#40 – Wenn das Sprachenlernen zur Sucht wird – mit Luca Lampariello

Flemming [00:01]: Ja Moin, liebe Leute. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt hier bei einer neuen Folge von „Deutsches Geplapper“. Und ja, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf die heutige Folge gefreut habe schon seit Monaten, denn heute habe ich einen Gast bei mir, einen sehr, sehr bekannten Sprachcoach, den ich selbst schon ja, ewig in den sozialen Medien und auf YouTube verfolge und von dem ich persönlich als Deutschcoach auch sehr viel gelernt habe. Und deshalb bin ich einfach unheimlich froh, dass er hier heute bei mir ist und mit mir ein bisschen über das Sprachenlernen plappern möchte. Ja, und ich sage erstmal herzlich Willkommen hier bei „Deutsches Geplapper“, Luca Lampariello.

Luca [00:44]: Hallo, Flemming. Erstens freut es mich natürlich hier mit dir zu sein, danke für die Einladung. Und ich würde auch sagen, endlich habe ich es geschafft.

Flemming [00:58]: Endlich haben wir es geschafft, ja. Wir haben gerade schon im Vorgespräch gesagt, ich glaube letztes Jahr im Frühling habe ich dir geschrieben und jetzt haben wir endlich unseren Termin hier wahrnehmen können. Wunderbar, freut mich sehr. Und für die Hörerinnen und Hörer, du bist kein deutscher Muttersprachler, du bist Italiener, ja? Wo erreiche ich dich gerade, bist du gerade in deiner italienischen Heimat?

Luca [01:22]: Ich bin in Rom, ja.

Flemming [01:24]: In Rom, ja. Da lebst du auf Dauer?

Luca [01:25]: Ja, ich wohne hier. Ich reise viel, aber zurzeit bin ich hier in Rom. Im Winter, wenn es relativ kalt ist, ja nicht so kalt in Rom, auf jeden Fall.

Flemming [01:41]: Okay, gut. Und ich habe eben schon ein paar einleitende Sätze jetzt über dich gesagt, aber ich würde mich freuen, wenn du dich selbst einfach noch mal so ein bisschen vorstellen könntest, den Leuten einfach mal sagst, wer du bist und ja, was genau du machst, was du auch mit dem Thema Sprachenlernen zu tun hast.

Luca [01:59]: Also ich bin Luca, ich bin Italiener. Ich wohne in Rom, wie gesagt, ich bin, Sprachcoach, also ich helfe den Leuten dabei sagen wir mal, Sprachen besser und effizienter zu erwerben. Ja, ich glaube, das System generell im Gegenteil ist nicht so hilfreich. In der Schule haben wir alle die Erfahrung gehabt, keine Sprachen zu lernen, auf jeden Fall – ich weiß nicht, ob es in Deutschland der Fall ist, aber in Italien sicher und auch zum Beispiel in den Vereinigten Staaten. Es ist ganz normal, zum Beispiel zur Schule zu gehen und man lernt keine Sprache und man fragt sich, warum? Und deswegen habe ich gedacht ok, ich bin immer verrückt nach Sprachen gewesen, das ist meine Leidenschaft, aber im Laufe der Zeit habe ich verstanden, ich kann den Leuten verstehen und dabei helfen tatsächlich Sprachen effizienter und einfacher zu lernen. Und dann habe ich diesen Kanal erstellt. Das war vor – es ist eine Ewigkeit, 14 Jahre oder so, ich weiß es nicht mehr – Mai 2008 ja, das war das erste Video. Und dann haben mich – also im Allgemeinen habe ich gesehen, den Leuten hat es gefallen, dieses Video, das ich vor 14 Jahren oder so veröffentlichte, das hat den Leuten gut gefallen und dann habe ich beschlossen, andere Videos zu veröffentlichen, und dann ist es nicht nur eine Leidenschaft, sondern ein Job geworden im Laufe der Zeit. Dann habe ich angefangen, mit Sprachkurs zu arbeiten, „one on one“. Dann hab ich auch jetzt eine Schule, eine Akademie. Aber du kennst die ja –

Flemming [04:01]: Kenne ich sehr gut, ja, ich hab da auch teilgenommen.

