#97 – Umgangssprache vs. gehobenes Deutsch – mit David von Linguathor

Kannst du ganz genau unterscheiden, wann die Deutschen Umgangssprache und wann sie gehobenes Deutsch benutzen? Jeden Satz kann man entweder auf die eine oder die andere Weise benutzen. Heute wirst du lernen, worin die konkreten Unterschiede bestehen und wann man die jeweiligen Sätze nutzen sollte. 

Herzlich willkommen bei Deutsches Geplapper. Ich bin Flemming, Deutsch-Coach von Natural Fluent German. Dieser Podcast ist für dich, wenn du dein Hörverstehen verbessern, deinen Wortschatz erweitern, das echte Alltagsdeutsch kennenlernen und mehr über Deutschland erfahren möchtest. Die Transkripte zum Mitlesen findest du unter www.naturalfluentgerman.com. Übrigens, Deutsches Geplapper gibt’s auch bei YouTube. Und nun viel Spaß beim Hören! 

Flemming:
Ja, moin liebe Leute, moin moin liebe Leute, schön, dass ihr da seid und Tach David! Wie geht’s dir, Alter? Alles gut? 

David:
Bei mir alles bestens, Digger. Bei dir? 

Flemming:
Sehr schön. Du bist genau darauf eingestiegen. Wunderbar. „Tach David, Alter“ ist natürlich eine sehr umgangssprachliche Begrüßung und „Bei mir alles bestens, Alter“, nee, „Digger“ hast du gesagt. 

David:
Genau. 

Flemming:
Könnte man… Ist auch ziemlich umgangssprachlich. Ich würde sagen, das passt so in so einen freundschaftlichen Kontext richtig gut rein, oder? 

David:
Ja, aber wahrscheinlich eher nicht in einen geschäftlichen Kontext. 

Flemming:
Genau. Wie hättest du mich da begrüßt? 

David:
Ja, „Guten Tag, wie geht es Ihnen?“ Eigentlich eher nicht. „Guten Tag“, „Wie geht es Ihnen“ würde man eigentlich eher gar nicht fragen, oder? 

Flemming:
Es kommt darauf an.

David:
Kommt drauf an, wie gut man die Person kennt, ne? 

Flemming:
Ja, und ob man direkt zur Sache kommen möchte oder ob es hier noch ein bisschen um Smalltalk geht oder sowas. 

David:
Genau, aber auf jeden Fall „Guten Tag, Herr Goldbecher“, ne, das würde man schon sagen, den Nachnamen der jeweiligen Person, aber stimmt. 

Flemming:
Vielleicht mal solche Floskeln wie, „Ich freue mich, Sie wiederzusehen“. 

David:
„Ich grüße Sie“. 

Flemming:
„Ich grüße Sie“, ja. 

David:
Genau, ich habe ein paar Freunde, die sagen das wirklich im geschäftlichen Kontext. Ich fand das schon immer ein bisschen steif, muss ich sagen, aber das hört man schon. 

Flemming:
Ja, „Ich grüße Sie“. Ja, okay. Also, wir sind hier schon gut ins Thema gestartet. Ja, wir machen heute so ein kleines Spielchen. Und zwar haben wir uns gedacht, wir bauen heute einfach mal Sätze um. Es geht hier heute um Umgangssprache beziehungsweise gehobene Sprache. Und wir haben uns beide so ein paar Sätze ausgedacht, die wir dem jeweils anderen vorlesen, und der hat dann die Aufgabe, diesen Satz umzubauen, also jeweils von der Umgangssprache in die gehobene Sprache und auch umgekehrt. Wir starten da fast direkt rein. Vorher vielleicht noch mal zum Verständnis ‘ne ganz, ganz basische, kurze Erläuterung. Was ist denn überhaupt jetzt Umgangssprache, was ist gehobene Sprache? Wie würdest du das definieren, David? 

