprecher 1 (00:35)
Okay, sehr gut. Genau. Ja, ihr solltet Tanja mittlerweile eigentlich kennen. Wir haben jetzt schon zwei Folgen von Deutsches Geplapper miteinander gemacht. In unserer letzten Folge ging es um die Unterschiede zwischen Deutschland und Spanien. Und da hatten wir ja auch schon angekündigt, dass es noch mal eine neue Folge geben wird. Und zwar wollten wir über das Thema Arbeit sprechen, also speziell über Tanjas Erfahrungen in der spanischen Arbeitswelt. Tanja ist ja vor 20 Jahren nach Spanien gekommen und hat dort in einem Unternehmen angefangen, in dem alle Spanisch gesprochen haben, glaube ich. Oder wie war das, Tanja?

Sprecher 2 (01:18)
Argentinisch haben die gesprochen.

Sprecher 1 (01:21)
Also noch ‘ne Stufe schwieriger, ja. Wer das von euch kennt oder wer die Sprache beherrscht von euch, der weiß, dass das argentinische Spanisch noch mal eine Nummer oder eine Spur anders ist als das spanische Spanisch. Das kann ich definitiv auch bestätigen, also da versteht man dann wirklich nur Bahnhof teilweise. Genau. Aber die Relevanz dieser Folge ist klar. Also ich weiß ja, das höre ich ja immer wieder in meinen Coachings, dass Leute im Beruf in Deutschland dann einfach Probleme haben mit den Kollegen, mit den Chefs zu kommunizieren. Einfach gewisse Dinge nicht verstehen, sich nicht trauen aus sich herauszugehen, bzw. selbst etwas zu sagen, weil man Angst hat Fehler zu machen. Also es ist ja so schon eine große Herausforderung in einem neuen Job anzufangen. Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen, als ich damals als Journalist angefangen habe in Deutschland in meiner eigenen Muttersprache, war es trotzdem eine riesen Umstellung. Ich kam zwar frisch aus dem Studium und hatte vorher noch keinen Job. Ich glaube, diese Aufregung oder diese Umstellung wird dann mit den Jahren immer weniger. Aber wenn man vorher noch nicht so richtig im Angestelltenverhältnis war, dann ist es erst mal, da muss man erst mal Kollegen kennenlernen, muss man sich an Meetings gewöhnen, in diesen Meetings auch mal was beitragen, mal was sagen. Ja, sich selbst auch organisieren, seinen eigenen Arbeitsrhythmus sich schaffen oder überhaupt kennenlernen. Dann bekommt man einfach unheimlich viel Input. Man muss sich mit verschiedenen Softwares auseinandersetzen oder verschiedene Arbeitsabläufe einfach kennenlernen und auch immer auf einzelne Kollegen einstellen. Und selbst die Kaffeemaschine kann am Ende Probleme machen. Also es gibt einfach genug Hürden und das ist schon in der eigenen Muttersprache schwierig. Und dann noch in einer Fremdsprache zu sprechen, ich glaube, das ist dann die die Krönung der Herausforderungen einfach. Ja, Tanja, jetzt habe ich da schon ganz viel vorweggenommen vielleicht. Aber wir starten mal am Anfang. Sag mal, was genau du eigentlich machst. Was ist dein Job in Spanien? Du bist noch in einem, teilweise noch in einem Angestelltenverhältnis. Du kannst das besser, noch ein bisschen genauer erklären, wie genau deine Situation da ist, wo du arbeitest, was du machst und ja.