Luca [04:06]: Das ist also eine Akademie, wo ich Kurse mache, die sind „Learning how to learn“, lernen wie zu lernen. Ja, das ist ein neues Konzept, was bedeutet das eigentlich, lernen zu lernen. Das ist die Fähigkeit, also die Kapazität zu verstehen, zum Beispiel die Mechanismen des Lernprozesses im Allgemeinen. Ich glaube, das spielt dann eine große Rolle jetzt, denn zum Beispiel im Internet können wir alles finden jetzt. Wir haben alle Videos und Podcasts und so, aber die Leute, die haben es noch – es ist noch schwer für die meisten Leute zu verstehen, wie man das Internet benutzen sollte, um Sprachen zu lernen. Und deswegen habe ich beschlossen, diese Schule – nicht nur die Schule, sondern auch diesen Kanal zu erstellen und bin stolz drauf. Und das ist alles, mehr oder weniger. Es ist eine lange Geschichte, wir können noch ein bisschen später über die Details sprechen.

Flemming [05:12]: Ja, sehr gerne, auf jeden Fall. Genau, also ich kann das nur bestätigen, dass deine Lernakademie, das hab ich selbst auch testen können, ist sehr, sehr hilfreich, kann man nur empfehlen. Und ja, für mich war es ganz interessant, dass du gerade auch gesagt hast, ich helfe Leuten, Sprachen zu erwerben und nicht zu lernen. Es ist ja irgendwie auch ein ganz wichtiger Unterschied. Ich sage immer Sprachen lernen, weil es einfacher ist, weil man das besser kennt, aber Sprachen erwerben passt eigentlich besser, oder?

Luca [05:44]: Es ist sehr interessant, auf Deutsch gibt es diesen Unterschied zwischen Erwerben und Lernen. Erwerben, das ist ein natürlicher Prozess, das heißt eine Sprache zu lernen, wie man eine Sprache als Kind, wir als Kinder unsere eigene Muttersprache gelernt haben und ich glaube das Problem besteht darin, dass in der Schule zum Beispiel, also wie ich vorhin gesagt habe, das Problem ist, wir haben verlernt, wie man eine Sprache lernt. Also haben wir alle unsere Muttersprache gelernt, wir haben es erwerbt – oder erworben, ich weiß nicht, ich glaub erworben – aber jetzt als Schüler oder Studenten lernen wir eine Sprache, und das Lernen explizit. Das Wort explizit, das bedeutet wir versuchen zum Beispiel die Grammatikregeln zu verstehen, wir lernen die Grammatik aber normalerweise, wenn man spricht, kann man nicht an die Grammatik denken. Und dann versuchen wir Vokabular zu lernen, dann Wörter zu lernen und es ist ok, aber nicht sehr wirkungsvoll. Und Resultat ist, dass nach 5 Jahren oder 5 Jahren in der Schule, oder ich weiß es nicht, in einer Sprachenschule lernt man nicht, wie man die Sprache benutzen soll. Das heißt, wir können es nicht sprechen, zum Beispiel in Italien nach 5 Jahren können die meisten Studenten in der Schule, die können die Sprache nicht sprechen, die können die Sprache nicht nutzen, um mit anderen Leuten oder Muttersprachlern zu kommunizieren. Und das ist eine katastrophale Situation überall. Es ist nicht nur in Italien. Wie ist zum Beispiel die Lage in Deutschland? Vielleicht ist es ein bisschen anders, ich weiß es nicht.

Flemming [07:46]: Ja, ich glaube so ein bisschen besser, ja also durch – ich hab ja auch ne Zeitlang in Italien studiert in Catania und ich habe auch erlebt, wie es da ist, wie der Schulunterricht da ist, wie der Sprachunterricht ist. Ich hab ja auch viel mit Leuten dort gesprochen, ich kenne das gleiche eben auch aus Spanien beispielsweise, hab auch paar spanische Freunde und ich weiß, die haben mir auch alle erzählt, dass der Schulunterricht im Prinzip nicht brauchbar ist, ja, weil wie gesagt, du lernst, aber es geht vorrangig um Grammatik. Das habe ich im Podcast auch schon sehr oft angesprochen. In Deutschland ist es ein bisschen praxisbezogener, ich würde mal sagen, dass die meisten Leute nach dem Abitur so ganz passabel Englisch sprechen können, wenn sie sich denn während der Schulzeit angestrengt haben. Aber man muss mal ehrlich sein, das sind ja dann auch 7 Jahre, die man Englisch gelernt hat und dafür ist es dann doch relativ schlecht. Und genau, deswegen, also das erlebe ich immer wieder und da hast du vollkommen recht, da liegt irgendwie ein Fehler im System, kann man sagen.

