#67 – Wie wichtig sind Pausen beim Deutschlernen? – mit Dr. Martin Krengel

Flemming:
Ja, moin liebe Deutschlernerinnen, moin liebe Deutschlerner, schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt hier bei Deutsches Geplapper. Und ich sitze heute hier zusammen, virtuell zusammen, mit Dr. Martin Krengel, Psychologe, Motivationsexperte, Bestsellerautor, also Autor von insgesamt elf Fachbüchern. Ich sag erstmal moin Martin, schön, dass du da bist. 

Martin:
Hallo, Grüße aus Berlin. 

Flemming:
Grüße aus Rostock nach Berlin, sehr schön. Ja Martin, ich find’s einfach so richtig interessant, was du so machst, weil ich hab mir auch gedacht, als ich dich so vor ein paar Wochen irgendwo mal online gefunden hatte, dass das so richtig hier zu Deutsches Geplapper passt, gerade so auf was das Thema Zeitmanagement und Motivation angeht, was du ja machst, wozu wir gleich noch kommen werden. Vorher würde ich gerne, dass du einfach noch mal ein paar Sätze zu dir sagst, also dass die Leute genau so eine etwas klarere Vorstellung haben von dem, was so dein Alltag ausmacht. Was sind so deine Aufgabenbereiche, womit verdienst du deine Brötchen und was zeichnet dich so aus? Kannst du da mal ein paar Sätze zu sagen? 

Martin:
Sehr gerne, also ich bin ein sehr vielseitiger Mensch, hab viele Hobbys, ich habe geturnt, ich hatte ein anspruchsvolles Studium und war halt schnell an dem Punkt, wo ich überfordert war und die Frage war, wie kriege ich das alles unter einen Hut? Und so kam ich zum Zeitmanagement und später halt dann auch zur Lernpsychologie und zum Lesen, weil als Studierender oder als Autor sind die größten Zeitfresser nun mal Lernprozesse, Leseprozesse, Schreibprozesse. Und ja, wie sieht mein Alltag aus? Ich stehe auf, mache drei Stunden Fokus, schreibe entweder mein Newsletter oder an einem Buch oder an Blogartikeln und nachmittags kümmere ich mich dann um die Kurse. Also ich habe eine Akademie auch, ich habe verschiedene Onlinekurse, halt eben auch zu Zeitmanagement, Lesen, Lernen, Schreiben und so gegen 18, 19 Uhr habe ich keinen Bock mehr, dann gehe ich entweder zum Training oder fahre hier an einen der Berliner Seen im Norden und sitze dann einfach nur da und genieße die Stille. 

Flemming:
Sehr cool, das klingt gut. Zum Training, was machst du? 

Martin:
Kunstturnen, also Geräteturnen, das ist so Reck, Barren, Pauschenpferd, Trampolin, so’ne Geschichten. 

Flemming:
Okay, ich bin im Calisthenics-Bereich unterwegs, da gibt es ja so ein paar Überschneidungspunkte auch, glaube ich. Also wenn man jetzt so Turnen und Calisthenics so ein bisschen vergleicht, ich glaube die Leute, die Calisthenics machen, gehen dann eher wieder Richtung Crossfit. Aber gerade sowas, was so die Körperstabilität angeht und sich so an einem Baren oder an einer Stange halten und da so ein paar Übungen machen, ich glaube das geht sehr in eine Richtung, oder? 

Martin:
Also Crossfit kenne ich, das hat sich natürlich sehr im Turnen bedient, weil kaum eine andere Sportart ist so vielseitig. Du musst Dinge halt im Handstand machen, du hast Beweglichkeit, du hast Kraftelemente, du hast Explosionskraft dabei, Sprungkraft. Also es ist wirklich eine sehr spannende Sportart, sehr vielfältig. 

Flemming:
Okay, sehr cool. Und du hast eben gesagt, drei Stunden Fokus morgens, da bin ich hellhörig geworden. Das heißt, du stehst auf und hast wirklich erstmal eine Aufgabe, die du drei Stunden lang mit voller Konzentration durchziehst, oder wie kann ich mir das vorstellen? 