Sprecher 2 (03:47)
Genau. Also derzeit arbeite ich vormittags für ein… Es ist ein internationales Unternehmen in der Logistikabteilung, in der Sparte Automation. Und genau da habe ich meine ganzen Erfahrungen der letzten sieben Jahre auch her. Bin aber seit, also ich hab schon in Deutschland für internationale oder Familienunternehmen auch gearbeitet und bin wie gesagt dort groß geworden in diesem Flair, in dieser Umgebung. Und was ich dann eben jetzt noch zusätzlich mache, weil ich gesehen habe, es ist sehr wichtig, dass also die Probleme, die ich jetzt hatte, mit der spanischen Sprache in diesen Unternehmen, obwohl die meisten Unternehmen entweder amerikanische oder Deutsche, brauchen… Haben trotzdem… Meine Kollegen sind alle Spanier, jetzt vor allem. Und da muss ich natürlich mit meinen Kollegen immer auf Spanisch sprechen. Hab dann aber auch… Ich hab den Part, dass wir halt oder dass mir sehr viel übergeben wird, was Deutschland angeht. Das heißt, ich habe auch sehr viel Kontakt mit den Deutschen, bin viel in Meetings. Und genau, und das habe ich jetzt auch eben genommen, um Leuten zu helfen, in Deutschland im Job zu arbeiten. Also die im Job arbeiten in Deutschland und dann eben auch die deutsche Sprache, benötigen tagtäglichm, mit ihren Kollegen Smalltalk… Also ich kenne das ja selber, man sagt immer so Smalltalk, ach. Aber gerade das ist ja auch das Schwierige daran, weil man möchte ja auch gut mit den Kollegen sprechen können und man ist dann immer so “ähm, ähm ja”. Und die sind dann vielleicht schon wieder ein Kilometer voraus und du denkst eigentlich noch drüber nach, was die gerade gesagt hatten.

Sprecher 1 (05:47)
Und dann ist die Situation vorbei, dann kann man eigentlich nichts mehr dazu sagen.

Sprecher 2 (05:50)
Richtig. Und dann ist die Situation vorbei und wenn du dann noch was sagst, wo die schon gar nicht mehr dran denken, dann kommst du dir dumm vor. Dann denkst du dir so “äh”… Genau und aus diesen Erfahrungen sind eben dann auch… Ja, meine Idee hat sich dann eben stabilisiert, dass ich dann sage okay, ich fang jetzt an und helfe Leuten, auch Ausländern wie mir, die aber in Deutschland eben sind, meine Sprache besser zu verstehen. Und ich sag mal viel ist es ja erst mal auch, dass du die Leute verstehst, bevor du wirklich sprechen kannst, musst du erst mal verstehen, was die sagen. Und ich hab halt sehr, sehr, sehr viel immer zugehört und hab dann immer angefangen, danach das zu wiederholen, was die gesagt haben teilweise auch. Man hört ja sehr viel und ich habe dann halt viel kopiert, um es mal so zu sagen.

Sprecher 1 (06:47)
Das ist schon ein erster sehr, sehr guter Tipp, glaube ich einfach. Also wirklich ja, gewisse Redewendungen oder einfach gewisse Ausdrücke, die auf der Arbeit häufiger verwendet werden, sich wirklich einzuprägen.

Sprecher 2 (07:01)
Satzstrukturen.

Sprecher 1 (07:01)
Genau, genau.

Sprecher 2 (07:01)
Genau. Also es müssen nicht mal Redewendungen sein, es können auch ganz normale Satzstrukturen sein, ganz einfache Sätze. Weil als ich hab auch, ich habe, sage ich mal auf Spanisch nie ein Test gemacht oder ein Zertifikat, habe ich nicht. Habe ich auch nie gebraucht, hat man mich nie gefragt. Also man hat mich immer nur gefragt oder man hat mit mir das Vorstellungsgespräch gemacht und dann ja oder nein. Im Spanischen hat man mich nie gefragt nach ‘nem Zertifikat. Im Englischen nicht wirklich, sondern man hat mir dann in dem Vorstellungsgespräch einfach einen englischsprachigen Menschen vorgesetzt und gesagt, sprich man mit dem. Und so hat man mich dann getestet, weil mir mal gesagt wurde, dass sehr viele Spanier eben in ihr CV, in ihren Lebenslauf schreiben, sie sprechen sehr gutes Deutsch. Und dann, hat man sie eingestellt und dann war’s eben nicht so. Und die Firmen lernen natürlich auch aus diesen Fehlern. Und jetzt, was ich halt kenne, ist, dass man einfach, statt dass man vertraut, sagt man “Okay, sprich doch einfach mal mit jemandem, ‘nem Muttersprachler und dann soll der entscheiden, ob du gut genug bist für diesen Job”.

