#79 – Peinliche Erlebnisse mit Fremdsprachen – mit David von Linguathor

Im Leben eines Sprachenlernenden gibt es manchmal sehr merkwürdige Momente. Da kann es schon mal passieren, dass man sich total blamiert, weil man etwas wirklich Dummes oder Lustiges gesagt hat. Im Nachhinein ist das eben meistens einfach nur lustig, hin und wieder aber auch echt unangenehm. In der heutigen Folge von Deutsches Geplapper sprechen David von Linguathor und ich über unsere peinlichsten bzw. lustigsten Fehler beim Sprechen von Fremdsprachen. Wenn du ein bisschen lachen willst, dann bleib auf jeden Fall dran. 

Flemming:
Moin liebe Deutschlernerin, moin lieber Deutschlerner. Schon, dass du wieder dabei bist bei Deutsches Geplapper. Und ich begrüße auch wieder meinen heutigen Gast, nämlich David von Linguathor. Schön, dass du hier bist, David!

David:
Moin Flemming! Moin liebe Gast… liebe Gäste, liebe Zuhörer wollte ich sagen.

Flemming:
Liebe Gastgeber.

David:
Liebe Gastgeber, genau. Ich freue mich auf jeden Fall wieder dabei zu sein. 

Flemming:
Ja, genau. Du bist ja schon einige Folgen oder schon öfter hier gewesen, auf jeden Fall, das ist immer wieder cool mit dir hier zu plappern. Wir haben schon ein paar interessante Themen in der Vergangenheit gehabt. Ganz zuletzt unser Thema, ja, „Die größten Fehler beim Deutsch lernen“. Da haben wir auch einiges an Feedback bekommen, das war auch eine ganz interessante Geschichte. Und heute haben wir jetzt nicht die größten Fehler, aber wir wollten mal, ich wollte mal mit dir besprechen, was für, ich sag mal, peinliche oder dumme Sachen einem eben auch in Fremdsprachen passieren können. Und ich glaube, jeder oder jede, die hier den Podcast hört, kann davon wahrscheinlich ein Lied singen. Egal, ob es in der deutschen Sprache ist oder in irgendeiner anderen Sprache. Also jeder, der eine Sprache gelernt hat oder lernt, kennt sich damit wahrscheinlich aus, dass man manchmal einfach Dinge sagt oder Dinge missversteht und daraus eben unangenehme Situationen entstehen können, oder? Wie ist das bei dir? 

David:
Auf jeden Fall. Also bei mir sind das tatsächlich hauptsächlich die sogenannten false friends oder false cognates auf Englisch, also falsche Freunde, die halt so aussehen wie Wörter in der eigenen Muttersprache, die aber was ganz anderes bedeuten. Das ist immer wieder vorgekommen im Laufe der Jahre. In vielen Sprachen tatsächlich. 

Flemming:
Stimmt, diese false friends. Hast du da ein konkretes Beispiel gerade schon im Kopf? 

David:
Auf jeden Fall. Also was Deutsch-Englisch zum Beispiel angeht, gibt es ja jede Menge, z.B. die Rente wäre ein Beispiel. Also wenn man in Rente geht, dann heißt das to retire auf Englisch, aber rent ist ja die Miete. Und wenn dann ganz junge Leute sagen, ich muss meine Rente bezahlen, hat das erstens gar keinen Sinn und zweitens klingt das nach was ganz anderem, was sie eigentlich meinen. 

Flemming:
Stimmt, siehste. Ja, genau. 

David:
Ich habe diese Fehler auch anfänglich gemacht, in meiner ersten Deutschland-Zeit. 

Flemming:
Genau. Ja, dazu vielleicht nochmal kurz, das haben wir zwar schon erwähnt, aber du sprichst jetzt seit wie vielen Jahren, sprichst du Deutsch? 

David:
Also je nachdem, wie man das definiert, aber ich war, sage ich mal, ich habe Deutsch das erste Mal fließend gesprochen, allerdings mit Fehlern, aber trotzdem konnte ich das halt fließen mit 21, sagen wir mal. Also jetzt schon seit über, seit 18 Jahren, könnte man schon sagen. Aber dazu muss ich sagen, dass ich halt zwischendurch zwei Jahre in Spanien war, ein Jahr in China, und in der Zeit habe ich so gut wie gar kein Deutsch geredet, weil ich ja die jeweilige Landessprache gelernt habe. Von daher, also das ist immer so eine Sache, zu definieren, seit wann oder wie lange man halt eine Sprache lernt, bis man sie spricht, aber sagen wir mal, ungefähr die Hälfte meines Lebens. Ja, und auf jeden Fall als Erwachsener erst gelernt.