Luca [08:57]: Ich glaube im Allgemeinen, ich glaube Sprachen lernen ist eine komplexe Fähigkeit, aber es ist relativ einfach die zu erwerben. Das ist nur, wir machen es komplizierter als es tatsächlich ist und auch weißt du, Kinder, die können lernen die ganze Zeit ihre eigene Muttersprache, denn die denken nicht „Ich werde einen Fehler machen“, weißt du. Wir sind die ganze Zeit wenn wir eine andere Sprache lernen, haben wir diese Mentalität oder haben wir dieses Mindset, das aus der Schule kommt „Oh mein Gott, ich werde so viele Fehler machen, die werden mich beurteilen und die haben all diese Gedanken im Kopf und das ist ein großes Problem. Und so viele Leute, die haben Schiss eine Sprache zu sprechen, die haben Furcht davor nur eine Sprache zu sprechen. Und die Kinder, die haben das überhaupt nicht. Die denken nur „Okay, ich muss mit anderen Kindern sprechen“ ja, das ist ihr Problem, sagen wir mal. Es ist um zu spielen, mit anderen Kindern zu spielen und die Sprache zu benutzen und dann weißt du. Und die lernen als Konsequenz, die lernen, die erwerben die Sprache dadurch. Aber wir, anstatt das zu tun, anstatt eine Sprache mit anderen Kindern oder mit einem anderen Kind oder mit anderen Leuten zu erwerben, was machen wir? Wir lernen die Grammatikregeln, wir versuchen Vokabular zu lernen, und dann werden wir versuchen, das Ganze zu implementieren. Ja, ok ich kann alle diese Wörter und jetzt – das geht nicht. Leider geht es nicht und das Problem besteht darin, die Leute, die denken „Okay, ich hab probiert, ich hab versucht diese Sprache zu lernen, Englisch, Französisch, was auch immer, hat es nicht geklappt und deswegen finde ich bin ich dumm oder vielleicht bin ich nicht“, – weißt du was, ich hab so viele Leute kennengelernt, die eigentlich denken „Ich bin nicht gut ja, aber ich hab niemals eine Sprache gelernt und ich bin einfach nicht gut“, aber das stimmt überhaupt nicht. Sie denken, sie haben das Mindset, also das Mindset eines Menschen spielt eine riesige Rolle im Sprachen lernen, nicht nur – egal welche Fähigkeit man erwirbt, spielt das Mindset eine ganz große Rolle.

Flemming [11:30]: Das ist ja, also es ist schön, dass das Gespräch jetzt schon automatisch dahin gelaufen ist, weil Mindset sollte ja auch einer der zentralen Punkte in unserem Gespräch sein. Und ich meine, jetzt sind wir eigentlich schon soweit, ich würde ganz kurz vorher noch einen kleinen Umweg machen und gleich noch mal aufs Mindset zurückkommen, weil das ist ganz, ganz wichtig, wie du gesagt hast. Du hast nämlich bei dir selbst, bei deiner Selbstvorstellung ja auch einen ganz, ganz entscheidenden Punkt vergessen. Deswegen erwähne ich das jetzt einfach, dass du nämlich selbst ja auch 15 Sprachen beherrschst ja, das wollen wir mal nicht außer Acht lassen. Das ist ja unglaublich ne, 15 Sprachen zu sprechen, also du hast selbst schon gesagt vorhin im Vorgespräch, das ist jetzt natürlich nicht alles auf dem gleichen Niveau. Ja, ist selbstverständlich, aber was ich jetzt so spannend finde, ich unterhalte mich ja auch viel mit Leuten, die mehrere Sprachen sprechen und versuche auch so die Motivationen herauszufinden, warum man das macht. Da hört man immer wieder was anderes, also ich selbst kann sagen ich liebe Sprachen, ich bin einfach – Ich liebe es, im Ausland mit den Leuten in ihrer Muttersprache zu sprechen, das ist für mich ein unheimlich erfüllendes Gefühl, und deswegen lerne ich Sprachen. Ich müsste das jetzt nicht machen, aber das finde ich einfach toll. So, aber jetzt die Frage an dich, warum sind es 15 Sprachen bei dir? Ja, kannst du dazu so ein bisschen was sagen?