David:
Genau. Genau das wollte ich auch ansprechen, also gut, dass du das ansprichst. Und zwar, wenn wir überhaupt von, genau, von gehobener beziehungsweise von umgangssprachlicher Sprache reden, dann redet man zumindest in der Linguistik vom sprachlichen Register. Das heißt, ja, es gibt ja natürlich viele Unterschiede, zum Beispiel in der Anrede, haben wir ja schon gesehen, in der deutschen Sprache ist es ja ganz klar, duzen und siezen. Da merkt man es ja allein schon bei der Anredeform, ob man gerade eher informell oder formell redet, wobei es auch da Unterschiede gibt, oder? 

Flemming:
Genau. Im Prinzip, ja, kann man sagen. Also, wenn wir von gehobener Sprache reden, heißt es ja nicht immer unbedingt, dass wir jetzt beim „Sie“ landen müssen. Das ist ja, glaube ich, auch ein wichtiger Punkt. Also, ich würde mal sagen, im geschäftlichen Bereich, ja im Business-Kontext ist das schon immer angebracht, aber gehoben heißt ja jetzt nicht immer, dass ich „Sie“ oder „Ihnen“ sagen muss, sondern hier geht es ja auch vorrangig um die Wortwahl. 

David:
Genau. Auf jeden Fall. Das heißt, ich kann zum Beispiel meine Kollegen duzen und trotzdem benutzen wir Fachjargon, das heißt, bestimmte Termini, bestimmte Begriffe, die man halt auf unserem Gebiet, also in einem bestimmten Fachbereich benutzt, auch teilweise formellere Sätze, ohne dass wir unbedingt uns gegenseitig siezen. 

Flemming:
Ganz genau. 

David:
Genau. Was gibt es denn noch? Ja, also in der gesprochenen Sprache, beziehungsweise in der umgangssprachlichen Sprache, benutzt man ganz oft Slang. Es gibt auch viel aus verschiedenen Dialekten. Zum Beispiel „gell“ sagt man sehr gerne eher im Süden oder „dolle“, wenn man „sehr“ sagen möchte, das sagt man sehr gerne im Norden Deutschlands. 

Flemming:
Ja, „Der Film war jetzt nicht so dolle“. 

David:
Nicht so dolle, ja. Oder „Ich habe mir ganz dolle wehgetan“. 

Flemming:
Sehr gut. 

David:
Kann man auch als Adverb, also sowohl als Adverb als auch als Adjektiv benutzen. Genau, ganz viel Ellipsis, das heißt, man reduziert sehr gerne. „Kannst mir mal schnell einen Kaffee machen?“, zum Beispiel. „Kannst du…“ und so weiter. Du hast bestimmt auch ein paar Beispiele davon, denke ich mal. 

Flemming:
Genau. Und gut, dass du das sagst. Auch so etwas würde man in dieser gehobenen Sprachvariante nicht machen. Also du würdest, ich glaube, du redest einfach viel klarer in diesem Business-Kontext. Und dieses, was ich gerade gemacht habe, „ne und…“ würde man auch nicht sagen. 

David:
Diese ganzen Partikel, genau, die fallen meistens weg, ne!?

Flemming:
Genau. Ne? 

David:
Also bei mir ist das auf jeden Fall eine ganz schlechte Gewohnheit. 

Flemming:
Das ist einfach drin, genau. Also das, was mir dazu noch eingefallen ist, weil du gerade auch Slang gesagt hast und man kann in dem Kontext auch noch so ein bisschen Jugendsprache erwähnen. Viele Leute denken aber auch, dass diese Umgangssprache eher verpönt ist, ja, beziehungsweise dass Umgangssprache eigentlich etwas ist, was nicht so schön klingt, was man eher vermeiden sollte. Das habe ich schon ganz oft gehört. Und da müssen wir aber sagen, David, das ist ja eigentlich, nicht eigentlich, sondern das stimmt natürlich überhaupt nicht, weil die Umgangssprache ist eben das, was wir am häufigsten benutzen, in diesen lockeren alltäglichen Konversationen, die brauchen wir einfach. 