Flemming:
Genau, war nochmal ganz wichtig zu sagen, weil ich habe in vergangenen Folgen mit dir auch dann häufiger in den Kommentaren gelesen, bei YouTube vor allem, „Was, David ist gar kein Muttersprachler? Das hätte ich gar nicht gedacht.“, das fand ich dann auch immer ganz interessant, aber ja, man hört es ja wirklich nicht, das ist ja unglaublich, das ist ja glaube ich das, was jeder, der eine Fremdsprache lernt, irgendwann mal hören will von einem Muttersprachler, dass man gar nicht merkt, dass du oder dass derjenige aus dem Ausland kommt, und das ist glaube ich ein riesen Kompliment einfach. Also Chapeau schon mal an der Stelle, David. 

David:
Merci. Ja, das hat mit, sagen wir mal, ich sage immer, das hat mit der Methode zu tun. Ich bin tatsächlich der Meinung, dass jeder das schaffen kann. Aber vielleicht sprechen wir darüber in einer anderen Folge, ich weiß nicht, ob wir das Thema Aussprache schon mal hatten. 

Flemming:
Wir beide persönlich noch nicht, nee, das stimmt, wir beide noch nicht, das hatten wir hier in anderen Folgen schon mit anderen Gästen, aber vielleicht wäre das auch nochmal ein Thema für die Zukunft, das behalten wir uns mal im Hinterkopf. 

David:
Super gerne. 

Flemming:
Sehr schön. Okay, dann lasst uns mal rein starten, wir haben nämlich heute so ein paar peinliche, muss ja nicht unbedingt peinlich sein, aber vielleicht unangenehm, was vielleicht erst mal für Verwirrung gesorgt hat, wir haben uns jeder so ein paar Situationen ausgedacht hier aus unserem Alltag, aus den vergangenen Jahren, wo wir uns einfach mal geirrt haben oder was falsch verstanden haben oder wie auch immer. Was hast du da als erste Situation mitgebracht, was ist dir da noch in Erinnerung geblieben? 

David:
Die Frage ist, womit soll ich anfangen? Soll ich mit der schlimmsten oder mit der weniger schlimmen anfangen? 

Flemming:
Nee, die Schlimmste heben wir uns für den Schluss auf, das muss sich ja steigern hier. 

David:
Ja, genau. Ja, also hier, false friends im Deutschen habe ich ja schon angesprochen, also die Rente und so weiter. Da gibt es aber auch andere Wörter, unter anderem auch das Wort Gift, also das Gift, was ja auf Deutsch, also das deutsche Wort hat die Bedeutung Poison, also auf jeden Fall etwas Giftiges, was man hoffentlich keinem anderen Menschen gibt, jedenfalls wusste ich das zunächst einmal nicht und ich dachte natürlich, dass dieses Wort einfach die Bedeutung wie auf Englisch hat, das Geschenk. Und genau, dann habe ich halt ein Gespräch geführt mit meinem… Also diese Situationen sind bei mir fast immer Gespräche mit einem Tandempartner gewesen und dann habe ich gesagt, „Ja und dann habe ich meiner Mutter ein sehr schönes Gift zum Geburtstag gegeben“. Und der hat erstmal geguckt, weil der Muttersprachler, der denkt ja, auch wenn er weiß, dass du Englisch-Muttersprachler bist, weil er denkt ja nicht unbedingt daran, woran du denkst, sondern er versteht das, was er verstehen würde in seiner Muttersprache. 

Flemming:
Natürlich, also ein paar Augenblicke dauert es immer erstmal. 

David:
Ja, genau. Er hat ganz komisch geguckt und meinte so, „Äh, wie?“ Und dann meinte ich, „Ja genau, also zum Geburtstag, dann gibt man jemandem halt ein Gift, in English the word is Gift“. „Achso, du meinst ein Geschenk. Weißt du, was Gift bedeutet?“, hat er mich dann gefragt und ich so, „Nee, also nicht Geschenk? Ist nicht ein anderes Wort für Geschenk?“ „Nee!“ und dann hat er mir das erklärt. 