Luca [13:03]: Um deine Frage zu beantworten, würde ich sagen warum nicht? Also erstens, alles begann mit meiner Oma. Das war vor 30 Jahren oder mehr. Wir waren in diesem Sommerhaus und meine Oma, sie saß auf der Veranda und sie schlug mir vor Mathe, Latein und Französisch zu lernen. Ich glaube ich war 8 und in diesem Moment dachte ich, sollte ich eigentlich mit anderen, also Kindern an dem Strand spielen und sagte „Mann, Oma, Mathe lernen?“. Das war der Sommer, kannst du dir vorstellen, ja? Und ich erinnere mich, ich zögerte überhaupt keinen Augenblick und ich fing sofort an, mit meiner Oma zu lernen jeden Tag. Ich konnte es nicht erwarten, jeden Tag mit meiner Oma zu arbeiten. Also Mathe, Französisch, Latein zu bearbeiten. Und das war krass und ich habe mir gesagt das ist toll, ich finde es toll, ich hab es immer toll gefunden, also lernen. Das ist eine Sucht, das ist die einzige Sucht würde ich sagen, die ich mich traue zuzugeben. Es ist wie eine Sucht würde ich sagen, aber ich glaube sie – meine Oma – sie war der erste Mensch, der dieses Interesse geweckt hat. Das ist eine – also alles interessiert mich. Das ist nicht nur Sprachen, es ist Astronomie, es ist Geschichte, es ist die Literatur, es ist Kunst und so weiter und sofort. Und deswegen habe ich diesen unersetzlichen Durst, würde ich sagen ja, also es ist Sucht, ein Durst ja, was auch immer, aber du verstehst, was ich meine, es ist alles –

Flemming [15:01]: Etwas Neues zu lernen.

Luca [15:04]: – etwas Neues zu lernen jeden Tag, ja. Und dann mit meiner Oma, dann meine Tante, meine Mutter, mein Vater, also meine Familie im Allgemeinen – etwas Neues zu lernen. Es ist nicht nur Sprachen und jeden Tag mal eine große, riesige Befriedigung, das zu tun. Und deswegen habe ich gedacht ok, ich hab also Englisch gelernt, dann Spanisch, und dann jedes Jahr sage ich mir „Soll ich etwas anderes – wollte ich nicht Geige spielen ja oder eine andere Sprache?“ Und deswegen glaub ich, ich werde niemals aufgeben andere Sprachen zu lernen. Das ist so eine große Freude für mich, deswegen normalerweise frag mich auf jeden Fall, warum so viele Sprachen? 13, ist es nicht genug? Und für mich ist das nicht genug, denn es ist einfach ein Lebensstil. Ich werde es, ich will das die ganze Zeit tun, ein ganzes Leben.

Flemming [16:05]: Also, ich finde das unheimlich inspirierend, ja, also es geht nicht darum, ein bestimmtes Ziel zu verfolgen, um irgendwann mal etwas geschafft zu haben und dann zu sagen „Ok, jetzt reichts“, sondern das Ziel ist dieser Prozess selbst.