Sprecher 1 (08:18)
Genau. Ja, das ist auch die richtige Herangehensweise eigentlich, meiner Meinung nach. Aber sag noch mal, als du jetzt angefangen hast damals im Job, wie war’s mit den Kollegen? Also welche konkreten Herausforderungen musstest du da überstehen? Und wie hast du dich dabei auch gefühlt? Ich meine, du kommst natürlich in ein neues Land, alles ist neu. Dann hast du ‘nen neuen Job und musst dich dann mit der Sprache herumquälen. Wie war so die Reaktion der Kollegen? Wie haben die dich aufgenommen? Und gab es da vielleicht auch kritische Momente, wo du dann mal gedacht hast “Ah, ich weiß nicht, ob das so das Richtige ist”?

Sprecher 2 (08:59)
Ja, absolut.

Sprecher 1 (09:00)
So geht’s ja vielen, vielen von meinen Coachingteilnehmern beispielsweise, die jetzt im Job sind und da nicht wissen, wird das irgendwann eigentlich noch mal besser?

Sprecher 2 (09:12)
Ja, wird es, auf jeden Fall. Kann ich garantieren, man muss nur dranbleiben. Also ich bin nach Spanien gekommen, ich hab zwei Jahre Spanisch studiert, sage ich mal in Deutschland. Aber ich kam nach Spanien und konnte dann fast Null. Und musste es dann dort aufbauen. Das erste halbe Jahr habe ich auch ‘nen Spanischkurs gemacht und konnte aber dann nicht fließend sprechen. Aber ich habe so eine Basis gehabt. Und dann habe ich gesagt, okay, bevor ich wieder zurück nach Deutschland gehe, schaue ich mal, ob ich einen Job finde. Habe ich dann gefunden und das war in dieser argentinischen, es war ‘ne argentinische Eventfirma. Und alles Argentinier, bis auf eine Chefin, die mich eingestellt hat. Das war eine Dame aus Österreich. Und dann hatte ich noch zwei Kollegen, die Deutsch gesprochen haben, die waren aber aus Ecuador. Ja, aber sehr gutes Deutsch konnten die schon. Die haben in Frankfurt gewohnt auch 13 Jahre oder so, also die waren schon… Und die haben mich eben eingeführt, weil die für die deutsche Abteilung gearbeitet haben und ich dann eben auch für die deutsche Abteilung zuständig. So, das waren sozusagen meine drei Deutschen. Ja und der Rest halt Argentinier. Es gab auch noch drei Spanier oder so, eine Italienerin. Und ja, ich musste natürlich hauptsächlich Spanisch sprechen. Und ich habe natürlich ein gebrochenes Spanisch gesprochen. Und hab dann natürlich auch bestimmte Sätze gesagt, die meine Kollegen ultra super witzig fanden. Man kann jetzt sagen, sie haben mich ausgelacht. Ich habe dann einfach mitgelacht, weil ich es selber irgendwie doof fand. Also doof lustig. Zum Beispiel, ich war an der Rezeption, das war draußen und mein Kollege war drinnen. Und dann habe ich auf Spanisch gesagt und zu einem Kollegen “Klaus, ich brauch dich drinnen” oder so. Und die haben dann so zu lachen angefangen, weil die das natürlich auf’s sexistische ein bisschen bezogen haben. Und ich hab das erst überhaupt nicht gecheckt, weil ich war so in meinem… Klar, ich hab da meine Struktur gehabt und ich habe genau gewusst, was ich wollte. Und ich wollte einfach, dass der halt zu mir auf meinen Arbeitsplatz kommt und der war drinnen. Und ich brauch dich drinnen, naja. Das war das Thema, das ist bis heute noch, wenn ich die Leute… Wir treffen uns ab und zu mal und es ist heute noch so, “Haha, weißt du noch, damals”… Also das klebt an mir. Und da waren viele solche Sachen.

Sprecher 1 (12:00)
Okay, aber das sind dann natürlich auch witzige Situationen. Wenn man das so ein bisschen belächeln kann, sag ich mal, ist das ja auch alles, alles in Ordnung. Aber da gibt’s ja dann natürlich auch Situationen, Kollegen, die deutlich ungeduldiger sind. Chefs, die vielleicht nicht die Geduld haben, dass ihre Mitarbeiter jetzt, dass sie ihren Mitarbeitern alles zwei und drei und zehnmal erklären müssen. Gab es solche Situationen auch bei dir, wo du dann vielleicht auch ein bisschen Kritik bekommen hast oder eine Sache vielleicht falsch verstanden hast, ja, was im Endeffekt dazu geführt hat, dass du dann die Aufgabe nicht so zur vollen Zufriedenheit erledigen konntest?