Martin:
Naja, um ehrlich zu sein, sind es drei Stunden durchschleppen, weil ich bin eigentlich ein Nachmittagsmensch. Also mein Gehirn schaltet sich ungefähr gegen zwei, drei Uhr nachmittags an. Das Problem ist nur, dass wir im Fokus- und Zeitmanagement, wenn wir den Tag über schon vormittags so viele Ablenkungen haben und Kleinigkeiten machen, dann kommen wir gar nicht mehr in diesen Produktivitätsmodus. Das heißt, ich beiße halt in den sauren Apfel und mache trotzdem morgens die wichtigste Aufgabe, aber mache halt kleinere Etappen, ich hänge da auch mal durch, ich starre mal zehn Minuten an die Wand und kriege nichts gebacken. Ich verstecke mein Handy, lasse das im Auto oder packe das in Keller, sodass ich vier Stockwerke runtergehen muss, um irgendwie mit Instagram rumzuspielen. Und das macht man da nicht.

Flemming:
Oh wow. Sehr extreme Maßnahmen, aber es funktioniert dann offenbar, oder? 

Martin:
Genau, also ich habe gelernt, meinen inneren Schweinehund zu zähmen und zu bändigen. Und kurz zum Hintergrund, also morgens ist halt die Motivation oder die Willenskraft am größten. Wir können morgens halt am ehesten neue Dinge anpacken, schwierige Dinge lösen. Und wenn du ein Buch schreiben willst, das ist so eine komplexe, krasse, schwere Aufgabe, da musst du harte Maßnahmen machen, weil sonst kommst du halt nur ans Prokrastinieren. Und ja, first things first, also mach die wichtigste Aufgabe zuerst. In meinem Fall ist das nicht so, dass ich drei Stunden fokussiert da sitze, aber die drei Stunden sind halt reserviert. Und da versuche ich mit allen Tricks und Mitteln irgendwie in diesen Modus zu kommen. Und das klappt tatsächlich auch oft genug, dass es für elf Bücher gereicht hat. 

Flemming:
Sehr gut. Ja, das überschneidet sich ja auch mit dem, was ich dann immer sage, dass Sprachenlernen morgens eben auch einfach am besten funktioniert, zumindest meiner Erfahrung nach. Das ist auch etwas, was ich mache, was ich auch vielen Leuten in meinem Coaching geraten habe: wenn ihr die Zeit morgens habt, stellt euch einfach den Wecker eine halbe Stunde früher oder so, oder eine Stunde früher. Auch wenn es erstmal hart ist, aber ich glaube, man gewöhnt sich relativ schnell an diesen Rhythmus und vor allem hast du eben den Vorteil, wie du sagst, man ist wacher, man ist fokussierter und schafft es morgens eben diese enorm wichtige Sache schon abzuarbeiten. Nach dem Motto, „first things first“ oder „eat the frog“ oder wie auch immer. Da gibt es ja verschiedene Ausdrücke, um das so ein bisschen zu beschreiben, diesen Rhythmus morgens mit dieser Sache zu starten. 

Martin:
Zwei Dinge kann ich da ergänzen aus meinen Fachgebieten. Das eine aus der Lernpsychologie, das heißt, wenn ihr euch dann morgens tatsächlich hinsetzt und Sprachen macht, dann versucht es möglichst aktiv zu machen, also zu schreiben, eine Mindmap zu zeichnen, also nicht nur Vokabeln durchzulesen, sondern es aktiv wiederzugeben, vielleicht auch kleine Bildchen dazu malen, also je tiefer und vielseitiger es verarbeitet wird, desto besser bleibt es hängen. Das sagt der Lernpsychologe in mir. Der Zeitmanager will mahnen, dass ihr nach, wenn ihr mit dem Lernen fertig seid, nicht sofort in die E-Mails geht oder in Social Media, sondern tatsächlich ungefähr 10-15 Minuten dem Gehirn Zeit lasst zum Verarbeiten. Was kann man hier für eine Metapher wählen? Also wenn der Korb voll ist oder ihr habt ein Gefäß mit Wasser, es regnet und das Fass ist voll und ihr schüttet neues Wasser drauf, das funktioniert halt nicht, ihr müsst halt warten, bis es sich gesetzt hat. Weil es gibt einen Primacy und Recency-Effekt. Also das Erste, was man macht und das Letzte wird am besten erinnert, sofern es das Letzte ist. Wenn ihr direkt nach dem Lernen irgendwie Instagram anmacht und dann kommen tolle bunte Bilder, dann verdrängen die das vorher Gelernte und das kann nicht ordentlich gespeichert werden. 