Luca [16:22]: Ganz genau. Das ist der Punkt, ich meine auf jeden Fall haben – also es ist ganz normal, die Sprachen, die haben mir dabei geholfen, ein besseres Leben zu kriegen. Ja, ich hab einen super Job, ich liebe meinen Job und dann wenn man reist zum Beispiel kann man – alles ist so einfacher. Ja, wenn du zum Beispiel vor allem in Ländern, wo man die Sprache – wo man Englisch nicht spricht – in Frankreich oder nicht so gut, sagen wir mal, in Frankreich, in Spanien, in Italien, ich habe in Frankreich gewohnt in Paris und ich kann es mir vorstellen, aber du weißt, du warst auch in Frankreich, die Leute, die können Englisch, aber es ist relativ – also es ist nicht einfach in Frankreich nur Englisch zu sprechen, kein Französisch, keine Silbe französisch zu sprechen und erinnere mich daran „Gott sei Dank. Ich kann Französisch“, denn ich sollte den Kellner anrufen und dann weißt du, diese Dinge, viele Dinge zu erledigen, das konnte ich natürlicherweise nur auf Französisch. Und ich habe so viele Leute kennengelernt. Die Sprachen haben mein ganzes Leben geändert würde ich sagen. Aber für mich ist es – also der Prozess, ja die Befriedigung, die Freude. Wenn die Leute, die fragen mich „warum nochmal?“ Es ist der Prozess, steh auf, freu mich darauf und darüber, eine neue Sprache zu lernen. Ja, heute werde ich Ungarn und Französisch und ich kann die Nachrichten auf Französisch, ich kann Bücher auf Russisch lesen und es ist einfach spitze ja, unheimlich cool.

Flemming [18:20]: Ja, wow. Also das ist – ich kann das komplett nachvollziehen, nicht auf demselben Level, nicht auf derselben Ebene, aber ich weiß ganz genau, was du meinst mit diesem Prozess und mit dieser ständigen Weiterentwicklung, dem Dazulernen. Ja also, das ist natürlich auch eine Motivation für mich weiterhin Sprachen zu lernen.

Luca [18:39]: Und man sieht auch die Welt aus einer anderen Perspektive. Es ist unglaublich, was geschieht, wenn man so viele Sprachen kann, weißt du? Wie eine Sucht im positiven Sinne sagen wir mal.

Flemming [18:52]: Finde ich gut, ist die beste Sucht, von der ich je gehört habe. Das gefällt mir sehr.

Luca [18:56]: Ist besser wie Kippen zu rauchen, Zigaretten zu rauchen oder ich weiß nicht, was magst du? Was für eine Sucht hast du? Also ich lerne Sprachen.

Flemming [19:05]: Aber ein Glas Wein zwischendurch trinkst du trotzdem mal gerne?

Luca [19:10]: Ja.

Flemming [19:11]: Okay, gut. Für mich jetzt nochmal ganz interessant, du sprichst jetzt sehr, sehr gut Deutsch ja, das hört man, also man hört kaum, dass du kein Muttersprachler bist, das fällt sehr wenig auf. Nein, nein. Würde mich jetzt noch mal interessieren, hast du sowas wie Lieblingssprachen und wenn ja, wo rangiert die deutsche Sprache da?

Luca [19:34]: Ja, die Antwort ist ja. Deutsch, Russisch und Griechisch. Die sind meine Lieblingssprachen, ich liebe –

Flemming [19:45]: Ach wirklich?

Luca [19:46]: Ja, Griechisch, vor allem Griechisch jetzt ist es wow. Jeden Tag stehe ich auf „Ich will Griechisch lernen“. Ja Deutsch zweifellos, ist zweifellos eine meiner Lieblingssprachen. Ich liebe es, wie die Sprache im Allgemeinen klingt, auch die – es ist sehr logisch und weißt du, dass Leute im Allgemeinen nach dem Zweiten Weltkrieg zum Beispiel, haben dieses Vorurteil „Deutsch klingt nicht so gut in Polen zum Beispiel. Es ist eine ausgedehnte falsche Idee oder Perspektive, dass „Deutsch ist hässlich“, ich hab so – weißt du, es gibt auch ein Video, wo man das Wort Schmetterling sagt. Ich weiß nicht, ob das –

Flemming [20:32]: Ja, ich glaub das kennt jeder mittlerweile.