David:
Ja, und die muss man auf jeden Fall verstehen können, weil wenn man auf die Straße geht, egal wo man eigentlich ist, natürlich ist es regional unterschiedlich, was für Wörter, was für Ausdrücke man benutzt. Aber es wird auf jeden Fall überall in Deutschland, beziehungsweise Österreich, beziehungsweise in der Schweiz, Jugendsprache, Slang benutzt. Das kann man nicht vermeiden. Und die muss man auf jeden Fall verstehen können, diese Ausdrücke, wenn man so im Alltag klarkommen möchte. 

Flemming:
Ganz genau. Also wir haben in der Einleitung schon beide so einen Begriff benutzt. Ich sage mal, ich habe ja „Alter“ gesagt, um dich anzusprechen. Das ist noch viel, viel geläufiger, das gibt es schon viel, viel länger, würde ich mal sagen. Und das ist jetzt nicht nur Jugendsprache, wohingegen dein „Digger“ schon eher in diese Kategorie fallen würde. Es wird dann häufiger von jüngeren Generationen genutzt. „Alter“ würden auch meine Eltern sagen, und die sind jetzt, ja, über 60. Also ja, genau. Das ist dann schon eine andere Generation wieder. 

David:
Das stimmt, ja. Und in Österreich sagt man tatsächlich „Oida“. Man sagt nicht „Alter“ sondern „Oida“. 

Flemming:
„Oida“, stimmt, ja sehr gut.

David:
Das habe ich von meinen österreichischen Freunde gelernt. 

Flemming:
Habe ich auch schon mal gehört. 

David:
Also im ersten Moment klang das wie Euter. Und ich so, „Hast du mich gerade Euter genannt?“ 

Flemming:
Weil die so viele Kühe da haben und in den Alpen leben und so weiter. 

David:
Ich wusste ja gar nicht, was ich davon halten sollte. 

Flemming:
Sehr gut. Also ich glaube, wir haben so erstmal die wichtigsten Fragen zum Thema Umgangssprache beziehungsweise gehobene Sprache geklärt und würde jetzt dann mit dir einfach in dieses Satzbauspiel hineingehen. 

David:
Ja, machen wir. 

Flemming:
Bist du bereit? Sehr schön. Dann starten wir jetzt einfach mal mit dem Thema oder mit der Umgangssprache und wir versuchen, sie in gehobene Sprache umzuformen. Ich würde sagen, jeder von uns liest seinen Satz vor, immer im Wechsel und dann ist der Nächste dran. 

David:
Okay, magst du anfangen? 

Flemming:
Ich fange an. Ich hab ‘nen ganz einfachen, kurzen Satz und zwar: „Alter, das ist echt krass.“ 

David:
„Ach du meine Güte“. Das ist echt krass. Das Problem ist, dass ich so oft „das ist echt krass“ in meinem Alltag sage, dass mir auf Anhieb nichts einfällt. „Das ist äußerst“, je nach Kontext, weil „krass“ kann so viele unterschiedliche… „Das ist äußerst seltsam“. „Ach du meine Güte, das ist aber äußerst seltsam“, sowas in der Art. 

Flemming:
Das ist gut, dass du das hier auch sagst, dass man auch merkt, man bekommt bei dem Wort „krass“ einfach auch krasse Probleme. „Krass“ hängt wirklich extrem vom Kontext ab. Ich hatte mir hierzu aufgeschrieben, „außerordentlich bemerkenswert“. „Krass“, das wäre ja eher so ein positiver Kontext. 

David:
Genau. 

Flemming:
Und „krass“ kann aber, wie du gesagt hast, auch „seltsam“ heißen. 

David:
Eben, genau. Deswegen war es so schwer im ersten Moment, weil ich dachte so, „aber in welchem Kontext?“ Aber das ist ja genau, ich denke mal, genau der Trick dabei, dass man tatsächlich diese… Weil das Problem ist, man neigt dazu, immer wieder in seinem Alltag, so wie ich schon gesagt habe, diesen Ausdruck zu benutzen und denkt eigentlich gar nicht so sehr darüber nach, was man damit meint. Und deswegen ist es eine sehr gute Übung auf jeden Fall für die ganzen Deutschlerner da draußen, dass man sich überlegt, was möchte ich denn gerade ausdrücken mit diesem umgangssprachlichen Satz und wie könnte ich das schöner formulieren? 