Flemming:
Sehr gut, ja, ok, so habt ihr es dann im Endeffekt aufgeklärt und es ist keine unangenehme Sache daraus mehr entstanden, aber für den Moment auf jeden Fall erstmal so, „Okay, was passiert hier jetzt gerade? Warum will er seine Mutter vergiften?“ 

David:
Ja genau, ein bisschen peinlich war das schon. Das Interessante ist, diese Bedeutung von dem Wort Gift existiert tatsächlich noch und zwar in dem Wort Mitgift auf Deutsch und heutzutage noch, naja, wird ja gar nicht mehr so oft gebraucht, dieses Wort, oder? 

Flemming:
Das ist ja eigentlich das Hochzeitsgeschenk, was dann, ja oder wie soll man das sagen, das was der Vater, der Braut quasi, seiner Tochter mitgibt sozusagen für die Heirat mit dem Mann, ne? 

David:
Richtig, tatsächlich. 

Flemming:
Stimmt, die Mitgift. Nee, aber das benutzt man in unserer Gesellschaft ja nicht mehr, weil dieser Brauch, der existiert ja so nicht mehr wie damals im Mittelalter, wo das noch üblich war. 

David:
Genau, eben. Aber ich finde es auf jeden Fall sehr interessant, dass diese englischsprachige Bedeutung tatsächlich noch existiert, allerdings in einem, ja, in einem relativ veralteten mittlerweile Terminus. 

Flemming:
Stimmt. Ja. Sehr gut, okay. 

David:
Ja, genau, und wie sieht es bei dir aus? Welche Situation fällt dir als erstes ein? 

Flemming:
Ja, wir können mal weitermachen mit Englisch, wo wir dabei sind. Ich habe hier in jeder Sprache eine Situation, aber wir bleiben mal bei Englisch und zwar: ich war vor einigen Jahren in Indonesien und ich war natürlich schon des Englischen mächtig damals, sag ich mal, aber wer Indonesien kennt, der weiß, man kann da sehr gut schnorcheln gehen. Ja, es ist zum Schnorcheln und zum Tauchen wunderschön und wahrscheinlich ist mir das die ganze Zeit irgendwie im Hinterkopf geblieben, aber ich wollte irgendwie, wir saßen irgendwie am Abend mit Leuten zusammen und haben so ein Bierchen getrunken und so weiter und alle schon ein bisschen angeheitert und gelacht und da habe ich irgendwie darüber geredet, dass ich hoffe, dass hier heute alle gut schlafen können, weil wenn ich was getrunken habe, das habe ich dann auf Englisch natürlich gesagt, ich weiß gar nicht mehr, wie der genaue Wortlaut war, das englische Wort für schnarchen lautet ja to snore, ja? 

David:
Richtig. 

Flemming:
Genau. Und mein Begriff, den ich da benutzt habe, war to snorkel, ja, also „I’m snorkeling all night long“. So, das war quasi das, was ich da gesagt habe in dem Moment und die Leute haben sich gar nicht mehr eingekriegt vor Lachen, weil in dem Moment war das so, „Okay, warum sollten wir jetzt nicht schlafen können, wenn du die ganze Nacht schnorcheln gehst?“

David:
Das ist ja geil!

Flemming:
Ja, weil ich dieses Schnorcheln die ganze Zeit im Hinterkopf hatte und deswegen diese Wörter einfach so komplett durcheinander gebracht hab. To snorkel, ja. 

David:
Ja, das ist ja richtig geil. Also ich dachte tatsächlich, dass du vielleicht snort sagst, was ja auch lustig wäre, grunzen. 

Flemming:
Stimmt. 

David:
Ja, genau, aber snorkel ist ja noch geiler, das ist hervorragend. Das ist tatsächlich, das ist ganz, ganz interessant. Es ist wirklich oft der Fall, dass Wörter, die mit „schn“ auf Deutsch oder „sn“ auf Englisch irgendwas mit der Nase zu tun haben. Ich weiß nicht, ob dir das schon mal aufgefallen ist?

Flemming:
Nee.