Flemming:
Ja, okay, verstehe. Dann erinnert man sich an Instagram-Reels, aber nicht an das, was man gelernt hat und ja, alles klar. Okay, das ergibt Sinn. Das sind schon tatsächlich zwei sehr, sehr gute Tipps hier gleich zu Anfang. Das ist auf jeden Fall eine richtig gute Hilfe, denke ich, für viele Leute, die dann eben morgens auch sich hinsetzen und Sprachen lernen. Klar, das Aktivsein ist immer so eine Sache. Du sagst ja im Prinzip damit dann auch so ein bisschen, je mehr Sinne, je mehr Geistes-Sinne man kombiniert, desto besser ist es. Kann ich das da so ein bisschen rauslesen oder raushören? 

Martin:
Absolut. Also 80 Prozent dessen, was wir jetzt heute hören oder lesen, sind morgen vergessen. So in einer Woche sind vielleicht noch drei Vokabeln übrig. Das ist natürlich desaströs und total ineffektiv. Wenn wir aber das Lesen und das Hören kombinieren, dann haben wir schon zwei Sinneskanäle gleichzeitig. Wenn wir es noch wiedergeben, müssen wir das Gehirn auf andere Art und Weise massieren, weil Wiedergeben spricht andere Gehirnareale an, als das Hören und das Sehen. Und dann können wir halt auch noch visuell einbinden, indem wir das halt wirklich aufzeichnen, in eine Struktur bringen, ein kleines Bild malen, Mindmaps und dann vielleicht auch mit einer Freundin, einem Freund, dem Partner darüber reden und einfach mal so drei, vier Sätze mitteilen, weil das ist dann auch mal Emotion, wo man aufgeregt ist, so „Oh Gott, jetzt muss ich was sagen. Kriege ich das richtig?“ Und diese Emotionen sind unheimlich wichtig, weil Emotion und Kognition, also das Gehirn und das Herz, das arbeitet halt besonders effektiv im Team. 

Flemming:
Mhm, okay. 

Martin:
Deswegen können wir uns an den ersten Kuss und an die erste Liebe von vor 20 Jahren noch so gut erinnern, aber nicht an die Matheaufgaben von Frau Flöter, weil das eine halt extrem wichtig für uns war und emotionsbesetzt und das andere war halt irgendwie langweilig und nicht relevant. Was langweilig ist, ist nicht relevant fürs Gehirn und dann wird es nicht gespeichert. 

Flemming:
Ja, absolut verständlich. Sehr, sehr gut. Das ist ja auch so ein bisschen der Grund, warum es eben so effektiv oder so wichtig ist, dann auch ab einem gewissen Niveau anzufangen, regelmäßig zu sprechen, weil alles was du mit Leuten in der direkten Interaktion besprichst, ist, wenn es gut läuft oder im Idealfall, dann ja auch mit Emotionen verbunden. Also das bleibt einfach besser hängen. Natürlich, es gibt ja auch so eine Methode, Selbstgespräche zu führen, zu verschiedenen Themen Texte zusammenzufassen und so. Das ist alles wichtig, das habe ich hier auch im Podcast schon mehrfach angesprochen und geraten, aber nichts ersetzt das Gespräch mit einer realen Person, gerade wenn es auch um ein Thema geht, das dich interessiert, das dich emotionalisiert, weil das bleibt einfach deutlich besser hängen. 