Flemming:
Ganz genau, gerade bei solchen Wörtern, die wirklich so viele verschiedene Bedeutungen haben, bei denen so viele Leute immer wieder durcheinander kommen und nicht genau wissen, wann setze ich das ein, das ist eine super Übung. 

David:
Ja, okay, das war richtig gut. Okay, jetzt bin ich dran. Also ich gebe dir einen umgangssprachlichen Satz, ne? 

Flemming:
Genau. 

David:
Alles klar, okay. „Boah ey, ich muss mal ganz dolle.“ 

Flemming:
Ja, okay, auch an dem Fall würde ich sagen, kommt so ein bisschen, ja, kommt vielleicht so ein bisschen auf die Situation an, aber allgemein würde ich sagen, ja, ich würde deine Einleitung wieder benutzen. „Ach du meine Güte, ach du meine Güte, ich muss…“ Ah, dolle, ja, siehst du, das ist auch nicht so… „Ich muss ganz nötig auf die Toilette gehen“. 

David:
Ja, genau, „ganz nötig“, „ganz dringend“, hatte ich aufgeschrieben. „Ich müsste dringend eine Toilette aufsuchen“, hatte ich aufgeschrieben, aber… Ja, ja, und das ist eigentlich die, ja, sagen wir mal, also „Ich muss mal ganz dolle“, das geht ja viel härter. Ich weiß nicht, wie, sagen wir mal, salopp wir sein wollen, wie derbe, aber „Ich muss mal hart pissen“, das hört man auch, das muss man kennen. Oder Mädchen würden eher dazu neigen, sowas nicht zu sagen, die würden eher sagen, „Ich puller mir gleich in die Hose“. „Pullern“ wäre umgangssprachlich für „pinkeln“. 

Flemming:
Genau, ich hätte jetzt gesagt, „pinkeln“ wäre auch schon umgangssprachlich. 

David:
„Pinkeln“, eigentlich, da hast du recht, „urinieren“ wäre ja der, genau, der Fachausdruck, ne? 

Flemming:
Ja, genau. 

David:
Und ja, aber wenn „pinkeln“ schon umgangssprachlich ist, dann was ist zwischen „pinkeln“ und „urinieren“? 

Flemming:
Das ist eine gute Frage. Ja, also genau. 

David:
Dinge, über die man sich noch nie Gedanken gemacht hat, ne? Also ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht. Was befindet sich dazwischen? Wenn ihr das wisst, dann schreibt das bitte in die Kommentare. 

Flemming:
Sehr gut, so klären wir es auf, super. „Urinieren“ würde man auch im Übrigen nie sagen, also man macht sich so ein bisschen lächerlich, wenn man sagt, „Ich muss jetzt mal urinieren“. 

David:
Ja. 

Flemming:
Das würde man weder im Business-Kontext sagen, da würde man sagen, „Wo ist hier die Toilette?“ oder so. 

David:
Genau. 

Flemming:
Man spricht ja dieses Thema gar nicht direkt an. Man sagt eher, „Ich muss mal die gekachelten Nebenräume dieses Etablissements aufsuchen“ oder sowas, ja? 

David:
„Ich muss mal für kleine Königstiger“. Das ist mein Lieblingsausdruck. 

Flemming:
Sehr schön. Ja, das ist immer mit einer Prise Humor noch dabei, wunderbar. 

David:
Richtig, genau. 

Flemming:
Und weil du das übrigens auch gerade noch angesprochen hast, bei Frauen ist das immer auch ganz interessant zu sehen, dass diese derbe Umgangssprache viel seltener verwendet wird als bei Männern, oder? Weil gerade dieses Thema, ich muss mal pissen oder so, das klingt aus dem Mund einer Frau, welche Gründe das auch immer hat, das wollen wir hier gar nicht näher erläutern, aber das klingt einfach unheimlich seltsam und hört man viel, viel seltener. Natürlich bei Männern viel häufiger, aber ich glaube, das ist in den meisten Sprachen so. 