Luca [20:36]: Das ärgert mich ein bisschen. Einfach doof, das ist dumm, ja, du kannst Schmetterling sagen, wenn ich Farfalla auf Italienisch sage. Also du weißt, was ich meine. Aber im Allgemeinen, ja Deutsch, Russisch, Russisch auch die Struktur der Sprache, es ist einfach unglaublich. Und Griechisch, sind meine Lieblingssprachen, aber ich liebe alle Sprachen. Eine Sprache zu erwerben ist wie ein neues Kind in der Familie zu kriegen. Ja, ich liebe alle meine Kinder, aber es gibt also Sprachen, die ich toll finde. Ja, Spanisch, Französisch auch, die sind super, aber die sind ein bisschen ähnlich zum Beispiel, das ist dieselbe Familie. Italienisch, Spanisch, Französisch, ich finde es toll, diese Sprachen zu sprechen, aber andererseits sind Deutsch, Russisch, Griechisch ein bisschen anders und deswegen ist es auch etwas Neues zu lernen. Ich hab 3 Lieblingssprachen Griechisch, Deutsch und Russisch.

Flemming [21:48]: Sehr gut, okay. Ja, das hat mich persönlich einfach nochmal interessiert, wo Deutsch da in deiner Liste ist. Und jetzt die Anschlussfrage, da haben wir ja eben im Vorgespräch schon mal kurz drüber geredet, wenn man so viele Sprachen spricht, das werden hier auch einige Hörerinnen und Hörer bestätigen können, weil sie auch mehrere Sprachen sprechen, wenn man so viele Sprachen spricht, ist es ja unheimlich schwer, keine Rückschritte in einer Sprache zu machen, während man in der anderen Sprache Fortschritte macht. Also gleichzeitig diese Sprachen zu lernen und ich hab gesagt ja, 5 Sprachen bei mir, aber ich habe alle Hände voll zu tun, da das Niveau jeweils zu halten, geschweige denn, dass ich gleichzeitig überall Fortschritte machen kann. Was ist dahinter das Geheimnis? Also gibt es da überhaupt ein Geheimnis oder wie würdest du sagen, kann man gleichzeitig so viele Sprachen lernen oder erwerben?