Martin:
Es sind zwei vollkommen unterschiedliche Schuhe. Lernen und Anwenden. Leider. Deswegen bin ich auch in meinen Lerngeschichten sofort dabei, die Leute ins Sprechen zu bringen. Ich weiß nicht, ob ich das hier sagen darf, ich habe ja noch einen Sprachkurs, wie man Sprachen lernt, weil ich eben aus dieser Zeitmanagementsache… wir lernen so viel unnötige Grammatik, die wir nie brauchen. Und wenn wir sofort eine Sprache anfangen zu lernen, indem wir sie sprechen, lernen wir automatisch das, was wir wirklich brauchen. Es speichert sich besser und alles andere kann danach viel leichter eingeflochten werden. Was ich dann mit den Leuten einfach mache, ist dann halt fast psychologisch, also neben der Lernpsychologie, einfach den Leuten den Perfektionismus wieder abzubauen und sich trauen, einfach Fehler zu machen. Fail forward. Also wenn du so viele Fehler wie möglich gleich zum Anfang machst, das bringt die Lernkurve auf einen dicken Turbo. 

Flemming:
Genau. Ja, sehr gut. Und natürlich darfst du das hier sagen, hier geht es natürlich nicht nur um mich, hier geht es um den Mehrwert für die Leute natürlich. Und es ist dann auf jeden Fall auch gut zu wissen, dass du natürlich sowas auch anbietest. Genau. Ich würde aber gerne nochmal ein bisschen zurückkommen und zwar auf das Thema Handy im Keller einsperren, weil das ja den Punkt Zeitmanagement nochmal stark anschneidet. Also vielleicht mal ganz allgemein gefragt, für dich ist es jetzt klar, du legst dein Handy weg, damit du nicht rankommst, um dich so ein bisschen selbst zu disziplinieren. Aber was sind denn so die Hürden der Menschen, was beobachtest du auch in deiner Arbeit, warum dieses Zeitmanagement überhaupt nötig ist? Weil ich könnte ja mal ganz provokant sagen, in der perfekten Welt wäre diese Tätigkeit, die du hast, vielleicht gar nicht notwendig. Also dieses Thema Zeitmanagement. Oder wie siehst du das? 

Martin:
Naja, wir sind Menschen und als biologische Systeme natürlich sehr schwankend und fehleranfällig. Das heißt Zeitmanagement. Zeit können wir nicht, im engeren Sinne nicht managen. Die Zeit ist 24 Stunden und die ist für alle gleich. Aber jetzt überleg mal, wenn du kurz vor einer Deadline bist, lieber Hörer, in deinem Job oder Studium, dann vergeht eine Stunde viel zu schnell und rasend. Das ist einmal schnipsen und die Stunde ist weg. Und dann sitzt du am nächsten Tag im Wartezimmer beim Arzt und dann kommt dir diese Stunde wie fünf Stunden vor und du quälst dich. Es tut weh, weil du einfach nichts machen kannst. Das heißt, Zeit ist einerseits was Subjektives und andererseits, wie gesagt, sind wir Menschen. Das heißt, wir haben schwankende Energie. Und, jetzt habe ich den Faden verloren, das andere ist Energie und Emotionen, EE. Das heißt, viele Sachen schieben wir auf, weil sie unangenehm sind. Weil, oh Gott, wir könnten ja scheitern oder, oh Gott, wir könnten ja Erfolg haben. Das ist für viele noch unbewusst schlimmer. Also an Aufgaben hängen Emotionen und es hängt Energie dran. Also, wenn ich als Morgenmensch, wenn ich Morgenmensch wäre, einfach wach und konzentriert bin für 3-4 Stunden am Morgen, dann muss ich diese Zeit halt nutzen, weil das kann ich nicht im Mittagstief kompensieren. Das subjonctif in Französisch zu lernen in der Mittagspause macht nicht so viel Sinn, weil das frustriert uns nur und dann denken wir, wir sind zu doof und zu blöd. Und dann ist es einfach wirklich nur die falsche Zeit gewesen. Also das Timing, das Takten, das ist schon sehr, sehr hilfreich, um so gewisse Hürden, die jeder individuell hat, umschiffen zu können. 