Sprecher 2 (12:38)
Ja, gab es auch. Aber ich muss sagen, meine Chefs waren trotzdem relativ nett zu mir. Und die haben mich dann darauf hingewiesen und dann hab ich gesagt okay, ich mach das richtig und so und dann war das gut. Oder Ich habe ihm gesagt “Kannst du mir das bitte noch mal schriftlich schreiben, damit ich das dann besser verstehen kann? Kannst du mir das noch mal mit anderen Worten erklären?” Und wie du sagst, manchmal sind sie dann ein bisschen, weil sie haben dann natürlich auch Stresssituationen, sie brauchen das dringend. Aber sie sehen auch die Notwendigkeit. Und dann haben sie es einfach noch mal erklärt mit anderen Worten. Und dann ging’s auch, dann hab ich’s auch verstanden und dann war das okay.

Sprecher 1 (13:21)
Okay. Das ist definitiv sehr wertvoll. Also das ist ein guter Tipp auf jeden Fall für alle, die auch so im Büroalltag sind und da zu tun haben einfach wirklich noch mal darauf hinweisen gib’s mir schriftlich. Dann ist zwar ein kleiner Mehraufwand dann für den Kollegen, aber es hilft natürlich einfach dabei, die Aufgabe effektiv zu bearbeiten. Und viele Leute scheuen sich dann ja doch davor, noch mal nachzufragen und akzeptieren dann lieber, dass sie es nicht so ganz verstanden haben. Und dann kommt es zu Missverständnissen. Davon habe ich jetzt schon einige Anekdoten gehört. Ja, also ich hatte letztens einen Teilnehmer meines Coachings, der dann auch meinte, er war mit einem Kollegen in der Kaffeeküche und musste, also dieser Kollege hat irgendwie einen Satz gesagt, ich weiß gar nicht mehr, was es war, aber er hat irgendwie dreimal nachgefragt, dreimal nachgefragt “Wie bitte?” oder “Was hast du gesagt?” Und beim vierten Mal hat er dann einfach genickt und gelächelt, weil dann ist es irgendwann auch einfach unangenehm, nochmal nachzufragen, weil man merkt, der Kollege ist ja auch langsam genervt. Und das Problem ist dann ja auch, diese Kollegen, die merken sich das ja und das kann ja teilweise auch wahrscheinlich dazu führen, dass sie dich dann meiden und dass sie dann vielleicht nicht mehr mit dir so viel kommunizieren wollen, weil sie Angst haben, dass du sie einfach nicht verstehst, oder?

Sprecher 2 (14:51)
Du dann sage ich dir, dann ist es nicht mein Kollege. Also dann arbeite ich nur mit ihm zusammen, um mit ihm zu arbeiten, wenn es nötig ist. Also da bin ich, glaube ich, ziemlich abgehärtet. Also da mache ich mir überhaupt keine Gedanken drum. Wenn er keinen Bock hat, in dem Sinne, mit mir zu sprechen, dann hat er eben keinen Bock, dann soll er’s lassen. Aber das ist mir auch in Deutschland passiert mit Kollegen, also als Deutsche ja, nicht nur als Ausländerin.

Sprecher 1 (15:15)
Ja, definitiv.

Sprecher 2 (15:17)
Es gibt Kollegen und Kollegen. Und die muss man einfach gehen lassen und man muss sich wirklich auf die konzentrieren, die freundlich sind, die dir helfen, die dich unterstützen.