David:
Aber genau, also schnorcheln, schnarchen, schniefen und und und. Also es gibt sehr, sehr viele Beispiele. 

Flemming:
Sehr gut, sehr gut, ja, okay. 

David:
Ja, das habe ich tatsächlich damals gelernt von, wahrscheinlich kennen ihn die meisten nicht, Daniel Tammet. Der ist halt so Inselbegabter, der in zwei Wochen oder so Deutsch gelernt hat. Für, sagen wir mal, Normalsterbliche nicht möglich, aber der meinte, dass ihm schon in den ersten Tagen aufgefallen ist, dass es zum Beispiel dieses Phänomen gab, dass eben Wörter, die mit schn auf Deutsch oder sn auf Englisch, dass sie irgendwas mit der Nase zu tun haben. Eine weitere Sache war, Wörter, die mit „str“ anfangen, ganz oft lang und dünn sind: Straße, Strand, Streifen und so weiter. 

Flemming:
Okay, sehr gut, darauf muss man erstmal kommen. Ja, aber es ist interessant, solche Verbindungen herstellen zu können, auch so schnell, vor allem in dem Fall. Ja, okay. Schöner Lerneffekt am Rande, sehr gut. 

David:
Ja, genau. 

Flemming:
Also es war auf jeden Fall ein Lacher wert für den Abend, also das war meine Leistung an dem Abend. Ja, gut, mach mal weiter, David. 

David:
Genau, und zwar, also dieses Mal wäre das Beispiel auf Französisch. Es gibt ja viele französische Wörter im Englischen, auch im Deutschen, weniger, aber trotzdem sehr viele. Aber ein Wort, das sehr oft falsch verwendet wird, beziehungsweise falsch übernommen wird, sagen wir mal, im Französischen von Englisch-Muttersprachlern, ist das Wort „supporter“. Es sieht aus wie „support“ auf Englisch, heißt aber nicht „unterstützen“, sondern „leiden“. Und ich habe jemandem tatsächlich im Rahmen eines Arbeitsprojektes gesagt, „Je ne peux pas te supporter dans ce projet“ – „Ich kann dich bei diesem Projekt nicht leiden“. Und er so: „Das ist aber nicht besonders höflich, dass du das sagst, und warum denn?“ und so weiter und so fort. Und ich so, „Hä, wieso, nee, ich wollte nur sagen, dass ich dich nicht unterstützen kann, ich habe leider keine Zeit“ und er so, „Ach so, okay, ja, das heißt was völlig anderes“. Also das sind wirklich so Sachen, das kann gefährlich sein im ersten Moment. 

Flemming:
Stimmt, ja, er muss dann zumindest wissen, dass du ja kein Muttersprachler bist oder dass du da auch vielleicht nochmal hier und da, ja, so die Bedeutung nicht hundertprozentig klar hast oder so, dass ihm dann auch sofort klar ist, okay, der meint das vielleicht in erster Instanz nicht beleidigend, sondern er hat hier offenbar noch irgendwie ein Verständigungs- oder ein Sprachproblem oder sowas. Ja, aber wenn das nicht klar ist, kann es echt unangenehm werden. 

David:
Ja, und es ist noch schwieriger tatsächlich, wenn man, sagen wir mal, vor allem wenn derjenige, mit dem man redet, wenn der einsprachig ist, also wenn der halt nur eine Sprache kann, dann hat man ja auch meistens nicht weniger Verständnis, sondern der Horizont ist einfach schmaler, sagen wir mal so. Und dann haben sie meistens weniger Verständnis dafür, dass eben solche Sachen passieren können. 

Flemming:
Ja, ganz genau. 

David:
Das führt dann viel schneller, also vor allem bei Englischsprachigen und Französischsprachigen, weil das ja einfach ganz oft der Fall ist, dass man eben nur die eine Sprache kann, kann das ja schneller vorkommen. 

Flemming:
Deswegen, ja auf jeden Fall, deswegen ist es ja immer wieder auch so viel angenehmer, nach meinen Beobachtungen zufolge vor allem, dass es einfach schöner ist, sich mit Leuten zu unterhalten, die egal in welcher Sprache, aber einfach Erfahrung im Sprachenlernen haben, weil die auch Fehler einfach verzeihen, weil die auch immer so ein bisschen unterstützend mitwirken quasi und einfach so dieses Grundverständnis haben, „Okay, ich weiß, was du gerade durchmachst, wenn du hier mit mir redest“, also das ist immer ganz, ganz viel Wert auf jeden Fall. 