Flemming:
Und trotzdem haben wir ja immer mehr das Bedürfnis, habe ich das Gefühl, einfach unheimlich viele Sachen gleichzeitig zu machen und unheimlich produktiv zu sein und dann doch noch die Mittagspause zu nutzen, um da eben auch noch was zu machen und nicht untätig zu sein, weil wir vorankommen wollen, weil wir uns selbst optimieren wollen. Dieser Optimierungswahn hat ja enorm zugenommen in den vergangenen 10 Jahren, würde ich jetzt mal sagen. 

Martin:
Ja, ich würde sagen, da fallen mir sofort zwei Dinge ein. Also einerseits falsches Mindset und nicht genügend geklärte Prioritäten. Also wenn ich wirklich weiß, was mir wichtig ist und auch durch ‘ne Reflektion erkenne, was doppelt, dreimal so viel bringt als andere Dinge, dann kann ich auch mal 10 Minuten, 20 Minuten schlofen, müde sein, mich hängen lassen. Und was ich auch gerne sage ist, dass es auch mal ein, zwei Tage länger dauern darf oder mal auch doppelt so lange wie geplant, wenn du an der wichtigsten für dich relevanten Sache arbeitest. Dann geht’s nicht darum, dass es effizient, also möglichst schnell ist, sondern effektiv, also es hat einen Effekt. Die Wörter klingen sehr ähnlich, meinen aber dann doch was ganz anderes. Aber das ist auch für Deutsche, kann ich euch sagen, auch Deutsche kennen diesen Unterschied nicht. Das ist halt mein Job als Zeitmanagement-Experte, das zu erklären. 

Flemming:
Ja, sehr gut. 

Martin:
Zweiter Punkt, sorry, wenn ich ins Dialogisieren komme. 

Flemming:
Nein, nein, so soll es sein. 

Martin:
Als Dozent muss ich ja manchmal den ganzen Tag stehen und die Leute nicken nur, im dümmsten Fall. Aber nein, ich mache das immer mit ganz viel Übungen und Interaktion und so weiter. Aber Mindset, also das ist tatsächlich das, was ich den Leuten wirklich beibringen muss. Also eher eine Demontage des Perfektionismus. Du musst nicht selbst und ständig und immer und überall sein. Ganz im Gegenteil. Ich bringe den Leuten Mut bei, wieder mal eine Pause zu machen und einfach Zeit zu planen. Nicht für To-Dos, sondern fürs To-Be. Sich einfach mal hinzusetzen und einfach nur zu sein. Zu spüren, zu atmen, die Umgebung wahrzunehmen. Und Leute denken, oh Gott, da verliere ich ja 20 Minuten. Oder was auch immer. Aber in dieser Zeit wird das Wissen neu geordnet im Kopf. Dein Kopf arbeitet ja weiter in den Pausen. Und da passieren ganz, ganz wichtige Verarbeitungsprozesse, die du tötest, die du erwürgst, wenn du die ganze Zeit durcharbeitest. In den Pausen kannst du besser priorisieren. Dann fällt dir noch ein, oh ja, ich könnte das ja auf diese Art und Weise machen. Und das spart mir zwei Tage Arbeit. Oder das ist unrelevant. Und das erkennst du halt nur, wenn du dem Gehirn Zeit gibst, sich zu entspannen. Denn in der Entspannung verknüpfen sich die Gehirnbereiche besser. Und du hast einen vollen Zugang zu allem, was da drin ist in deinem schlauen Köpflein. Und das hast du nicht, wenn du ständig im Stressmodus rumhetzt. Amen. 