Sprecher 1 (15:26)
Genau. Und ich glaube, in den meisten Unternehmen gibt es davon eigentlich auch genug. Also dann muss man auch nicht, dann sollte man das vielleicht akzeptieren, dass dann einige so sind, wie sie sind und selbst aber sich nicht von seinem Weg abbringen lassen, selbst nicht sich zu viel Druck machen, nicht ungeduldig werden. Und die Frage ist dann ja auch in solchen Situationen wie ich sitze mit den Kollegen am Tisch, in der Mittagspause oder sowas und verstehe irgendwas nicht – viele Leute bleiben dann lieber stumm. Viele Leute bleiben lieber stumm und sagen gar nichts, damit man nichts Blödes sagt. Genauso im Meeting. Ich sage lieber nichts, damit ich nicht blöd ausfalle. Was ist dein Tipp? Sollte man dann lieber offensiv reingehen und zeigen, dass man da ist? Oder sollte man sich dann wirklich zurückhalten, wie es viele tun?

Sprecher 2 (16:14)
Ich sage mal, es kommt auch ganz auf den Typ drauf an, der du bist. Wenn du das auch so nicht machst… Also meine Erfahrung ist zum Beispiel die Spanier, die lieben es, Witze zu erzählen und ich verstehe die Witze nicht.

Sprecher 2 (16:27)
Ja, spanische Witze…

Sprecher 2 (16:28)
Ich hab ein anderes Verständnis für Witze. Wenn ich einen deutschen Witz hör, dann lache ich wirklich drüber herzhaft. Wenn ich ‘nen spanischen höre, dann bin ich still. Und die Spanier sagen dann zu mir oder meinen Kollegen dann so: “Ach, die Tanja wieder, die versteht den Witz nicht.” Genau, ich verstehe euch einfach nicht.

Sprecher 1 (16:47)
Wobei Humor in einer Fremdsprache ja auch noch mal wirklich deutlich schwerer zu verstehen ist als ganz normale Sprache. Also Humor hat ja dann auch immer noch, da wird mit der Aussprache gespielt, da gibt’s dann Metaphern und versteckte Botschaften also das ist ja noch mal eine extra Herausforderung. Aber gut, Unterschiede zwischen Deutschland und Spanien was den Humor angeht, die gibt es natürlich auch.

Sprecher 2 (17:13)
Aber ich glaub auch das kommt ganz auf die Kultur an, wie du halt aufgewachsen bist, wie du dann auch Witze verstehst oder was du für witzig hältst. Und da spielt die Kultur schon eine große Rolle in meinen Augen.

Sprecher 1 (17:32)
Aber zurück zu dem Thema. Ich glaube eigentlich, jetzt beantworte ich so ein bisschen meine eigene Frage, aber du kannst da gerne noch mal ergänzen oder deine Meinung sagen, dass es in so einer Situation, natürlich ist es immer typabhängig, aber in so einer Situation, gerade wenn es darum geht, mit Kollegen zu sprechen, im Meeting auch so ein bisschen zu zeigen, dass man da ist, ist es glaube ich immer besser, wenn man sich raus traut, wenn man aus der Komfortzone rausgeht. Weil einerseits hast du, das habe ich schon oft genug in diesem Podcast erwähnt, den Lerneffekt außerhalb der Komfortzone, auch wenn es sich unschön anfühlt, findet einfach die Entwicklung statt, die sprachliche Entwicklung, die persönliche Entwicklung. Je öfter du das machst, je öfter du dich in diesen Situationen traust, desto besser wirst du in jedem Bereich und desto normaler wird es für dich. Und auf der anderen Seite: Du kannst ja deine Expertise, deine Fähigkeiten nicht zeigen, wenn du nichts sagst. Ich glaube, das fühlt sich immer erst mal scheiße an, oder? Aber es ist einfach notwendig, zumindest wenn du das Ziel hast, auch so ein bisschen die Karriereleiter hinaufzuklettern.

Sprecher 2 (18:47)
Dann auf jeden Fall, ja, dann muss es sein. Weil sonst kommst du nicht weiter. Wer nicht spricht, wer leise bleibt, der kommt nicht weiter.

Sprecher 1 (18:57)
Genau.