David:
Ja, die haben viel mehr Empathie, viel mehr Mitleid vor allem. 

Flemming:
Genau, Mitleid vor allem. Sehr gut. Wir bleiben mal bei Französisch. Mein Beispiel ist ganz schnell erzählt. Das ist tatsächlich aus dem letzten Sommerurlaub. Nee, letztes Jahr war das schon so war es. Ist aber auch nur ein ganz kleines, kurzes Nebenbei-Beispiel, weil wir sind mit ein paar Leuten durch eine Straße gegangen in einer kleinen bretonischen Stadt und haben nach einem Restaurant gesucht, wie man das so macht, aber es waren halt keine Restaurants, keine Plätze mehr frei und ich wollte einfach nur die Leute fragen, die vor so einem Restaurant standen, ob sie gerade schon auf den Tisch warten oder was sie dort machen. Ja, also wäre dann auf Französisch gewesen: „vous attendez“  Ich habe in dem Fall leider zu sehr ans Spanische gedacht und habe dann gefragt „vous espéres“ Und das war dann einfach in dem Moment so, für die, die haben sich erstmal so gewundert, warum sollen wir jetzt hoffen? Spanisch, esperar, hoffen, beziehungsweise Französisch wäre dann espéres, hoffen. Also man könnte es im weiteren Sinne, glaube ich, auch so schon verstehen. Ja, ich glaube, die wussten schon, was ich jetzt von denen wollte. Ja, „hofft ihr gerade auf einen Tisch?“ 

David:
Genau. 

Flemming:
Genau. Würde man aber so nicht… 

David:
Man versteht die Verbindung zwischen den beiden Verben. Warten ist ja hoffen, auf ein Kommen. 

Flemming:
Genau, sozusagen. Ja, aber in dem Fall, man würde es normalerweise nicht so sagen. 

David:
Und wie haben sie, haben sie einfach komisch geguckt? 

Flemming:
Ja, sie haben… Das war erstmal diese ganz… Sowieso, „Da spricht ein Touri zu mir“ und so und „der ist jetzt nicht ganz, der ist jetzt nicht von hier“, das war dann schon klar. 

David:
Nicht ganz dich. 

Flemming:
Der ist nicht ganz dich, genau. Und haben dann auch erstmal so ein bisschen Verhalten reagiert und gezögert und dann haben sie schon verstanden, was ich wollte und haben dann so genickt und ja, dann war das ganz schnell aufgelöst, diese Situation. Das fiel mir nur gerade noch ein dazu, im französischen Kontext, da gab es auch noch viel mehr Sachen, die ich irgendwann mal durcheinander gebracht habe, aber die sind mir leider alle nicht mehr so präsent, wie diese Situation, hat sich eingeprägt. Aber das zumindest. 

David:
Ein sehr gutes Beispiel. Nur um das kurz mal zu erklären, „nicht ganz dicht sein“, bedeutet, man kann auch sagen, „nicht mehr alle Tassen im Schrank haben“, also, dass man ein bisschen verrückt ist, dass man halt, ja, gibt es noch irgendwelche Synonyme dafür? 

Flemming:
Ja, „nicht mehr ganz richtig sein“, kann man auch sagen, „nicht ganz dicht, nicht ganz richtig sein“. 

David:
Oder bekloppt. 

Flemming:
„Bekloppt sein“, ja, genau. 

David:
Da gibt es wirklich, wirklich viele Termini, viele Ausdrücke dafür. 

Flemming:
Aber danke für die Erklärung, aber was mir bei diesem Beispiel einfach auch noch mal so klar geworden ist, durch diese Fehler, die man eben macht, dadurch lernst du dann wirklich. Ich habe danach dann… Ich kannte die Unterscheidung, das ist, wenn man mehrere Sprachen lernt, dann kommt man hin und wieder durcheinander, aber ich habe diesen Fehler einfach gemacht und danach habe ich mich gefragt, „Verdammt Junge, was hast du hier gerade gesagt? Du kannst es eigentlich.“ Und diesen Fehler, den mache ich nicht wieder. Und das ist ja das Wertvolle daran, diese Sprache auch im Alltag überall anzuwenden, mit dem Bäcker und dem Kellner und sonst wem zu reden einfach, weil man immer diese Situation durchläuft, Fehler zu machen, Feedback zu bekommen und im besten Fall sich selbst auch berichtigen zu können. Und da liegt eben auch der Wert dieser täglichen Kommunikation, das vielleicht noch mal dazu. 