David:
Ich glaube auch. Also auf jeden Fall habe ich, ich habe das so erfahren, das so erlebt, dass es bei Frauen viel weniger oft der Fall ist in verschiedensten Sprachen. Ja, ach so, man redet auch vom „stillen Örtchen“.

Flemming:
Das stille Örtchen, ja.

David:
„Das stille Örtchen“, also anstatt „die Toilette“ zu sagen, „Ich müsste mal auf das stille Örtchen“ oder so.

Flemming:
Genau. 

David:
Aber das ist ja auch schon ein bisschen lustig gemeint, wenn man das sagt. 

Flemming:
Genau, genau. Sehr schön, super. Das war ein sehr schöner Begriff. 

David:
Jetzt bist du wieder dran.

Flemming:
Dann bin ich wieder dran. Ich habe hier mal ein Beispiel aus meinem alltäglichen Kontext genommen. Ich bin ja gerade in Portugal, wie du ja weißt und einige Hörer bestimmt auch. Und der Satz lautet: „Meine Fresse, die Wellen waren heute tierisch heftig. Ich hätte fast den Schwanz eingezogen.“ 

David:
„Meine Fresse, die Wellen waren heute tierisch heftig. Ich hätte fast den Schwanz eingezogen.“ 

Flemming:
Der ist nicht leicht, gebe ich zu. 

David:
Nee. Also dieses „meine Fresse“ und so weiter. Es tut mir leid, immer wieder „ach du meine Güte“ sagen zu müssen, aber…

Flemming:
Es gibt nicht so viel.

David:
Es gibt ja gar nicht so viel, was man in der formelleren Sprache sagen würde. „Ach du meine Güte, die Wellen am heutigen Tage waren…“, ich mag das Wort „äußerst“ sehr. „…waren äußerst…“, da fällt mir wirklich nichts ein. 

Flemming:
Ich kann dir helfen, wenn dir nichts einfällt. Das ist wirklich nicht schwer. Also ich habe natürlich diese Sätze vorbereitet. „Äußerst“ ist auch gut, man könnte ja sagen, man könnte hier das Substantiv gebrauchen, „sie waren von außergewöhnlicher oder äußerster Heftigkeit“. Das klingt schon deutlich formeller in dem Kontext. 

David:
Ja.

Flemming:
Gut, sowas wie „stark“, das wäre natürlich ein bisschen einfach. 

David:
Ein bisschen einfach, ja genau. „Von außerordentlicher Heftigkeit“, das finde ich gut. „Ich hätte fast aufgegeben“. Genau, „Ich hätte fast aufgegeben“.

Flemming:
Genau, ja, „Ich hätte fast aufgegeben“. 

David:
„Beinahe“ ist eigentlich formeller als „fast“. Gut, dann bin ich jetzt wieder dran. Das wird ganz lustig, denke ich mal. Das ist jetzt auch ein bisschen länger. „Mensch, ich habe echt keine Lust mehr auf die Schule. Lass uns lieber eine Runde zocken“. 

Flemming:
Okay, also bei dem „Mensch“ ist es immer wieder die Frage, wie leitet man in der gehobenen Sprache hier so einen Satz ein? Vielleicht, wenn man die Person direkt anspricht, weil mit dem „Mensch“, das ist ja auch so eine Anrede, dann würde ich sagen, „Hey mein Freund“ zum Beispiel. 

David:
Ja. Oder oft sagt man einfach gar nichts in der gehobenen Sprache. Man würde einfach gar nichts sagen an der Stelle. Aber ja, „Hey mein Freund“ ist ja… Wobei „hey“ auch relativ informell ist. Ich würde ehrlich gesagt einfach gar nichts sagen an der Stelle. 

Flemming:
Ja, okay. Also entweder lassen wir es weg oder sagen, „Hör mal zu, mein Freund“. 

David:
Genau.