Sprecher 2 (18:59)
Zum Beispiel, ich hatte dann auch so Meetings, ich musste auch so die Protokolle mitschreiben, auf Spanisch, das war dann auch ganz witzig. Und ich habe mir gedacht, ich schreib die einfach so mit, wie ich es verstehe. Und dann habe ich es dann immer meinem Chef noch mal geschickt und gesagt, “Kannst du bitte noch mal drüberschauen? Wenn irgendwas ist, was nicht so sein sollte, dann bitte noch mal kurz korrigieren”. Und er hat, also das war ein ganz, ganz besonderer Chef und der hat wirklich mir sehr geholfen mit der Sprache auch, hatte sehr viel Geduld. Und hat kaum was korrigiert, wo ich mir gesagt hab, das kann doch nicht sein. Wo ich selber dann gezweifelt habe und gesagt hab, ich muss doch da Fehler gemacht haben. Aber für ihn hat es gepasst irgendwie. Und das hat mich dann selber auch wieder in meinem Selbstvertrauen gestärkt. Weil wenn er jetzt gesagt hätte, das wäre falsch und das wäre falsch und das geht nicht und da ist alles rot, dein Selbstbewusstsein ist dann im Keller und traust du dich irgendwie gar nicht… Ich glaube er was selber, also er war Mexikaner in Spanien und hat perfekt Englisch gekonnt. Und wusste, wie schwer es ist, in einem Land eben auch Fuß zu fassen und wie schwierig es ist, eine Sprache eben zu beherrschen. Und ich glaube, das war auch so ein bisschen der Einfluss, der mir geholfen hat mit ihm zusammen.

Sprecher 1 (20:32)
Das ist natürlich sehr hilfreich in solchen internationalen Unternehmen dann, dass die Kollegen einfach auch ein gewisses Bewusstsein und Verständnis für dich haben und für die Herausforderungen.

Sprecher 2 (20:41)
Das ist ein guter Punkt. Weil ich glaube, es gibt sehr viele Muttersprachler, egal in welchem Land, die merken gar nicht das Problem, das du hast. Aber weil sie es einfach nicht wissen, weil sie es nicht kennen. Und die sprechen genauso schnell weiter. Und ich habe auch schon Spanier gehabt, da habe ich gesagt, “Können Sie bitte langsamer sprechen?” Die haben den gleichen Satz wieder genauso schnell wiederholt.

Sprecher 1 (21:08)
Ja, genau, weil das Bewusstsein dann einfach fehlt. Und deswegen ist da auch ein ganz wichtiger Hinweis: Leute, wenn ihr diese Situation habt, klar, Tanja hat schon gesagt vorhin, schriftlich geben lassen, das passt nicht in jeder Situation, aber es ist schon mal in manchen Situationen einfach möglich. Aber weist die Leute darauf hin, weil das Bewusstsein ist einfach oftmals gar nicht da. Also sagt den Leuten wirklich ganz deutlich: “Sprecht ein bisschen langsamer, wiederhol es noch mal, sprecht ein bisschen langsamer”, bzw. wenn’s jetzt auch darum geht, selbst ein bisschen zu wachsen wieder, ich sage immer wieder “Gebt mir auch Feedback”. Die Leute wissen nicht, dass sie dich berichtigen dürfen, weil sie haben ja oftmals Angst, dich zu verletzen, wenn sie irgendwelche Grammatikfehler berichtigen. Deswegen die Frage oder die Erlaubnis “Hey, ihr dürft mich korrigieren, ich möchte unbedingt besser werden”. Das zeigt ja auch den eigenen Willen, sich anzupassen und sich besser zu integrieren. Also gebt den Leuten die Erlaubnis, sagt offen und ehrlich, “Ihr dürft mir Feedback geben, ich möchte wirklich ausdrücklich korrigiert werden”. Wann war für dich denn so der Punkt erreicht, wo du dann gesagt hast “Okay, jetzt bin ich sprachlich angekommen, jetzt bin ich da, wo ich mich wohlfühle, jetzt bin ich nicht mehr außerhalb der Komfortzone”, und wie bist du im Endeffekt dahin gekommen?

Sprecher 2 (22:40)
Also ich glaube, bei mir hat es sechs Jahre gedauert.

Sprecher 1 (22:42)
Sechs Jahre.

Sprecher 2 (22:42)
Ich habe, viele Jahre habe ich mir gedacht so “Boah, das wird nichts, das wird nichts, das wird nichts”.