David:
Genau, und der Wert davon, Fehler zu machen. Das haben wir tatsächlich in der letzten oder in der vorletzten Folge besprochen, wo es darum ging, was für Fehler man halt so macht. Und ich hatte ja auch in der Folge gesagt, „fail fast“. Also fail ist ja auch etymologisch mit dem deutschen Wort Fehler verwandt. Also mach einfach Fehler! Komm ins Sprechen, mach Fehler. Daraus lernt man auf jeden Fall. Und man vergisst das vor allem nie wieder. 

Flemming:
Ja, ganz genau.

David:
Und wo wir bei dem Thema sind, dann bringe ich mal mein letztes Beispiel und zwar das, was ich, also das war auf jeden Fall der peinlichste Fehler, den ich jemals gemacht habe. Und zwar in meinem ersten Jahr in Spanien, da habe ich noch in Valladolid gelebt. Im zweiten Jahr war ich in Santander. Und ich habe mich mit meiner allerersten Tandempartnerin getroffen. Und am Abend davor war ich mit internationalen Freunden unterwegs. Da war irgendwie eine Dänin dabei und ein Franzose und so weiter und so fort. Und wir waren in einer Bar irgendwann am Ende des Abends und wir haben Wein und Bier aus einem sogenannten Porrón getrunken. Kennst du das? 

Flemming:
Ja, habe ich schon mal gehört. 

David:
Weißt du eigentlich, wie man das ins Deutsche übersetzt? Weil ich weiß ja gar nicht. Also es sieht aus ein bisschen wie ein Teekessel. Und naja, jedenfalls, also man fängt an, daraus zu trinken. Das fließt ja regelrecht daraus. Und dann soll man beim Trinken das Ding immer weiter weg vom Mund halten, also vom Kopf. Und also so, dass das irgendwann das wirklich aus einer, naja, aus einer Entfernung von deinem Kopf ist, die so weit ist, so lang ist wie dein Arm. Und dann soll man das Ding zurückbringen. Das ist halt die Tradition. Also so trinkt man aus diesem Porrón. Genau. Jedenfalls haben wir das gemacht. Mit Bier ist das weniger gefährlich als mit Wein, sag ich mal so. Jedenfalls wollte ich meiner Tandempartnerin davon erzählen. Und ich mit meinem, ja, radebrechenden Spanisch, ich habe wirklich noch geradebrecht, also kaum sprechen können. Und ich habe gesagt, ja, „Y después bebimos de un pollon“. Pollon heißt Riesenpenis. Und sie ist ganz rot geworden. Und dann hat sie so lange gelacht, dass ich gar nicht mehr wusste, ob sie irgendwie wieder auf ihr Leben klarkommt. Und dann, was habe ich denn jetzt gesagt? Und danach hat sie mir das erklärt auf Englisch. Und es war so, vor allem weil die Dame auch sehr, sehr, sehr gut aussah und sehr nett war. Und es war mir so peinlich, aber diesen Fehler habe ich natürlich nie wieder gemacht. 

Flemming:
Ja, das ist herrlich, herrlich. Ja, sehr gut. Okay, aber ihr habt euch, ihr habt das noch aufgelöst und das war dann nicht zu unangenehm, dass ihr dann auseinander gehen musstet, sondern sie hat es mit Humor genommen. 

David:
Nee, nee. Sie hat es mit Humor genommen, ja, glücklicherweise. Und ja, das war schon… Aber das ist jetzt mittlerweile meine Lieblingsgeschichte, ehrlich gesagt, wenn es ums Thema halt Fehler machen geht und wie wertvoll sie sind. 

Flemming:
Sehr gut, ja, definitiv. Das bleibt im Kopf für immer und ewig. 

David:
Für immer und ewig. 