Flemming:
Okay, „Ich habe echt keine Lust auf die Schule…“ 

David:
„Lass uns lieber eine Runde zocken.“ 

Flemming:
„Ich würde heute nur allzu ungern in die Schule gehen. Wärst du einem gepflegten Computerspiel ebenso zugeneigt wie ich?“ 

David:
Nicht schlecht, finde ich richtig gut, ja. Also das, was ich geschrieben habe, ist ja relativ hochgestochen: „Ich muss gestehen, dass ich derzeit nur wenig Motivation für den Schulbesuch verspüre. Vielleicht wäre es ratsam, eine Pause einzulegen und stattdessen eine Partie eines Videospiels zu genießen.“ 

Flemming:
Oh Gott, wenn man solche Sätze hört, dann fragt man sich, warum machen wir es uns eigentlich so kompliziert? Wahnsinn. 

David:
Ja. 

Flemming:
Auch sehr gut. 

David:
Ja genau. „Ich muss gestehen“ ist tatsächlich ein sehr schöner Ausdruck. „Ich muss gestehen, dass…“ das und das. „Gestehen“ ist ja relativ gehoben. In der Ungarnsprache würde man eher „ich muss zugeben“ sagen. 

Flemming:
Ja, genau.

David:
„Ich muss zugeben“. „Ich muss gestehen“ klingt aber viel schöner. Genau. „Derzeit“ heißt einfach „jetzt“. „Eine Pause einzulegen“, man sagt im Alltag einfach „eine Pause machen“. So, jetzt bist du wieder dran und jetzt machen wir es andersrum, ne? 

Flemming:
Jetzt machen wir es andersrum. Jetzt wird es richtig spannend. Aber ich glaube eigentlich, dass es ein bisschen leichter wird. Aber mal sehen, ob das stimmt. 

David:
Ich glaube auch. 

Flemming:
Also: „Ich empfinde momentan keine besondere Lust, meinen beruflichen Pflichten nachzukommen.“

David:
„Ich hab… Boah ey, ich hab echt keinen Bock auf diesen Scheiß gerade, auf diese Arbeit gerade.“

Flemming:
Genau. „Auf diese scheiß Arbeit“ oder so. 

David:
„Ich hab echt keinen Bock auf diese scheiß Arbeit.“ 

Flemming:
Genau. So habe ich es auch aufgeschrieben. „Meinen beruflichen Pflichten nachkommen“, ja, also einer Aufgabe nachkommen. In der Ungarnsprache einfach „arbeiten“ in dem Fall. 

David:
Oder „gerecht zu werden/gerecht werden“, könnte man… 

Flemming:
Genau. Ja und „Lust empfinden“. Oder hättest du da vielleicht noch einen anderen gehobenen Ausdruck? „Ich empfinde momentan keine besondere Lust“. 

David:
„Mir ist echt nicht danach“, zum Beispiel „das hier zu erledigen“ oder sowas in der Art. 

Flemming:
Oder „Ich verspüre kein Bedürfnis danach“. 

David:
Genau. „Verspüren“ benutzt man tatsächlich sehr gerne. Benutze ich auch in meinem Beispiel gleich. In der gehobenen Sprache. Ja, aber sonst unterscheidet man meistens, man sagt eher „Bock“ in der Umgangssprache und eher „Lust“ in der formelleren Sprache. 

Flemmming:
Genau. 

David:
In einem höheren Register. Okay, gut. Jetzt bin ich dran. Und zwar: „Ich verspüre einen ausgeprägten Appetit. Erlauben Sie mir den Vorschlag, gemeinsam eine Lokalität aufzusuchen und dort eine Mahlzeit zu uns zu nehmen.“ 

Flemming:
Okay. „Ich verspüre einen…“

David:
„Einen ausgeprägten Appetit“. 

Flemming:
Aha. „Erlauben Sie mir den Vorschlag…“ Ich würde sagen, okay, also: „Alter, ich hab mega Hunger. Soll ich uns ein Restaurant raussuchen, damit wir schön was fressen können? 

David:
Finde ich gut, auf jeden Fall. 

Flemming:
„Schön was fressen auf jeden Fall“, das ist ganz wichtig. 