Luca [22:49]: Ich glaube – ich weiß nicht, ob es tatsächlich ein Geheimnis gibt. Ich würde sagen in meinem Fall ist es Leidenschaft, Disziplin, Motivation und Vision. Erstens für einen Polyglotten, ja sogenannten Polyglotten, das heißt ein Mensch, der viele Sprachen kann, 5 oder 6 oder 8, ich glaube einerseits wird es einfacher, Sprachen zu erwerben, aber andererseits ist es natürlicherweise schwerer, ein gutes Niveau zu halten. Und ich meine für alle Sprachen, die man kann und kennt, das ist ein großes Problem. Das Problem ist, unsere Zeit ist begrenzt, sagen wir mal und Energie. Das erfordert viel Energie, ja Sprache lernen allgemein, sprechen und lernen und so weiter und sofort. In meinem Fall ist es natürlich schwer, alle diese Sprachen zu – also eine Routine beizubehalten, die mir erlaubt nicht nur ein gutes Niveau zu halten, sondern auch andere Sprachen zu lernen. Ja, das ist das das Problem. In meinem Fall nochmal geht es um Disziplin und geht es auch um Vision und Planung. Was meine ich damit? Normalerweise lerne ich Sprache – ich bin ein, wie man auf Englisch sagt „early bird“, morgens bin ich sehr erfrischt, ich lerne dann ganz gerne, aber das Problem ist ich hab viel um die Ohren jetzt leider wegen meiner Arbeit. Und deswegen sollte ich mein Sprachenlernen verschieben, also nachmittags jetzt, ich lerne diese Sprachen nachmittags. Und im Allgemeinen unterscheide ich zwischen 2 Systemen oder sagen wir, teile ich meine Sprachen in 2 Systeme. System 1, das enthält alle die Sprachen, die ich fließend kann. In meinem Fall Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Deutsch würde ich auch sagen, Russisch, Polnisch und Portugiesisch, ja 8 Sprachen. Dies sind Sprachen, die ich also benutzen kann, ich muss mich nicht hinsetzen und lernen. Ich kann einfach benutzen. Andererseits gibt es System 2, das alle die Sprachen enthält, die ich sagen wir mal noch aktiv lerne. Sagen wir, ich hab ein zwischen B1 und B2 Niveau. Zum Beispiel Griechisch, Ungarisch und Serbisch, die sind die Sprachen, die ich jeden Tag aktiv lerne. Ich muss mich hinsetzen und Bücher lesen und hören und gleichzeitig lesen das intermediate Niveau – da kurz, das ist genau, was ich tue, ja, was ich da beschreibe. Und natürlich gibt es auch eine dritte Kategorie, das ist die Sprache, die ich vernachlässigt habe. Es ist sehr schwierig für mich, jede Sprache jeden Tag zu benutzen, einfach unmöglich. Ich könnte sagen, da werde ich verrückt, da wäre ich total verrückt. Und deswegen sagen wir mal jeden Tag benutze ich oder lerne ich zwischen 8 und 10 Sprachen. Aber bei mir dreht sich alles um Sprachen ja, das ist meine Arbeit, das ist meine Leidenschaft und so weiter und sofort. Normalerweise ist es sehr schwierig das zu tun. Und es geht darum, also um Gewohnheiten zu entwickeln. Ich hab ein ganz bestimmtes Lebensziel, um dir zu beschreiben, was ich tue, steh auf zum Beispiel und ich tue alles durch meine Sprachen. Beim Kochen höre ich Nachrichten auf Russisch oder Polnisch oder Französisch. Das ist meine Gewohnheit, ok kochen, Küche, Französisch. Das ist die mentale Situation und dann nachts lese ich Zeitschriften und Bücher auf Deutsch, Russisch und so weiter und sofort unter der Woche, wenn ich zu Hause bin. Dann am Wochenende, wenn ich ausgehe mit meinen Freunden zum Beispiel, wir quatschen auf – ich weiß es nicht – ich kenne viele Ausländer hier in Rom, glücklich in einer so großen Stadt, wo man viele Ausländer kennenlernen kann und dann hab ich die Möglichkeit andere Sprachen zu benutzen. Aber nochmal, auch wenn ich diese Gewohnheiten habe, auch wenn ich diesen Lebensstil habe, auch wenn Sprachen meine Leidenschaft und meine Arbeit sind, ist es schwer, alle diese Sprachen zu sprechen und zu benutzen und zu hören und so weiter und sofort. Deswegen ist es ganz normal – also es ist also ein bisschen problematisch, aber andererseits, ich weiß, ich kenne meine Grenze, ich bin ein Mann, ich kann nicht alles, aber ich hab mir gesagt „Ok, wenn ich Schwedisch oder Holländisch oder Chinesisch, Japanisch heute nicht sprechen kann, ist mir egal.“ Man sagt ja nicht besessen vom Sprachen besessen sein. Also das kann eine Sucht sein ja, werden, aber ich glaube, ich hab auch Leute kennengelernt, die ein bisschen besessen sind. „Ja, ich muss jeden Tag 15 Minuten Zeit mit Spanisch und Französisch 15 Minuten und dann –.“ Nein, also es ist gefährlich. Wir gehen das Risiko ein besessen zu werden und das Sprache lernen kann problematisch sein – es kommt drauf an, wie man etwas sieht, was man tut im Allgemeinen. Ich glaube, in meinem Fall, ich bin nicht besessen, ich tue alles durch die Sprachen, aber das soll bedeuten, dass die Sprachen… Das ist nicht das Wichtigste in meinem Leben. Ja, es gibt andere Dinge in meinem Leben, die ganz wichtig sind.

Flemming [29:28]: Das ist ja, aber das ist ein ganz, ganz interessanter Punkt. Also ich hab das selbst bei mir auch festgestellt, da gab es wirklich Zeiten, wo ich gesagt habe „Ich muss jetzt hier am Tag wirklich 4 Sprachen durchziehen. Ja, und ich muss da mindestens 2 Stunden pro Tag opfern“, aber es ist halt unheimlich schwierig. Du sagst es, du machst das beruflich, es gehört bei dir zum Alltag, das ist ja für die meisten Leute nicht möglich, weil die haben eben einen anderen Beruf und dann vorher oder nachher dann noch diese mehrere Sprachen reinzudrücken ist natürlich unheimlich schwierig. Und deswegen finde ich aber dein Hinweis da sehr hilfreich, einfach diese Gewohnheiten in den Alltag zu bringen, das so zu verbinden mit verschiedenen Tätigkeiten einfach, das ist mega clever, aber auch simple ja, ich koche und lerne Russisch, ich lese eine deutsche Zeitschrift auf Toilette oder sowas.