Sprecher 1 (22:47)
Also, du hast wirklich an dir selbst gezweifelt und hattest Momente…

Sprecher 2 (22:51)
Also ich hab da wirklich gedacht, “Das gibt’s doch nicht, ich bin jetzt schon so lange da” und nach zwei Jahren habe ich mir gedacht “Boah, ich verstehe die immer noch nicht oder ich habe immer noch Probleme oder ich spreche immer noch nicht flüssig genug”. Also ich habe wirklich lange gezweifelt. Und dann irgendwann plötzlich war es da und da habe ich mir gedacht, jetzt ist kein Problem mehr.

Sprecher 1 (23:14)
Das war dann von heut auf morgen, oder wie?

Sprecher 2 (23:16)
Ja, das war irgendwie, plötzlich habe ich mich gut gefühlt. Und habe keine Angst mehr gehabt, die Angst war weg. Und jetzt, wenn ich jetzt zum Beispiel mit meinen Kollegen spreche oder in Meetings bin und ich versteh mal was nicht, dann habe ich auch kein Problem, danach zu fragen. Und früher hatte ich Angst, danach zu fragen. Also ich war ziemlich gehemmt, weil ich eben gedacht hab, ich kann doch jetzt nicht fragen, ich muss das doch verstehen können, wieso verstehe ich das nicht? Das waren so meine Gedanken damals. Und das ist einfach die Zeit. Man muss sich selbst die Zeit geben. Jeder lernt anders, hat eine andere Schnelligkeit zu lernen. Und ich zum Beispiel bin überhaupt kein Grammatiktyp. Ja, das habe ich in Deutschland gemerkt, damit kann ich keine Sprache lernen. Und in Spanien musste ich sehr viel mit den Leuten sprechen und viel hören. Das war auch… Im ersten Step immer hören und das nehmen, was ich gehört habe und wiederholen. Viele, viele, viele Male. Und ja, wie gesagt, auch so ein bisschen imitieren die Leute und kopieren das was sie sagen. Und das hat mir geholfen. Und irgendwann ist der Moment da und dann hast du keine Angst mehr und jetzt ist mir das egal. Ich weiß, ich spreche nicht 100 % korrekt. Ist mir persönlich jetzt aber nicht wichtig. Mir ist wichtig, dass die Leute mich verstehen. Und wenn ich eben sehe… Also ich habe zum Beispiel meinen Freund, mein Partner, der ist wirklich da und der gibt mir immer wieder Tipps und sagt “Mensch, das hast du wieder…” Und es sind immer die gleichen Fehler, die ich mache. Und ich glaube, auch wenn du am Anfang nicht korrigiert wirst, das ist auch ganz wichtig, dann hat sich dieser Fehler so verinnerlicht, dass es so wahnsinnig schwer ist, das wieder rauszubekommen. Und da muss dich dann wirklich immer wieder jemand auf den gleichen Fehler hinweisen, wo du selber dann schon sagst “Boah, das kann nicht sein, schon wieder”.

Sprecher 1 (25:27)
Genau, deswegen ist dieses Fehlerbewusstsein so unheimlich wichtig. Ja, da kann ich selbst auch ein Lied von singen, weil ich das ja, bei vielen meiner Coachingteilnehmer merke, dass du dann jahrelang eigentlich schon richtig gutes Deutsch gesprochen hast, aber du hast nie dieses Feedback gehabt. Und deswegen umso mehr der Tipp: holt euch das Feedback auf der Arbeit, holt euch das Feedback in dem Kontext, in dem ihr täglich seid von den Leuten, mit denen ihr täglich umgeben seid. Da ist nicht jeder der Typ für, nicht jeder Kollege möchte das. Manche haben keine Zeit, keine Lust, wie auch immer. Auch nicht jeder, der das nicht beruflich macht, kann dir wirklich sprachliches Feedback geben, weil viele nur die Sprache sprechen, aber in der Theorie eigentlich keine Ahnung haben. Das kommt natürlich erschwerend hinzu. Aber generell das Feedback ist wichtig, das Bewusstsein für die Fehler ist wichtig. Ja, und wir können, glaube ich, die Folge abschließen und zusammenfassen, diese Geduld zu haben ist unheimlich wichtig. Weil, ich höre dann auch oft, “Ja, ich bin jetzt seit ein, zwei Jahren in Deutschland und ich schaffe es immer noch nicht”. Ja gut, das sind auch erst ein, zwei Jahre. Du sagst, nach sechs Jahren war es so, dass du dich dann wohl gefühlt hast und jetzt bist du 20 Jahre da und es gibt immer noch kleine Baustellen oder Stellschrauben, an denen man drehen könnte. Aber da muss man sich fragen, was ist eigentlich das Ziel? Ist es jetzt, dass ich genauso spreche wie mein Kollege? Oder ist es, dass ich mich hier richtig wohlfühle, alles verstehen und alles sagen kann, was ich will und meine fachliche Expertise hier mit einbringen kann, um, wie ich vorhin gesagt habe, die Karriereleiter auch rauf zu klettern?