David
Ja, schön was…“, ja genau, auf jeden Fall Hauptsache „was fressen“. Genau. Ich hatte aufgeschrieben: „Digga, ich hab voll Kohldampf. Lass uns was Leckeres futtern gehen“. 

Flemming
„Futtern“ ist auch gut.

David:
Ja, „futtern“.

Flemming:
Stimmt. Und das Wort „Kohldampf“ finde ich auch besser. Was habe ich gesagt? „Ich hab mega Hunger“. 

David:
„Ich hab mega Hunger“, genau. 

Flemming:
„Mega“ kann man ja vor alles setzen, um das einfach zu verstärken, aber in dem Fall“Kohldampf“ ist auch gut. 

David:
„Ich habe so krass Hunger, ich hab mega Hunger“. Aber ja, „ich hab voll…“, man benutzt auch sehr gerne „voll“ in der Umgangssprache. „Boah, das ist voll cool, voll krass. Ich habe voll Kohldampf“. 

Flemming:
Ja, genau. Sehr gut. Okay. 

David:
Ja, okay, jetzt bist du wieder dran. 

Flemming:
Genau. Letzter Satz von mir: „Ich würde mir wünschen, künftig häufiger mit meiner Familie nach Einbruch der Dunkelheit zu speisen.“ Auch was mit Essen. 

David:
Nochmal bitte. 

Flemming:
Ja. „Ich würde mir wünschen, künftig häufiger mit meiner Familie nach Einbruch der Dunkelheit zu speisen.“

David:
„Es wäre mir voll lieb, wenn…“, also je nachdem, ob man die Familie anspricht oder ob man mit einem Freund gerade darüber redet, „Ich würde mir…“, also „Es wäre mir echt lieb, wenn ich öfter abends mit meiner Familie essen würde.“ 

Flemming:
Ja, hier muss man gar nicht so weit in die Slang-Sprache gehen oder sowas. Es ist einfach, ja, umgangssprachlich würde man es ganz locker so sagen. 

David:
Ja. 

Flemming:
„Nach Einbruch der Dunkelheit“, okay, kann man jetzt darüber streiten, ist der Abend immer gleich dunkel oder so?

David:
Ja, aber man meint auf jeden Fall „abends“, wenn man das sagt. 

Flemming:
Genau. 

David:
„Ich wünschte mir echt, ich könnte irgendwie…“, „irgendwie“, man sagt es sehr gerne „irgendwie“, obwohl man eigentlich gar nicht „irgendwie“ meint in der Umgangssprache. „…wenn ich irgendwie öfter mit meiner Familie abends essen könnte“. 

Flemming:
Genau. Und eine zweite Besonderheit, die ich hier vielleicht noch erwähnen würde, ist einfach die Einleitung, die ich benutzt habe. „Ich würde mir wünschen“. Wir nutzen in der Umgangssprache deutlich seltener den Konjunktiv einfach. Ich würde dann sagen, „Ich hab Lust“ oder sowas. Also seltener, „Ich hätte Lust“ oder „Ich würde mir wünschen“, sondern „Ich hab Lust, das in Zukunft häufiger zu machen“. 

David:
Ja. „Ich müsste“, „das dürfte der Fall sein“. Okay, gut, dann bin ich wieder dran. Und zwar, jetzt haben wir schon wieder die Unterscheidung zwischen „Lust“ und „Bock“. Aber ich bin gespannt, was du aus dem Nebensatz machst. Und zwar: „Hätten Sie heute Abend eventuell Lust, mit uns gemeinsam das Nachtleben unserer Stadt zu erkunden?“ 

Flemming:
„Hätten Sie heute Abend eventuell Lust, mit uns gemeinsam das Nachtleben zu erkunden?“ 

David:
„Das Nachtleben unserer Stadt zu erkunden“. 

Flemming:
Okay. Okay, ja gut. Ich gehe mal ein bisschen auf die Straße in die Berliner Außenbezirke vielleicht. „Jo Bruder, hast du Bock…“ 

David:
Jo Bruder… 

Flemming:
„Jo Bruder, hast du Bock, heute Nacht mit uns um die Häuser zu ziehen?“ 

David:
Genau, „um die Häuser zu ziehen“, das wollte ich zunächst einmal aufschreiben. Aber ich habe tatsächlich in diesem Fall, „Jo Alter, hast du Bock, heute Abend mit uns auf die Piste zu gehen?“, geschrieben. 