Flemming:
Das ist mega einleuchtend. Mir kam da gerade auch das Bild in den Kopf, oder der Vergleich zum Sport, gerade wenn es um Kraft- oder Muskelaufbau geht, dass du nichts erreichen wirst, wenn du heute deine Beine trainierst und morgen wieder und übermorgen wieder. Weil diese Regenerationsphase einfach wichtig für das Wachstum ist, für die Weiterentwicklung ist. Und so ein bisschen passt das ja auch auf das, was du gesagt hast. Du erwürgst die Pausen, den Ausdruck finde ich sehr gut, oder du erwürgst den Effekt, den du eigentlich erzielen willst, indem du gleich weitermachst mit einer anderen Sache. Indem du dich gleich, deine Aufmerksamkeit gleich einer anderen Sache widmest. 

Martin:
Das hast du schön gesagt, Flemming. Der Muskel wächst in den Pausen. 

Flemming:
Genau. Ganz genau.

Martin:
Braucht nur einen Satz und eine lange Pause, damit der auch wirkt. 

Flemming:
Ganz genau. Ja, und das ist ja auch das, wovor dann viele Leute auch im Sprachenlernen dann wieder so ein bisschen die Sorge haben. Einerseits gibt es tatsächlich, ja, kennst du sicherlich auch diesen Effekt, so ein bisschen diesen Akkumulationseffekt, dass wenn du so, gerade im Sprachenlernen gibt es sehr viele Leute, die diese Meinung vertreten, wenn du jeden Tag, das Gehirn jeden Tag, auch nur wenn es ein bisschen ist, mit der Sprache in Kontakt bringst, gewöhnt sich das Gehirn einfach daran und stuft das als einen sehr wichtigen Faktor ein in deinem Leben, weswegen du diese Sprache dann auch schneller beherrschen wirst. Jetzt ist es aber so, dass du natürlich, das bedeutet jetzt natürlich nicht, dass du jeden Tag fünf Stunden damit verbringen musst, sondern manchmal reicht dann auch einfach nur 20 Minuten, aber diese Pausen zwischendurch einzubinden, dass das eben so ein enorm wichtiger Faktor ist, sich dann auch wirklich mal zu sagen, es ist gut, wenn ich heute mal nichts mache und dadurch wird dann eben auch wieder ein Effekt erzielt, nämlich, ja, dass ich am nächsten Tag wieder besser bin, beziehungsweise besser lernen kann. Das ist glaube ich etwas, was viele außer Acht lassen. 

Martin:
Ja und du wolltest ja auch über Motivation sprechen und dann kriegen wir mal ganz sanft die Kurve, weil es ist halt auch ein Motivationsaspekt, weil du gerade gesagt hast, mal einen Tag Pause machen. Wir haben Sättigungseffekte. Wenn du ein Brötchen isst, dann ist das super geil und schmeckt richtig cool, zumindest für einen Deutschen, wenn du Hunger hast. Beim zweiten, dann macht dich das vielleicht satt, das dritte stopfst du dir rein und beim vierten musst du es fast wieder rauswürgen. Also je länger wir eine Sache machen, desto flacher wird die Motivationskurve oder die Lust. Und wenn wir ab und zu mal halt wirklich eine Mini-Auszeit haben, zum Beispiel einen Tag mal gar nicht, uns zwingen müssen, dann kann sich auch dieser Motivationsmuskel wieder regenerieren und aufladen. 

Flemming:
Das ist ein wichtiger Punkt, weil ich oft höre: „Flemming, was soll ich tun gegen mein Motivationstief? Was soll ich machen, ich bin nicht motiviert, ich kann mich nicht mehr so richtig zum Deutschlernen motivieren.“ Also diese Erholung, der Motivationsmuskel, das Bild gefällt mir eigentlich sehr, sehr gut. Das auf jeden Fall zu beachten. Was noch? Was wäre da deiner Meinung oder deiner Erfahrung nach noch hilfreich, um einfach auch diese Motivation, ein Ziel zu erreichen, eine Sache zu erreichen oder in einer Sache gut zu werden, wirklich zu schaffen? 

Martin:
Kannst du das konkretisieren? Also ich könnte dir jetzt einen Tagesvortrag zur Motivation sagen. 