Flemming:
Ja, sehr, sehr gut. Ja, cool. Dann habe ich auch noch mal eine schöne Geschichte auf Spanisch. Ich glaube, die ist nicht ganz so witzig, aber dafür vielleicht so ein bisschen, also für mich war sie damals so ein bisschen unheimlich sogar, weil ich zu damaliger Zeit, 2017, habe ich ein Praktikum gemacht in Spanien. Ich hab da bei einer deutschsprachigen Zeitung gearbeitet und unser Fotograf war im Gegensatz zu den Redakteuren der einzige Spanier. Also die anderen waren alle Deutsche und er war Spanier. Und ich bin mit ihm dann natürlich immer los zu meinen Interviews und es war immer ein richtig cooler Typ, der Angel, super Mann. Ich habe sehr viel von ihm gelernt auch. Auch in sprachlicher Hinsicht. Aber wir sind dann irgendwann vor einem Interviewtermin zurückgefahren und da meinte er dann, während der Autofahrt, hat die ganze Zeit gegähnt und war dann zwischendurch auch eine längere Zeit ruhig und hat dann wieder gegähnt und so die Hand vor den Mund gehalten und so. Und auch damals war mein Spanisch noch nicht so, wie es heute ist. Also gerade auch das Verständnis einzelner Wörter. Ich komme gleich dazu. Er hat dann nach einer längeren Pause wieder gegähnt und sich das Gesicht gerieben und so. Und meinte dann, „que sueño“. Also „sueño“, weißt du ja, hat ja mehrere Bedeutungen. Sueño kann ja heißen Traum. Sueño kann heißen Schlaf. Und das waren die beiden Bedeutungen, die ich kannte damals. Und für mich war dann klar, okay, was ist hier jetzt gerade los? Warum sagst du mir hier Traum? Also warum? Du fährst hier gerade Auto, reibst dir dein Gesicht und sagst mir, „que sueño“, du hast hier gerade einen Traum gehabt, während du Auto fährst. Und ich habe ihn total bestürzt, total erschrocken angeguckt, weil ich nicht wusste, dass sueño auch noch als dritte Möglichkeit hat, Müdigkeit oder Schläfrigkeit. 

David:
Ja, Schläfrigkeit, genau. 

Flemming:
Genau. Und das war in dem Moment so, ich habe ihn angeguckt und gedacht, ich weiß gar nicht mehr, so sinngemäß, „Was, du hast gerade geschlafen?“ oder so, oder „Du hast gerade einen Traum gehabt?“ und war so total, genau, Sekundenschlaf und so und total perplex, dass ich hier jetzt auf dem Beifahrersitz neben ihm sitze und er hier gerade ein paar Sekunden die Augen zu hatte, bis er mir dann erklärt hat, auch das habe ich mir bis heute gemerkt, okay, sueño kann auch Schläfrigkeit oder Müdigkeit heißen. Und es ist alles gut, er ist einfach nur müde vom Tag, der Mann, der gute Angel. 

David:
Ja, der gute Angel. 

Flemming:
Genau. Auch das war so eine Situation, wo ich erstmal leicht schockiert war, aber dann festgestellt habe, okay, die Sprache ist ein bisschen komplexer, als ich bisher gedacht hatte. 

David:
Tatsächlich. Ja, dann habe ich, ich bin froh, dass ich dieses Wort im Unterricht gelernt habe und nicht in so einer Situation. 

Flemming:
Ah, okay, ja siehst du, sehr gut, sehr gut. 

David:
Ja, ja, genau. 

Flemming:
Das ist einiges wert. Ja, also, es ist, in dem Fall war es, ja doch, natürlich, es war irgendwie ja mein Fehler, weil ich es noch nicht kannte. Es hat zu einem Missverständnis beigetragen, aber es hat auch wieder für einen großen Lerneffekt gesorgt. Ich glaube, das ist so ein bisschen die Botschaft, die hier alle heute mitnehmen können, dieses Fail Forward und einfach Fail Fast, wie du gesagt hast. 

David:
Ja, Fail Forward klingt auch schön, weil das klingt nach Fortschritt. 

Flemming:
Ja, genau. 

David:
Du failst und machst Fortschritte dabei. Finde ich auch gut. 