Sprecher 2 (27:05)
Darf ich noch mal was dazu sagen?

Sprecher 1 (27:07)
Sehr gerne.

Sprecher 2 (27:08)
Guter Punkt, und zwar, ich sage dann auch immer zu meinen Teilnehmern: “Stell dir mal vor, wie du deine eigene Muttersprache gelernt hast. Wie viele Jahre hast du gebraucht, um so zu sprechen, wie du jetzt sprichst?” Nicht in zwei Jahren. In zwei Jahren hast du erst mal nur gehört, als Baby hört man nur. Irgendwann fängt man an zu sprechen. Mit sechs Jahren hast du dann so einen kleinen Basiswortschatz, wo du dann bestimmte Sachen sagen kannst. In der Schule lernst du dann erst richtig, hören, lesen, schreiben. Und mit diesem ganzen Paket, sag ich mal, lernt man dann auch richtig sprechen, flüssig, fließend, wie auch immer. Und das braucht wirklich Jahre, deine eigene Muttersprache zu sprechen, so wie eine Fremdsprache.

Sprecher 1 (27:53)
Ganz genau. Ganz genau. Also ich glaube, die Botschaft, die wir hier geben können, vermitteln können, die du aus eigener Erfahrung auch geben kannst, ist: Geduld haben, trotzdem mutig sein, raus aus der Komfortzone und dranbleiben. Einfach weitermachen. Es gibt keine Abkürzung. Das kann man, glaube ich, festhalten. Es gibt keinen schnellen Weg, “Ich bin seit einem Jahr hier und morgen kann ich hier alle verstehen und unter den Tisch reden”, ja also, das geht nicht. Das ist nicht realistisch. Also deswegen, wer im Ausland ist, dort arbeitet und in einer Fremdsprache mit den Kollegen kommunizieren will, der muss einfach diesen harten Weg gehen. Aber man kann ihn sich erträglich machen. Ja, das können wir auf jeden Fall festhalten. Tanja, vielen, vielen Dank. Das war richtig interessant. Ich glaube, das wird hier vielen Leuten auch helfen. Deine Erfahrung wird hier vielen Leuten auch den Mut verleihen, ja selbst auch wirklich geduldig zu bleiben und dranzubleiben und weiterzumachen. Deswegen, dankeschön, dass du das mit uns geteilt hast. Und ja, ich würde sagen, wir hören uns auf jeden Fall irgendwann wieder in einer anderen Folge.

Sprecher 2 (29:05)
Auf jeden Fall. Ich hoffe auch, dass das sehr vielen jetzt etwas gebracht hat, dass sie mehr Geduld haben mit sich selbst, das ist super wichtig. Und ich wünsche allen ganz viel Spaß beim Deutschlernen.

Sprecher 1 (29:19)
Vielen Dank. Ja und wenn ihr zu Tanja wollt ich verlinke natürlich Tanjas Links noch mal in der Folgenbeschreibung, damit ihr sie auch findet. Und dann sage ich vielen Dank fürs Zuhören, vielen Dank für’s Einschalten. Bleibt geduldig, bleibt entspannt. Habt viel Spaß beim Deutschlernen, genießt den Sommer. Und dann würde ich sagen bis ganz bald. Bis nächste Woche. Macht’s gut, Leute. Mach’s gut, Tanja.

Sprecher 2 (29:45)
Ciao.

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