Flemming:
Klar, also wenn ich jetzt sage, das ist das Problem, was ja auch bei mir oder was bei mir sehr häufig vorkommt, bei den Leuten, mit denen ich dann zusammenarbeite, die auf ein gewisses Plateau kommen, bis hierhin sehr viele Fortschritte machen und ab diesem Niveau dann merken, okay, jetzt wird es wirklich hart und ich mache nur noch so wenig Fortschritte, dass ich das kaum merke und ich kann mich nicht mehr motivieren, weil ich merke doch eh nichts von dem, was ich wirklich jetzt investiere. Da kommt nicht viel bei rum. 

Martin:
Okay, zwei Punkte fallen mir da sofort ein. Das erste ist, erst mal stolz auf das Plateau zu sein. 

Flemming:
Sehr gut. 

Martin:
Wer auf ein Höhenplateau kommt, das heißt, der hat schon richtig Arbeit überwunden und er hat ein Level erreicht, wo er schon Fähigkeiten hat und ich glaube, so ein Plateau kommt halt auch erst nach, weiß ich nicht, da hast du mehr Erfahrung, 1 zu 1 Coaching. Aber wenn diese Anfangsfaszination weg ist, es ist alles neu, es ist alles herausfordernd, wenn sich so eine gewisse Routine einschleicht und damit auch das Plateau sichtbar wird, dann ist das ein verdammt nochmal gutes Zeichen und du, lieber Hörer, kannst stolz auf dich sein, dass du auf einem Plateau bist. 

Flemming:
Sehr gut. 

Martin:
Das erst mal, um den Rücken zu stärken. Und um nach vorne zu schauen, sind Plateaus einfach, die entstehen in allen Lernprozessen. Das liegt nicht an dir, weil du zu dumm bist oder weil die Sprache zu schwer ist, sondern halt einfach, es sind sehr viele Informationen drin im Kopf und dann geht es an das nächste Level, an den nächsten Gegner, nämlich, dass das Ganze unterbewusst passiert, dass gewisse Routinen passen, dass du Muster erkennst und dafür muss das Gehirn wachsen, intern wachsen, sich verzweigen, sich vernetzen. Deine Synapsen, deine Neuronen, deine Nervenzellen müssen sich einerseits verbinden. Andererseits gibt es da so eine Fettschicht, diese Myelin-Geschichte, die über den Nerv wächst und das braucht Zeit. Diese Nervenverbindungen brauchen Zeit, damit diese Fettschicht wächst und wenn diese Fettschicht da ist, dann kann plötzlich so ein elektronischer Impuls, und das ist ja Denken, elektronische Impulse, die durch deinen Kopf jagen, einfach mal so einen Quantensprung machen und springt einfach über so eine Strecke drüber, über diese Fettschicht und wird viel schneller geleitet und wenn das passiert ist, dann bumm, buff, hast du so einen Aha-Effekt. Und denke an Albert Einstein, nee, warte mal, Einstein nicht. Newton, dem ist der Apfel halt irgendwie auf den Kopf gefallen und dann hatte er das Plateau überwunden, der hat seit Wochen, Monaten, Jahren an diesem Gesetz der Gravitation gearbeitet oder halt, wer war das, Archimedes? Verdrängungsgesetz? 

Flemming:
Oh, da fragst du mich was, das weiß ich nicht. 

Martin:
Ich glaube, es war Archimedes, der hat sich in die Badewanne gesetzt und mit seinem dicken Bierbauch das Wasser so verdrängt, dass es übergeschwappt ist und er hat plötzlich ein physikalisches Gesetz erkannt. Achtung, zum Thema vorhin: in der Pause, die haben das in der Pause, diese krassen Entdeckungen gemacht. Und klar, wir können nicht nur Pause machen, jetzt sagt bitte nicht, der Dr. Krengel hat gesagt, ey, wenn ich mich ausruhe, dann lerne ich besser. Nein, um Gottes Willen. Es braucht halt einerseits dieses intensive Verarbeiten, was ich ganz zum Anfang gesagt habe und andererseits aber auch das Loslassen und ich sag mal, der Natur ihren Job tun lassen. Und du sagst es ja richtig, wenn wir uns umgeben mit der Sprache, wenn wir Motivation haben, dann lernen wir halt auch gut. 