Flemming:
Genau, genau. Ich hatte mir eigentlich sogar noch einen vierten aufgeschrieben, der war jetzt auf Italienisch, das war, das war, glaube ich, meine allererste, eine meiner allerersten Spracherfahrungen. Italienisch dann auch nach dem Englischen, so nach der Uni, nee, nach dem Abitur so dazukam. Da wollte ich irgendwann mal auf dem Markt in Catania, als ich da Erasmus gemacht habe, wollte ich einen, ich habe den Händler angeguckt, den Käsehändler und wollte von ihm ein „Formaggio piuttosto caro“ haben. Ja, also ich als armer Student wollte ein „Formaggio piuttosto caro“ haben, ja, keinen, keinen teuren, also das würde heißen, „einen teuren Käse“, „einen eher teuren Käse“. Da hat er mich schon so angeguckt und mir gar nicht geglaubt, dass ich mir jetzt hier einen eher teuren Käse leisten kann und hat mich dann korrigiert und gesagt, okay, „Formaggio piuttosto economico“, also ein bisschen günstiger, wenn es geht und das war auch das, was ich sagen wollte und das war auch so eine meiner allerersten Erinnerungen an diese, ja, an diese Missverständnisse, die man beim Sprachen lernen oder beim Sprachen sprechen einfach kreieren kann. Fand ich auch sehr, sehr, sehr witzig damals. 

David:
Definitiv und es ist krass, wie klar man diese Situation noch in Erinnerung hat, ne?

Flemming:
Ja.

David:
Auch Jahre später. Ja und wenn wärst du in dieses Gespräch nicht gekommen, wärst du gar nicht dazu gekommen, mit dem zu reden, dann hättest du das eben nicht gelernt, ne. 

Flemming:
Genau. 

David:
Du hast ja, das war ein Wagnis deinerseits, du hast dich einfach getraut. Hast zwar einen Fehler gemacht, aber who cares. Also hast daraus gelernt und kannst ja heutzutage eine lustige Geschichte erzählen. 

Flemming:
Ganz genau. 

David:
Genau, also immer, immer positiv sehen, immer sich trauen, das ist das Allerwichtigste. Genau, das ist auf jeden Fall eine schöne Botschaft, die man mitnehmen kann, ja. 

Flemming:
Denke ich auch. Ja, cool David, ich denke mal, da haben wir ein paar lustige Situationen hier abgeliefert.

David:
Ich glaube auch.

Flemming:
Hat den Leuten hoffentlich genauso gefallen wie uns hier. Mir hat es Spaß gemacht, wie immer mit dir zu reden und wir bleiben weiter in Kontakt und machen weiterhin unsere Folgen zusammen und ja, dann danke ich dir, wie gesagt, vielmals und bis ganz bald, würde ich sagen. 

David:
Ich habe auch zu danken. Alles Gute euch allen. Bis zum nächsten Mal. 

Flemming:
Bis zum nächsten Mal. Davids Links zu seinem Kontakt oder Davids Kontaktdaten stelle ich euch natürlich in die Shownotes, wie immer und ansonsten Leute, folgt dem Podcast, abonniert, wo ihr nur könnt, bewertet und erzählt euren Freunden davon, das hilft, Deutsches Geplapper weiter voranzukommen. Mich würde es auch persönlich ganz doll freuen, wenn ich Feedback von euch erhalte, gerne auch Kritik und Fragen. Kommentiert auch immer gerne über YouTube, über Spotify geht das übrigens mittlerweile auch, da kann man auch Kommentare schreiben, neue, relativ neue Funktion, glaube ich. Ja, ansonsten bleibt gesund, habt eine schöne Woche, genießt die Zeit, lasst euch nicht zu sehr stressen, lernt weiter fleißig Deutsch und macht Fehler, traut euch Fehler zu machen! Das ist die Botschaft von heute. Wir sehen uns und hören uns nächste Woche wieder. Macht’s gut, Leute. Ciao. 

David:
Mach’s gut. Ciao Ciao.

Willst du gleich weiterhören? Hier ein paar Vorschläge:

Hier bekommst du das Material für die Translation³-Methode:
https://www.patreon.com/natural_fluent_german?fan_landing=true&view_as=public

David findest du hier:
https://www.linguathor.com/de/
https://www.youtube.com/@LinguaThor
https://www.instagram.com/linguathor_fluency/?hl=de

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flemming@naturalfluentgerman.com 

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