Flemming:
Ah, „auf die Piste zu gehen“ ist auch gut. 

David:
Ja, genau, „auf die Piste gehen“ oder „um die Häuser ziehen“. Beides sehr gut, ja. 

Flemming:
Sehr gut, okay. Also ich muss natürlich hier nicht „Jo Bruder“ sagen oder wie auch immer. Ich kann natürlich wie im Beispiel davor auch hier eine eher neutralere Version nehmen. Also, „Hättest du Lust heute Abend…“ und so weiter und so fort. 

David:
Genau, ja. Je nachdem mit wem man redet und wie derbe man reden möchte. 

Flemming:
Genau, genau. Teilweise nicht einfach, also gerade der erste Teil war extrem schwierig teilweise. Wie gesagt, wir haben in der Umgangssprache eben dann deutlich mehr Möglichkeiten. Deswegen fällt es hier auch ein bisschen leichter, die Sätze von der gehobenen in die Umgangssprache umzuformen. Aber es gibt auf jeden Fall immer mehrere Varianten und es hängt natürlich immer, wie du gesagt hast, davon ab, mit wem redest du, was ist die Botschaft, die du hier rüberbringen möchtest. 

Das war es mit unserer heutigen Folge. Wir hoffen, es hat dir gefallen. Du hast einiges gelernt zum Unterschied zwischen Umgangssprache und gehobener Sprache. Und du wirst vielleicht in Zukunft beides auch besser und sicherer anwenden können. Wenn du Fragen zu diesem Thema hast oder unsicher bist bei einigen Formulierungen und Wörtern, die wir heute benutzt haben, dann schreib auf jeden Fall einen Kommentar bei YouTube. Egal wo du diese Folge hörst, kommentieren kannst du immer bei YouTube unter dieses Video. Und dann wirst du definitiv Hilfe erhalten von mir oder David, sodass du ganz genau weißt, ob du auf der richtigen Seite bist. Ja und gerne gib uns auch Feedback, ob dir dieses Format gefallen hat. Sag uns gerne Bescheid, ob du Gefallen an dieser Folge gefunden hast, ob du gerne in Zukunft auch häufiger solche Episoden, solche Videos hier hören bzw. sehen möchtest. Und dann werden wir sicherlich weiterhin auch dieses Format hier bedienen und dir solche interessanten Folgen mit kleinen Satzbauspielchen präsentieren können. Übrigens, ab sofort gibt es auch exklusive Kurzfolgen von Deutsches Geplapper von meinem Podcast, die du hören und mit denen du arbeiten kannst. Und zwar auf meiner Website www.naturalfluentgerman.com. Du kannst diese Folgen immer zwischendurch hören. Das sind kleine kurze Episoden, in denen ich über meinen Alltag spreche, über interessante, witzige Anekdoten. Ich erkläre auch ganz viel Wortschatz und Redewendungen. Es wird immer etwas Interessantes und Lustiges, Unterhaltsames für dich geben. Ja und wie kannst du diese Folgen nutzen und hören? Geh einfach, wie gesagt, auf meine Website und melde dich für meinen Newsletter an. Dort kannst du dann ganz einfach gratis auf diese Folgen inklusive Transkript zugreifen. Also melde dich an unter diesem Video bzw. in den Shownotes dieser Podcastfolge und dann viel Spaß mit den exklusiven Folgen. Ansonsten wünsche ich dir, dass du ganz viel Spaß beim Lernen hast und wir hören und sehen uns hoffentlich bald wieder. Bis ganz bald. Mach’s gut. Ciao, ciao.

Willst du gleich weiterschauen? Hier ein paar Vorschläge:

Zu David kommst du hier:
https://linguathor.myelopage.com/s/linguathor
https://www.youtube.com/c/DavidAllenMartinII/videos

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