Flemming:
Ja, ja, mega gut, mega wichtig, dass du das auch hier mal gesagt hast. Ich glaube, in so einer Deutlichkeit, in so einer Klarheit ist das das erste Mal tatsächlich, dass das hier im Podcast auch so erwähnt wird und ich glaube, da können sehr viele Leute von zehren und beziehungsweise da können sehr viele Leute auch gut was mit anfangen, weil ich, wie gesagt, immer dieses Motivationsproblem immer wieder sehe, aber auch sehe, dass sich viele Leute auch überlasten und so wie du es jetzt auch gut auf den Punkt gebracht hast, ist das eben gar nicht nötig, sondern ganz im Gegenteil, man braucht diese Pausen, um eben diese Fortschritte, die man erzielen will, auch zu erzielen. Sehr schön. Martin, das war erst mal eine wirklich sehr hilfreiche Folge mit dir. Vielen, vielen Dank für die Informationen, beziehungsweise für das wirklich sehr interessante Gespräch. Ich denke, da du einfach in einem Feld unterwegs bist, das wirklich unheimlich relevant ist für auch meine Zielgruppe, für die Hörerinnen und Hörer hier, sollten wir definitiv demnächst noch mal eine weitere Folge zusammen machen, wenn du da Lust drauf hast. 

Martin:
Gerne. 

Flemming:
Sehr schön. Und für alle, die jetzt Interesse haben, auch so ein bisschen mehr über dich zu erfahren, beziehungsweise vielleicht auch mit dir zusammenzuarbeiten, sag doch den Leuten noch mal, wie sie dich erreichen können und wo. 

Martin:
Also, ich habe eine Webseite, die heißt studienstrategie.de und da kannst du dich in meinen Newsletter eintragen, das heißt BrainNews, also wie du deinen Kopf fit machst und mehr aus deiner Zeit rausholst. Der ist sehr, sehr mehrwertig und ansonsten bin ich sehr aktiv auf Instagram unter Dr. Martin Krengel. Ja, ich freue mich, wenn du da mal vorbeischaust, lieber Leser… Hörer, Hörer. Ich bin in der Leser-Welt, merkst du, ne? 

Flemming:
Genau. Perfekt. Leute, ich verlinke euch alle Infos zu Martin noch mal in den Shownotes. Ihr wisst das, ihr kennt das. Dann klickt einfach auf die Links und schaut ihn euch an und kontaktiert ihn auch gerne. Und genau, dann freuen wir uns alle. Gut, Martin. Vielen Dank und bis bald. Mach’s gut. 

Martin:
Tschüss. 

Flemming:
Dankeschön. Gut, Leute. Ihr habt gehört, was ihr in Zukunft vielleicht beachten solltet. Legt hin und wieder mal eine Pause ein, stresst euch nicht zu sehr. Und ansonsten, ja, ihr wisst Bescheid, wenn ihr diesen Podcast gerne hört, wenn euch diese Folge geholfen hat, dann gebt mir ein Like, bewertet den Podcast, erzählt auch euren Freunden davon und das würde mir helfen, weiter voranzukommen und deutsches Geplapper noch ein bisschen bekannter zu machen. Ansonsten wünsche ich euch allen ‘ne schöne Woche, meldet euch, wenn ihr Fragen habt und wir hören uns nächste Woche wieder hier bei Deutsches Geplapper. Macht’s gut. Bis dann. Ciao, ciao.

Willst du gleich weiterhören? Hier ein paar Vorschläge:


Martin findest du hier:
https://www.studienstrategie.de/online-kurse/

Gute Tipps zu Zeitmanagement, Motivation und zum Lernen von Dr. Martin Krengel in seinen „Brain News“ (Useletter). Infos + Anmeldung (gratis) unter https://www.martinkrengel.com/

Folge ihm auf Instagram:
https://www.instagram.com/dr.martinkrengel/

 

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