Luca [30:24]: Ganz genau. Das ist genau, was ich tue. Für die meisten Leute ist es sehr schwer Sprachen zu lernen, aber andererseits kannst du auch Sprachen in dein Leben integrieren. Zum Beispiel man kann nachdenken, ok was tue ich nachts zum Beispiel. Ich gucke mir etwas an auf Netflix. Ja, warum kannst du das nicht auf deiner Sprache tun? Nehmen wir an, du lernst Französisch und du guckst dir die ganze Zeit Dokus auf Englisch an und dann warum tust du das nicht auf Französisch? Ich hab alle diese Aktivitäten in meiner eigenen Sprache, die ich in meiner eigene Sprache getan habe zum Beispiel, ich hab sie ersetzt in – ich hab zum Beispiel, als ich 15 war, guckte ich jeden Abend eine Doku oder einen Film auf Französisch an und dann nach 2 Jahren, also die anderen Schulen fragen mich schon „Warum kannst du so gut Französisch?“. Und ich hab ihnen gesagt ich hab überhaupt nichts getan, also ich hab nur – Abendessen habe ich mir jeden Tag etwas auf Französisch angeguckt und die machen das auf Italienisch. Und im Laufe der Zeit, du kannst dir vorstellen, was das bedeutet. Ja, jeden Tag eine Stunde oder 2 Stunden. Und ich mache das immer ein bisschen, es war also bewusstlos, ich hab das einfach gemacht, denn es macht nämlich Spaß. Und dann okay, ich kann Französisch fließend und die anderen Schüler, die konnten es nicht, denn die hatten alles auf Italienisch getan und ich glaube und jetzt – also, das war vor 30 Jahren her, es gab kein Internet – jetzt kannst du alles tun, alles tun, was du willst. Du kannst oben bleiben, kannst du auch mit – zum Beispiel du kannst dir Dinge auf Netflix oder auf YouTube angucken und du hast Untertitel. In den meisten Fällen hast du auch Untertitel dann, es ist unglaublich, was du tun kannst. Ist nur eine Frage der Zeit und eine Frage der Übung, aber man sollte auch diese Mentalität oder dieses Mindset loswerden „Ah, ich muss mich hinsetzen, eine Sprache zu lernen.“ Nein. Die Römer, die sagten In vitae discimus, non in scholae“ Das heißt, wir lernen im Leben, nicht in der Schule. Und nochmal, in der Schule leider haben wir verlernt das auf natürliche Weise zu tun. Die Art und Weise, wie man eine Sprache in der Schule „lernt“, ist lernen und nicht erwerben. Man kann auf jeden Fall als Erwachsener lernen und erwerben, nicht nur lernen oder erwerben. Man kann erwerben und lernen, ja, man hat viele Vorteile und auch Nachteile als Erwachsener, aber ich glaube, alles steht zur Verfügung jetzt. Das ist unglaublich.

Flemming [33:42]: Genau, das denke ich auch. Ja, wir haben unheimlich viele Vorteile gegenüber früheren Generationen und genau, das Thema als Erwachsene lernen, auch das hab ich hier in älteren Folgen des Podcasts schon mal angesprochen, als es auch so um diesen „natural approach“ von Steven Krashen ging. Genau, das sollte eigentlich den Hörerinnen und Hörern bewusst sein, deswegen gehe ich da jetzt nicht weiter drauf ein.

Willst du gleich weiterhören? Hier ein paar Vorschläge:

Luca findest du hier: 

https://www.youtube.com/channel/UCOJ88yDbqOkAZXNuuYpAAAAhttps://sirplus.de/

https://www.lucalampariello.com/home/https://www.instagram.com/raphaelsirplus/

Interesse am Deutsch-Coaching? Schreib mir jetzt eine Mail an:

flemming@naturalfluentgerman.com 

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